Die bz Basel hatte vor zwei Wochen exklusiv berichtet, dass Christian Stucki beim Frau­matt-Schwinget an den Start gehen wird, da er nach seiner erlittenen Oberschenkelverlet­zung im Hinblick aufs Eidgenössische Älpler- und Schwingerfest noch einen Wettkampf benötige.

Und in der Tat griff „dr Stucki Chrigu“, wie der wohl charismatischte und populärste Schwinger gerufen wird, am Samstagmorgen um 9.30 Uhr mit dem Lokalmatadoren Erb Roger zum 1. Kampf. Der Metzerler, der für den Schwingklub Oberwil kämpft und sich im Organi­sations-Komitée des Fraumatt-Schwinget einbringt, wählte eine Vorwärtsstrategie – und lag nach wenigen Kampfsekunden platt im Sägemehl. Damit war der Leimentaler  aber in guter Gesellschaft. Obwohl das Kampfgericht dem Gast aus dem Berner Seeland stets Teilverbands- oder Bergkranzsieger vorsetzte, lagen Willi Schillig (Walterswil), die 17-jähri­ge Baselbieter Nachwuchshoffnung Janic Voggensperger (Schönenbuch), Tiago Viei­ra (Bi­berstein) und Samuel Schmid (Wittnau) ebenfalls nach kurzer Kampfzeit auf dem Rücken.

Die Quintessenz nach fünf Gängen (die über vier Minuten angesetzt waren) war, dass Stucki 49,25 Punkte totalisierte, während der Zweitplatzierte Roger Erb ein Total von 47,50 auf­wies. 1,75 Punkte sind im Schwingen einige Welten – und auch ohne Schluss­gang stand Stucki vorzeitig als Festsieger fest. Ein Ausschwingen zwischen Erb, Manuel Hasler (Birsfelden), Michael Mangold (Hellikon) und Vieira musste den finalen Rivalen von „Chrigu“ küren. Und es war wiederum Erb, der zum Schlussgang gegen den „König der Herzen“ griff. Die er­sten vier Angriffe parierte Erb, beim fünften Greifen setzte Stucki zum Fussstich an und siegte nach genau zwei Minuten durch Überdrücken am Boden.

Bodenständig und volksnah

Was vor acht Jahren als sogenanntes „Böckli“-Schwinget angefangen hatte, rückte am Samstag in den nationalen Fokus. Das Fraumatt-Schwinget hat, unter der Ägide von OK-Prä­sident Ivano Brunoni und rund 90 Helfern, eine unglaubliche Entwicklung durch­gemacht. Und die Präsenz von Stucki sorgte für einen Rekordaufmarsch. Gut 2500 Besu­cher ver­wandelten das Gelände in eine grandiose Festhütte. Das Traumwetter und die Volksnähe von „Chrigu“, der jeden Autogrammwunsch erfüllte und Aberdutzende von Sel­fies stoisch „über sich ergehen liess“, waren Merkmale eines Schwinget, das in die Ober­wiler Ge­schichtsbücher eingehen wird. Aber auch die Zahl von 47 Aktivschwinger (davon werden acht ans Eidgenössische gehen) und 119 Jungschwinger sind Rekordzahlen, was den sportlichen Stellenwerte des Fraumatt-Schwinget unterstreicht.

„Ein wunderbares Schwinget in einem idyllischen Gebiet und familiärer Atmosphäre, mit engagierten und herzlichen Leuten sowie einem fachkundigen Publikum. Ich habe den Tag sehr genossen. Ich bin noch nicht ganz beschwerdefrei, aber der Fahrplan im Hinblick auf Estavayer-le-Lac stimmt“, so Stucki nach dem gewonnenen Schlussgang. Und wie alle Jahre erwies auch die Polit-Prominenz dem Fraumatt-Schwinget die Reverenz. An den drei Sägemehlringen entdeckten wir Thomas Weber, den Baselbieter Regierungsratspräsi­denten, Ständerat Claude Janiak, Nationalrätin Elisabeth Schneider (die unweit der Frau­matt wohnt) sowie alt Landratspräsident Hanspeter Ryser, der seit dem 1. Juli 2016 neuer Gemeindepräsident von Oberwil ist.