Volleyball
Bei Sm’Aesch Pfeffingen wird auch hinter dem Rücken gespielt

Bei den Volleyballerinnen von Sm’Aesch Pfeffingen hängt der Haussegen schief. Im Zentrum der Kritik steht Jana Surikova. Die tschechische Trainierin hat die Anwürfe gegen ihre Person aber nicht direkt erfahren.

Jonas Burch
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Erreicht Jana Surikova ihre Spielerinnen noch?

Erreicht Jana Surikova ihre Spielerinnen noch?

Was sich schon länger angedeutet hatte, wurde nach der unerklärlichen 0:3-Niederlage gegen das bescheidene Toggenburg überdeutlich. Das Baselbieter NLA-Team durchlebt ein Zwischentief, spielt seit Wochen unter seinen Möglichkeiten. Das hauchdünne Verpassen der Playoff-Runde war schon ein schwerer Rückschlag, die Niederlage in der Ostschweiz wirft nun definitiv Fragen auf. Was ist los bei Sm’Aesch?

Unter der Woche lud Vereins-Präsident Werner Schmid die Spielerinnen – unter Ausschluss von Trainerin Jana Surikova – zu einem klärenden Gespräch zu sich nach Hause ein. Dabei sind auch kritische Worte gegenüber der Trainerin gefallen. «Vor allem die jungen Schweizer Spielerinnen haben Mühe mit der bestimmten, unmissverständlichen Art der Trainerin», sagt Schmid. Trotzdem stehe er weiter hinter der Tschechin, auch wenn er «die Trainerin ebenfalls infrage gestellt hat.»

Die Spielerinnen geben sich diesbezüglich bedeckt. «Über interne Angelegenheiten geben wir keine Auskunft. Wir haben die Probleme ausdiskutiert», versichert Teamcaptain Laura Tschopp. Allerdings ohne Beisein der betroffenen Person.

«Das habe ich noch nie erlebt»

Vor allem für die Trainerin selbst ist die momentane Situation nicht einfach. Angesprochen auf die Kritik ihrer eigenen Mannschaft, zeigt sich die ehemalige Weltklassespielerin überrascht, ja enttäuscht.

Denn direkt nach dem Toggenburg-Debakel stellte sie ihren Frauen die Vertrauensfrage: «Niemand sagte etwas, ein paar Tage später höre ich, dass einige nicht zufrieden sind.» Kritisiert wird aber nicht Surikova als Privatperson, sondern eben, Surikova als Trainerin. Darüber kann die 38-Jährige, die seit zwei Jahren als Headcoach amtet, nur den Kopf schütteln. Für sie werden schlechte Leistungen zu oft an ihr festgemacht, jede Form der Körpersprache werde bei ihr hinterfragt: «Das habe ich noch nie erlebt, weder bei Volero Zürich noch in Köniz. Wir stellen hier eine professionelle NLA-Mannschaft. Das muss den Spielerinnen bewusst sein.»

Weit unter den Möglichkeiten

Wie gehts jetzt nach der (Nicht-) Aussprache weiter? Immerhin sind sich da alle einig. Es zählt nur das Erreichen des ersten Platzes der Playout-Runde, was im Gesamtklassement den 6. Schlussrang bedeuten würde. Aktuell stehen die Baselbieterinnen zwar punktgleich mit Düdingen an der Playout-Spitze, agieren aber weit unter ihren Möglichkeiten. «Ich gebe weiter mein ganzes Herzblut, um die restlichen Spiele zu gewinnen», zeigt sich Surikova professionell. Auch für den kanadischen Neuzugang Nadine Alphonse ist klar, dass «ein solcher Ausrutscher wie am letzten Wochenende wird und darf nicht mehr passieren». Am Samstag kann sich Sm’Aesch für die Leistung im Hinspiel gegen selbigen Gegner revanchieren.

Surikova emotional angeschlagent

Wie es danach weitergeht, ist offen. Surikova spürt zwar das Vertrauen vom Vorstand und will die derzeitige Lage keinesfalls überbewerten – trotzdem scheint sie die Situation vor allem emotional zu belasten. Im Gespräch ringt sie immer wieder nach Worten, spricht mit glasigem Blick. Hat sie sich schon von Sm’Aesch verabschiedet?