Die Wogen sind geglättet. Nach turbulenten Wochen mit der Trennung von Förderer Angelo Gallina und dem damit verbundenen Wechsel zum Boxring Basel kehrt in Sandra Brüggers Sportlerleben allmählich Ruhe ein. «Ich fühle mich viel freier als vorher. Jetzt bin ich bereit für den Neuanfang», gibt sich die 32-Jährige kämpferisch. Über ihren Ex-Mentor Gallina will Brügger kein schlechtes Wort verlieren. Im Gegenteil. «Natürlich habe ich ihm viel zu verdanken. Aber die Rahmenbedingungen und die Kommunikation haben für mich nicht mehr gestimmt.»

Sandra «The Silence» Brügger im Training

Sandra «The Silence» Brügger im Training

Mit neuen Inputs zum Erfolg

Mit diesem Kapitel hat Brügger nun abgeschlossen. Was zählt, ist die Zukunft. Denn es soll wieder so werden wie damals 2007, wo Brügger überraschend den EM-Vizemeister-Titel geholt hat – bis heute bleibt diese Auszeichnung die prestigeträchtigste in der Karriere der Baslerin. Mit neuen Inputs und einem neuen (Trainer-)Umfeld sind die Weichen für die Zukunft gestellt. «Am Trainingsplan selber habe ich nur wenig geändert», sagt Brügger. Heisst: Trainiert wird weiterhin täglich. Abwechselnd im Boxring Basel, in einem mit ihren Boxkolleginnen (die ebenfalls Gallinas Boxclub verliessen) eigens gegründeten Verein – und natürlich im Noble Art Boxing Frenkendorf unter Nationaltrainer Michael Sommer. «Sandra hat mit ihrem Potenzial beste Chancen, um mit der Elite mithalten zu können. Ihr Erfolgshunger ist beeindruckend», bemerkt Sommer.

Härtetest im Dezember

Dass die Form stimmt, hat Brügger in den rund zwölf Kämpfen in diesem Jahr bereits mehrfach bewiesen, auch wenn ihre Gegnerinnen nicht zur Welt-Elite zählen. «Wichtig ist jetzt, dass Sandra regelmässig zu Kämpfen kommt», sagt Sommer. Der grösste Gradmesser steht für Brügger noch bevor. Im Dezember trifft die vollamtliche Pflegebetreuerin in der Gewichtsklasse bis 64 Kilogramm auf die Schwedin Patricia Berghult – die aktuelle Weltnummer 8 im Amateur-Boxen.

Der Kampf soll zur Standortbestimmung für das kommende Jahr werden. Mit der EM im Frühling und der WM im Herbst stehen gleich zwei Grossanlässe an, bei der Brügger ganz vorne mitmischen will. «Wer bei der EM bestehen kann, der hat auch an einer WM ganz gute Karten», blickt die amtierende Schweizer Meisterin voraus. «Mittlerweile gibt es viele junge Boxerinnen an solchen Events. Da kommt mir meine jahrelange Erfahrung entgegen. Deswegen habe ich grosse Erwartungen.»

Gallinas Wunsch

Anerkennende, aber auch kritische Worte erhält Brügger von ihrem Ex-Trainer Angelo Gallina. «Ich wünsche Sandra einen zweiten Frühling. Aber man muss realistisch bleiben, die Konkurrenz im Frauenboxen ist enorm.» Brügger – auch als «The Silence» bekannt – lässt sich davon nicht irritieren. Sie weisse selber: Die richtigen Gradmesser mit EM, WM und der Olympia-Qualifikation für Rio 2016 stehen noch an.