FC Basel

Bernhard Burgener stellt sich nach der GV: «Das Wahlergebnis stimmt mich nachdenklich»

Wir stehen vor der grössten Herausforderung, dass wir wieder europäisch dabei sein wollen.»

Wir stehen vor der grössten Herausforderung, dass wir wieder europäisch dabei sein wollen.»

Bernhard Burgener wurde am Dienstagabend als FCB-Präsident wiedergewählt. Doch seine Anteile sinken. Nach der GV äussert sich Burgener zu unterschiedlichen Themen. Das sind seine wichtigsten Aussagen.

Die sinkenden Wahlanteile

«Ich habe im Vergleich zu 2017 17 Prozent verloren. Vielleicht habe ich damals zu wenig deutlich kommuniziert. Es kamen dann ein paar Dinge wie die Zusammenarbeit mit anderen Klubs, wo ich damals nur gesagt habe, dass wir uns international ausrichten müssen. Wir brauchen Kooperationen, sei das jetzt im IT-Bereich mit Bayern München oder mit der Beteiligung in Indien. Darüber habe ich jetzt viele Gespräche mit Fans geführt. Ich kann deren Bedenken auch nachvollziehen.

Ich konnte vor zwei Jahren noch nicht sagen, wie was wo. Aber ich habe es angekündigt. Und ich lebe das, was ich angekündigt habe. Vielleicht hätte ich schon 2017 weniger Stimmen bekommen, wenn ich gesagt hätte, dass wir eines Tages in Südamerika – jetzt ist es Indien geworden – zusammenarbeiten.

Doch wegen des Wahlergebnisses bin ich nicht enttäuscht. Ob du am Ende 7:1 oder 7:6 gewinnst, spielt keine Rolle. Ich habe das gut gefunden. Denn das Wahlergebnis fordert heraus und stimmt mich nachdenklich. Wir müssen auf die Argumente eingehen und werden versuchen, es nächstes Jahr besser zu machen. Doch die Wahl bestätigt mich auch. Wir hätten ja auch auf dem falschen Weg sein können. Es ging mir nicht um die Mehrheit, sondern darum, ob man in meine Arbeit Vertrauen hat. Ansonsten bin ich der falsche Mann. Ich werde mich sicher nicht gegen eine Mehrheit stellen. Wenn man das Gefühl hat, der Weg ist der falsche und es gibt einen besseren, dann finden wir schon einen neuen Präsidenten. Trotz allem bin ich froh, dass so viele noch zugestimmt haben.»

Der Antrag von Vereinsmitglied Peter Hablützel, der eine Änderung der Statuten forderte, wodurch der Präsident nicht mehr als Delegierter die Interessen des Vereins in der AG vertritt

«Auf der einen Seite bin ich über die Holding Mehrheitsaktionär und habe dort fast die Kontrolle über 75 Prozent und als Vereinspräsident vertrete ich in der AG als Delegierter die Interessen des Vereins. Da verstehe ich, wenn die Mitglieder sagen, ich hätte dort eine Art Personalunion. Das ist ein Thema, über das man diskutieren muss. Dazu stehe ich.

Doch ich will auch unterstreichen, dass ich die Statuten so übernommen habe. Nur habe ich mich an der GV immer diesen Abstimmungen gestellt. Die Mitglieder können ja sagen: ‹Das wollen wir nicht.› Die Möglichkeit gab es immer. Man hätte auch hingehen können und sagen: ‹Den Burgener wollen wir nicht, wir wollen dort einen anderen.› Ich finde, das Wort Misstrauensvotum ist in diesem Zusammenhang falsch. Es ist das Recht von jedem Vereinsmitglied, Anträge zu stellen. Wir haben das ernst genommen und Verständnis gehabt. Ich liebe es, wenn gute Vorschläge von aussen kommen. Da bin ich sicher kein Verhinderer, aber es muss Sinn machen.»

Das Projekt Statuten 2020

«Wir sind über die Statuten gestolpert, als wir festgestellt haben, dass die im Handelsregister seit zehn Jahren nicht nachgeführt wurden. Das muss man eigentlich. Doch es war auch nicht weiter schlimm, weil wir die neuen Statuten gelebt haben. Bevor der Änderungsantrag von Herrn Hablützel kam, haben wir intern gesagt, dass wir über die Statuten gehen und diese entsprechend anpassen müssen. Aber wir sind noch nicht in die Tiefe gegangen.

Wenn wir aber die Statuten jetzt anschauen, dann machen wir das alles auch juristisch korrekt. Darum haben wir an der GV einen Gegenvorschlag gemacht. Das war zentral und es war mir wichtig, dass wir dort eine grosse Mehrheit hatten. Jetzt können wir in Ruhe gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern diskutieren und die Statuten im nächsten Jahr anpassen.»

Holländische Vorbilder

«In Basel spielt der Erfolg eine ganz grosse Rolle. Wir sind jetzt zweimal Zweiter geworden, sind Cupsieger und haben die beste Champions League Saison gespielt. Aber in Basel zählt einfach nur der Meistertitel. Man war verwöhnt, ist achtmal in Serie Meister geworden.

Aber mir gefällt was, Ajax Amsterdam macht. Die setzen auf Junge und haben damit Erfolg. Holland ist von der Voraussetzungen her ähnlich wie die Schweiz. Und ich sage: Was die Holländer können, können wir in Basel auch. Ich habe eine Riesenfreude, dass ein Jonas Omlin, ein Albian Ajeti oder jetzt auch Noah Okafor Nati-Spieler geworden sind. Das zeigt doch, dass die Leute einen guten Job machen und wir mit ihnen zufrieden sind. Und Länderspiele sind natürlich auch eine gute Plattform.»

Den Sparplan

«Wir haben einen Vierjahresplan. Es war von Anfang an das Ziel, die Kosten entsprechend zu senken. Schauen Sie sich mal an, wie viel Umsatz man in der Schweiz machen kann und was für Kosten dabei entstehen. Ich höre immer das Wort sparen, das habe ich nicht erfunden. Seit ich angefangen habe, geben wir jetzt 30 Millionen weniger im Jahr aus. Ist das jetzt sparen oder weniger ausgeben, wenn ich aus 33 Kaderspielern 16 mache und wenn ich erfolgsabhängigere Löhne zahle?»

Die sportliche Zukunft

«Die Mitglieder haben es gut erkannt. Es muss wieder mehr Feuer in die Mannschaft. Ich war dreist, als ich gesagt habe, dass wir Meister geworden wären, wenn wir YB viermal besiegt hätten. Das habe ich extra gesagt und zu dieser Aussage stehe ich. Ich gehe ja an die Spiele und da ist mir aufgefallen: Das Feuer und die Motivation gerade in den Spielen gegen YB waren grottenschlecht. Das hat mir nicht gefallen. Wenn wir angreifen wollen, müssen wir YB wieder schlagen.»

Die Trainerdebatte

«Zunächst einmal hat der Trainer einen Vertrag. Wir machen jetzt eine Analyse. Da gehört alles dazu. Wir stehen vor der grössten Herausforderung, dass wir wieder europäisch dabei sein wollen. Dafür arbeiten wir die einzelnen Themen professionell ab. Die Mannschaft und den Trainer haben wir erstmal alle in die Ferien geschickt. Wenn es etwas zu vermelden gibt, werden wir das machen. Aber zurzeit ist er unser Trainer und die Spieler sind unsere Spieler.»

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