Überbewerten will er es nicht. Seine Mannschaft hat soeben Sporting Lissabon mit 3:2 besiegt und bleibt damit auch im letzten von fünf Testspielen ungeschlagen. Und doch sagt Raphael Wicky, dass es eben nur die Vorbereitung sei. «Ich habe schon viele Vorbereitungen erlebt, die super waren, und nachher war die Saison nicht so gut, oder umgekehrt.»

Daher solle man dieses Resultat mit Vorsicht geniessen, mahnt der FCB-Trainer. Natürlich seien die beiden Siege in der letzten Woche gegen die grossen Namen Athletic Bilbao und Sporting Lissabon etwas, was Selbstvertrauen gebe.

Neues System funktioniert

Viel wichtiger aber als die blanken Zahlen sind Wicky die Lehren, die er am Ende des zweiten Trainingslagers in Crans-Montana und eine Woche vor Saisonstart ziehen kann. «Ich bin zufrieden mit dieser Woche. Es war eine Bestätigung dessen, was ich schon in den letzten zweieinhalb Wochen erlebt habe. Dass die Mannschaft gut arbeitet, mit viel Wille und Freude trainiert und hungrig ist.»

Vor allem aber konnte Wicky feststellen, dass seine Ideen greifen. Dass sie bei der Mannschaft angekommen sind. Dass diese sie verstehen und sie auch umzusetzen wissen. So testet er in der ersten Halbzeit gegen Sporting erneut die Dreierkette mit dem davor platzierten Matías Delgado.

Und auch wenn dieser etwas gar viele Fehlpässe spielte, zeigten diese 45 Minuten erneut, dass die 3-5-2-Formation funktioniert. «Ich habe dieses System jetzt drei Mal spielen lassen und habe ein relativ gutes Gefühl. Die Mannschaft findet sich in diesem System und mit dieser Aufteilung zurecht und ich glaube nicht, dass da viel nicht gestimmt hat.»

Ansprechende Raumaufteilung

Auffallend in diesem System ist, wie oft die Angriffe von hinten ausgelöst wird. Die Innenverteidiger lancieren mit einem öffnenden Diagonalpass in die Tiefe das Spiel und überbrücken so das gegnerische Mittelfeld. Es ist etwas, was im Trainingslager in Crans-Montana geübt und automatisiert wurde. Wohl auch, weil Wicky selber sagt, dass gerade der Spielaufbau zu dritt etwas ist, was ihn an diesem System fasziniert.

«Mir gefällt auch die Raumaufteilung bei einer Dreierkette und es kommt hinzu, dass wir so eine gute Absicherung haben.» Der Fakt, dass er drei starke Innenverteidiger plus einen talentierten Jungen hat, spielt ebenfalls noch mit. Und auch, dass in Wickys Augen ein vor der Abwehr platzierter Delgado «der Mannschaft gut tut».

All dies zusammen mache das 3-5-2 auf jeden Fall zu einer Alternative für die Saison. Festlegen, ob er nun mit vier oder drei Innenverteidiger gegen YB spielen möchte, wollte er sich noch nicht. Dafür sei es noch zu früh.

In anderen Ländern hat man mehr Zeit

Zuerst werde alles noch fein säuberlich analysiert. Unabhängig vom System hat er gegen Sporting noch etwas mitnehmen können: «Immer, wenn wir versuchen, Fussball zu spielen und mutig sind, vier, fünf Pässe zu spielen, dann haben wir Räume gefunden. Dann sind wir gut.» Dazu benötige es Bereitschaft, den Ball zu wollen sowie Gewissheit, dass man gut sei.

Doch auch wenn schon vieles stimmt, implizierte Wicky, dass er gerne noch etwas mehr Zeit gehabt hätte. Die Mannschaft sei «so bereit, wie man das nach dreieinhalb Wochen sein kann.» In anderen Ländern habe man teilweise bis zu acht Wochen Vorbereitung, das sei enorm praktisch, um Dinge auszuprobieren.

Oder jene zu verbessern, die noch nicht zufriedenstellend sind, wie beispielsweise das Verhalten direkt vor den Gegentoren. Diese seien viel zu einfach gefallen. «Das ist auch etwas, das ich der Mannschaft schon gesagt habe. Dass wir viele Tore in dieser Vorbereitung zu einfach gekriegt haben.» Weil aber generell wenig Torchancen zugelassen wurden, zerbricht sich der FCB-Trainer nicht den Kopf.

Langersehntes Comeback

Neben dem erfolgreichen Resultat und der positiven Bilanz des Trainingslagers gab es für Wicky und sein Team am Samstag noch mehr Grund zur Freude. Vor allem für einen: Zdravko Kuzmanovic. Dieser kam gegen Sporting erstmals wieder zum Einsatz, nachdem er im Oktober 2016 einen Achillessehnenriss erlitten hatte und im Dezember operiert wurde.

Die letzten beiden Wochen konnte er voll mit der Mannschaft trainieren, und «dann haben wir grünes Licht bekommen, dass er 20 Minuten einsatzfähig ist», erklärt Wicky den Prozess der Rückkehr. Wie es mit Kuzmanovic weiter gehe, könne er aber nicht sagen. Er habe kein Signal vom Spieler, dass dieser den Verein verlassen wolle.

Vonseiten des FCB ist zu vernehmen, dass man den Spieler mit Blick auf die Dreifachbelastung im Herbst behalten wolle. «Wir werden es sehen, wenn er fit ist.» Wenn er das ist, sei er sicher eine Option. Darauf muss aber noch gewartet werden, für die Super League reiche es nach einer so langen Verletzungspause noch nicht.