Was wäre wohl aus Mohamed Elyounoussi (23) geworden, wenn er damals mit neun Jahren nicht all seinen Mut zusammengenommen hätte. Vielleicht würde er heute Pizzateig einhändig durch die Luft wirbeln wie sein Vater einst. Oder studieren an der Universität. Aber ja, er hatte die Einladung des kleinen Fussballklubs aus Sarpsborg genommen, ging mit zittrigen Knien zu seinem Vater und bettelte: «Bitte, bitte bezahl die Rechnung, damit ich dort Fussball spielen gehen kann. Ich bin sicher, das ist gut für mich.»

Sein Cousin, der sechs Jahre ältere Tarik, hat ihn auf den Geschmack gebracht. Heute spielen sie zusammen in Norwegens Nationalmannschaft, damals kickten sie zusammen auf den Plätzen um die Ecke. Tarik war Mohameds grosse Inspiration, sein Idol. Er eiferte ihm nach.
Mit grossem Erfolg. Er ist 15-jährig, als er zur Nummer 1 der kleinen Küstenstadt wechselt, zu Sarpsborg 08, einem kleinen Verein in der höchsten norwegischen Liga.

Mohamed Elyounoussi schoss in dieser Saison das erste Tor für den FCB.

Mohamed Elyounoussi schoss in dieser Saison das erste Tor für den FCB.

Das erste Aufgebot für die U15-Nationalmannschaft Norwegens landet im Briefkasten. «Da realisierte ich, dass ich wohl nicht so schlecht bin», sagt Elyounoussi und lacht. Er träumt jetzt davon, Fussball-Profi zu werden. «Davon habe ich meinen Eltern nie erzählt», sagt Elyounoussi. Besser so. Für sie ist vor allem wichtig, dass er seine Ausbildung abschliesst. Die Schule, vergiss die Schule nicht.

Neugierig und offen

Ihr Sohn tut, wie ihm geheissen. Hätte es Elyounoussi nicht geschafft als Fussballer, ginge er heute vielleicht zur Uni. Er spricht berberisch, norwegisch und englisch, versteht deutsch perfekt (weil er auf RTL Mangas, japanische Trickfilme, auf Deutsch schaute), französisch und arabisch einigermassen. Wenn man ihn etwas fragt, dann überlegt er erst, ehe er antwortet. Und was er dann sagt, hat Hand und Fuss. Oder wenigstens Humor.

Mit seiner neugierigen und offenen Art hat er sich in Basel schnell integriert, nachdem er im vergangenen Sommer vom norwegischen Meister Molde, seiner zweiten Station in der Heimat, an den Rhein wechselte. Ab November spielte er regelmässiger, und spätestens mit dem Weggang von Birkir Bjarnason war er unbestrittener Stammspieler. Zehn Tore hat er letzte Saison geschossen, dreizehn vorbereitet. Gemäss der Website «transfermarkt.ch» ist er mit einem Marktwert von 4,75 Millionen Euro der derzeit wertvollste Spieler der Super League.

In Basel gefällt es ihm

Immer wieder gab es diesen Sommer Gerüchte. Arsenal sei an ihm dran, Leicester, Everton, Newcastle hiess es zuletzt. Aber Elyounoussi ging nicht, er verlängerte den Vertrag beim FCB um ein Jahr bis 2021. Weil es ihm in Basel gefällt, weil er das Team mag, weil er vom Trainer überzeugt ist, dessen Philosophie und Spielverständnis.

Mohamed Elyounoussi gefällts in Basel

Mohamed Elyounoussi gefällts in Basel

Wicky sah für Elyounoussi von Beginn an die Rolle des kreativen Gestalters in der Offensive vor. Mit ein Grund, dass er Matias Delgado zum defensiven Strippenzieher umfunktionieren wollte. Elyounoussi ist schneller als Delgado und wenigstens ähnlich genial in gewissen Momenten. Ein Tor und fünf Assists hat er in den ersten fünf Runden gebucht. Damit war er an 60 Prozent aller FCB-Tore beteiligt. Mit ihm steht und fällt vieles im Basler Angriff.

Gibt es doch noch einen Wechsel?

Noch bleiben vier Tage, bis das internationale Transfer-Fenster schliesst, noch ist es möglich, dass einer der Premier-League-Klubs ihm Perspektiven und dem FCB genügend Geld bietet, dass Klub und Spieler schwach werden. Wahrscheinlicher aber scheint, dass er bleibt. Er will Champions League spielen, auf der ganz grossen Bühne auftrumpfen. Gerüchte kennt er, seit er mit 16 seinen ersten Profi-Vertrag unterschrieb. «Einer der grössten Klubs aus England beobachtete mich. Aber wenn man sich zu lange mit den Gerüchten aufhält und keine Leistungen mehr bringt, kommt man nie dorthin», sagt Elyounoussi.

Er liebt den Fussball. Auch weil er anderes ausprobiert hat. Ski («Ich mochte Slalom sehr.»), Langlauf («Ich begann irgendwann zu experimentieren und machte meine Langlaufski mit Sprüngen kaputt.») oder Unihockey («All meine Freunde hörten plötzlich auf mit Fussball und begannen damit.»). Ein Norweger halt. Mit marokkanischen Wurzeln. Und einem Vater, der unterdessen nicht mehr arbeitet, weil es sein Sohn geschafft hat.