Mixed Martial Arts

Blut und Knockouts: Warum die Fight-Night in Basel trotzdem überraschend fair verläuft

Nach einem Besuch beim MMA-Abend in der Basler St. Jakobshalle haben wir die Antworten auf die drängendsten Fragen zum blutig, aber fairen Kampfsportevent.

Klatsch. Ein Tritt an den Kopf und einer der beiden Kämpfer taumelt ausgeknockt zu Boden. Der andere nimmt Anlauf und springt auf den Käfigrand, um dort schreiend seinen Sieg zu feiern. Der MMA-Kampfabend in der St. Jakobshalle beginnt vielversprechend und endet drei Stunden später tätsächlich blutig. Dazwischen kommen auch Kampfsportbanausen auf ihre Kosten und können anschliessend zumindest in Teilen nachvollziehen, warum so ein Sport viele so begeistert.

Was ist MMA?

Mixed Martial Arts bedeutet gemischte Kampfkünste. So kommen Schlag-, Tritt- aber auch Bodenkampf- und Ringtechniken zum Einsatz. Dass auch im Bodenkampf geschlagen und zum Teil getreten werden darf, ist das Hauptunterscheidungsmerkmal zu anderen Vollkontaktsportarten. Populär wurde MMA durch die Vergleichskämpfe im Ultimate-Fighting-Championship im Amerika der frühen 1990er Jahre.

Wer schaut sich das an?

Breite Schultern, dicke Oberarme, kurze Hälse. Die meisten der rund 1500 Besucher in der St. Jakobshalle sind selber Kampfsportler oder gehören zum Clan von einem der zwanzig Kämpfer. Viele sind in Basel zum ersten Mal bei einem offiziellen MMA-Kampf live dabei. Ihnen gefällt «die Vielfältigkeit», die «schnellen Knock-outs» oder die «Unberechenbarkeit, wer am Ende gewinnt». Auch die Freundinnen der Kämpfer leiden aus nächster Nähe mit. «Ich muss dabei sein. Mein Herz schlägt wie verrückt, aber wenn ich zu Hause bleibe, würde es das auch nicht besser machen», sagt beispielsweise die Freundin des Aargauer Kämpfers Stefan Felber. Auch die Mutter ist in Basel zum ersten Mal bei einem Kampf ihres Sohnes in der Halle mit dabei.

Wer macht da mit?

Die Kämpfer heissen Szymon Kosman, Igor Araujo oder Arben Hyseni. Ein Grossteil kommt aus Deutschland. In Basel sind aber auch sieben Schweizer am Start. Die Kampfpaarungen stehen im Vorfeld fest. Die Gewinner steigen im Rating und bekommen beim nächsten Event dann stärkere Gegner.

Was bekommt man geboten?

Oft ist die Einlaufzeremonie, bis beide Kämpfer im achteckigen Käfig stehen, länger als der Kampf. Ringsprecher Michael Behrendt, alias Gonzo, hat neben den Schiedsrichtern somit am meisten Ringzeit. Doch sobald der Berliner mit dem langen schwarzen Zopf die Tür des Oktagons hinter sich verriegelt hat, geht es los. Erst im Stehen, mit zunehmender Dauer aber meist auf dem Boden, gehen die Kontrahenten aufeinander los. Zu Beginn ähnelt die Szenerie einem Boxkampf, wenn die Kämpfer am Boden sind gelegentlich auch einer Kinderzimmer-Schlägerei unter Brüdern. Das Ganze geht solange, bis einer aufgibt oder K.o. geht. Nur selten müssen die Kämpfer über die volle Distanz von zwei Mal fünf Minuten ran. Dann entscheiden die Punktrichter, wer gewonnen hat.

Wer schnüffelt am Handschuh?

Weil Kämpfer ihre Handschuhe früher gerne mal mit Tigerbalsam oder ätherischen Ölen bestreichen, werden die Hände der Kämpfer vor dem Start vom Schiedsrichter beschnüffelt.

Was passiert nach dem Kampf?

Nach der Schlägerei umarmen sich alle Kämpfer fast schon im Überdruss. Das Fairplay wird vorgelebt. Der Sieger darf oder muss zum Ringinterview mit Gonzo. Das hört sich dann so an: «Dat wa jut ne, Bock auf n Bier später?», «Jo». Oder: «Glückwunsch zum Sieg. Wat machste jetzt?» «Ausruhen und zunehmen.» «Ja, dat mach ich mein ganzes Leben lang.» Die Kämpfer verlassen dann beide humpelnd den Ring, um sich wenig später im Publikum zu ihrem Clan zu setzen. Wie familiär es zu und her geht, zeigt, dass in der Pause auch Kämpfer in der Schlange vor dem Essstand anzutreffen sind.

Wer schreit da so rum?

«Ruhig! Kontrollier ihn, bevor du drauf gehst!», «Gib ihm mal ne Faust!», «Denk an dein Knie, ramm das Knie hoch!» Die besten Plätze direkt am Oktagon gehören den Trainern. Sie nutzen das, um ihre Kämpfer fortlaufend mit Anfeuerungen und Kommandos einzudecken. Nicht immer gelingt die Umsetzung. «Schnapp dir das Bein. Nein! Nicht das Bein, das andere.»

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