Schach
Boris Grachev schafft am Schachfestival Basel das Double

Der 26-jährige Schachprofi aus Moskau kann als Erster den Titel am Basler Schachfestival verteidigen und schreibt damit Geschichte. Zudem beendet der Russe trotz starker Konkurrenz eine einjährige Durststrecke ohne Sieg.

Olivier Winistörfer
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Der König von Basel: Boris Grachev behält auch im letzten Spiel gegen Robin van Kampen die Ruhe.

Der König von Basel: Boris Grachev behält auch im letzten Spiel gegen Robin van Kampen die Ruhe.

Zinke

Es wurde noch einmal spannend gestern im Hilton Basel. Punktgleich, doch mit besserer Feinwertung, ging der Titelverteidiger in das letzte Spiel des Turniers gegen den jungen, siegeshungrigen Niederländer Robin van Kampen, der einer seiner engsten Verfolger war vor der entscheidenden Partie. Beide wollten lieber auf Nummer sicher gehen und einigten sich schon nach wenigen Zügen zu einem Remis. So musste der russische Titelverteidiger nun auf das Resultat des Rumänen Levente Vajda warten, welcher ihm als einziger noch den Sieg streitig machen konnte. Doch der Turniersieger des Zürcher Weihnachtsopen kam gegen den als Nummer1 gesetzten Maxime Vachier-Lagrave aus Frankreich nicht über ein Remis hinaus. Da der Russe im Turnierverlauf am längsten ungeschlagen war, holte er sich die bessere Feinwertung und somit den ersten Rang beim Meisterturnier vor den punktgleichen Levente Vajda, Robin van Kampen und Andrej Istratescu. Der favorisierte Franzose Vachier-Lagrave blieb unter den Erwartungen und musste sich mit dem enttäuschenden fünften Platz zufriedengeben.

Für Boris Grachev werden die Schweiz und Basel aber sicher in guter Erinnerung bleiben. «Ich gewann seit dem letzten Jahr hier in Basel kein Turnier mehr», erklärt der 26-jährige Russe sein schweres letztes Jahr. «Ich spielte 2012 ungefähr hundert Partien. Das waren wahrscheinlich zu viele. Ich werde mich jetzt in diesem Jahr wohl auf grosse Turniere konzentrieren und weniger Matches bestreiten.»

OK-Präsident Peter Erismann meinte aber schon nach dem Spiel, dass der erste erfolgreiche Titelverteidiger des Basler Schachturniers auch im nächsten Jahr gern gesehen sei am Rheinknie. Grachev gab sich aber kritisch: «Ich hatte in der Partie gegen Istratescu ein unheimlich schlechtes Positionsspiel und war am Rande einer Niederlage, konnte aber irgendwie durch ein Wunder noch ein Remis herausholen.» Die beiden Siege in Basel waren nicht die einzigen des russischen Grossmeisters in der Schweiz. Auch das offene Turnier in Biel konnte der 26-Jährige schon gewinnen.

Was dem Russen am meisten abverlangt habe beim Turnier in Basel, seien die Spiele am Morgen: «Ich bin es gewohnt, in der Nacht noch vorzubereiten, zu analysieren und dann etwas länger zu schlafen. Jetzt musste ich meinen Rhythmus für das Turnier ändern. Die beiden Doppelrunden waren auch nicht immer ganz einfach, doch es reichte mir zum Sieg.»

OK-Präsident Peter Erismann will nun das Basler Turnier für das nächste Jahr nochmals weiter ausbauen. «Wir haben alle Ziele in diesem Jahr erreicht und wollen nun für das nächste Jahr noch mehr räumliche Kapazitäten schaffen und so bis 250 Teilnehmer erreichen. Weiter wollen wir auch im nächsten Jahr mit der direkten Übertragung der Spitzenbretter ins Internet weiterarbeiten und vielleicht auch noch einen Kommentator für interne Übertragungen organisieren.» Wichtig sei, dass die Atmosphäre und die Organisation für die Spieler stimmten, schliesst Erismann ab.