Fussball 1. Liga
Böses Erwachen für die «Schwarz-Sterne»

Verkehte Fussball-Welt auf der «Blägg-Matte». Der hochdotierte Gastgeber geht nach einer durchzogenen Leistung, verbunden mit einem pomadigen Auftritt, gegen den Aussenseiter aus dem Aargau mit 2:4 ein.

Georges Küng
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Auf dem Boden der Tatsachen angekommen: Die Black Stars

Auf dem Boden der Tatsachen angekommen: Die Black Stars

Uwe Zinke

Vor etwas mehr als zwei Monaten, am 28. Mai, hatte der FC Black Stars im letzten Meis-terschaftsspiel der Saison 2015/16 zuhause gegen Muri stilsicher und souverän mit 2:0 gewonnen. Dass die Aargauer überhaupt in der 1. Liga verblieben, verdankten sie der Tatsache, dass sie gegenüber dem FC Sursee die um fünf Treffer bessere Tordifferenz aufwiesen.

Auch im Hinblick auf die neue Spielzeit 2016/17 schien die Rollenverteilung klar. Auf der einen Seite der Gastgeber, der wenig Mutationen in seinem Kader erfahren hatte und sein Ensemble punktuell und gezielt verstärkt hatte. Muri hingegen erlebte einen Aderlass son¬dergleichen. 15 Akteure gingen, deren zehn neue Spieler kamen.

Das 2:4 trifft die Gestreiften ins Mark.

Das 2:4 trifft die Gestreiften ins Mark.

Uwe Zinke

Und während man beim Basler Quartierverein keinen Hehl daraus macht, dass man nach der superben Rückrunde (Black Stars holte in seiner Gruppe am meisten Zähler) eine Rangierung anstrebt, welche zu den Aufstiegsplätzen berechtigt, ist man im Freiamt vorsichtiger. «Es wäre schön, wenn wir nicht, wie in den letzten Jahren, bis zur letzten Runde um den Ligaerhalt zittern müssten», so der Tenor bei den Klubtechnikern.

Dass Muri alle seine Testspiele verloren hatte, beunruhigte Neu-Trainer Carmine Pascariello überhaupt nicht. «Wir haben bewusst starke und höherklassige Rivalen ausgewählt. Gut, im letzten Vorbereitungsspiel verloren wir unglücklich gegen den regionalen Zweitligisten Schöftland, das war so nicht geplant», lachte der Mann, welcher in der letzten Saison noch die U16 des FC Aarau betreut hatte.

Das Lachen ist vergangen

Lachen tat beim FC Black Stars niemand nach Abpfiff. Ein Mix aus Enttäuschtung und Verwunderung war zu erkennen. «Es gibt nichts zu beschönigen. Wir waren zu wenig aggressiv und fanden nie in die Zweikämpfe», lautete ein erstes, kurzes Fazit von Black-Stars-Trainer Andy Fimian. Bei den «Schwarz-Sternen» standen immer noch sieben Spieler in der Anfangself, welche vor zehn Wochen einen standesgemässen 2:0-Erfolg gegen Muri eingefahren hatten. Gut, Trainer Fimian liess sein Personal in einem 3-5-2-System auflaufen, «doch hiefür ist die Mannschaft momentan wohl nicht reif genug», bilanzierte der frühere Nationalliga-Stürmer.

Natürlich fehlte den Baslern auch die Fortune. Beim ersten Verlusttreffer glaubte Torhüter Steven Oberle, Neuzuzug Mihael Kovacevic würde eine Gästeflanke mit der Brust abtrop-fen lassen. Doch der «Europa-Bummler» setzte zu einem Lob-Kopfball an. Aus der Rück-gabe wurde ein lupenreines Eigentor. Und auch bei den weiteren Verlusttreffern zeigte sich die Hinterreihe, inklusive Schlussmann, grosszügig...

Eine Schlüsselszene spielte sich in der 64. Minute ab. Es war jene Phase, in welcher Black Stars drückte und dominierte, Eckbälle im Multipack (siehe Cornerverhältnis) schlug und der Gast nur noch reagieren konnte. Eine Direktabnahme von Seyfettin Kalayci klatschte ans Lattenkreuz – der Anschlusstreffer hätte die Partie wohl nicht nur belebt, sondern möglicherweise auch gekehrt.

Ballbesitz reicht nicht

So blieb es in den zweiten 45 Minuten bei einer «Schein-Dominanz», viel Ballbesitz und stereotypen, hohen Zuspielen in den Strafraum, wo Muri-Routinier Daniel Knezevic (35), einst auch mit Einsätzen in der Super League, die Bälle souverän «wegwischte». «Statt Knezevic aus dem Zentrum zu locken, spielten wir auf ihn», so Fimian. Und ein leichter Anflug von Ärger war in seinen Worten zu hören.

Der zweite Muri-Routinier konnte nicht auflaufen, denn beim Einlaufen brach bei Baykal Bellusci (33) eine Zerrung wieder auf. Bellusci? Dahinter steckt Baykal Kulakzisoglu, der einst beim FC Basel, GC, YB, dem 1. FC Köln und sogar Lokomotive Sofia gespielt hatte. «Nachdem ich letztes Jahr den FC Linth als Spielertrainer in der 2. Liga interregional führ-te, möchte ich noch eine letzte Saison spielen. Ich bin daran, mein A-Diplom zu machen», so der Berner mit türkischen Wurzeln. Er hatte gut lachen, die kurze Rückkehr nach Basel war von Erfolg gekrönt. In «Blägg»-Reihen tröstete man sich damit, dass «man aus Nieder¬lagen lernen sollte. Tut man dies, können sie sogar heilvoll sein», so Trainer und Spieler, die aber eine gewisse Ernüchterung nicht verbergen konnten.

FC Black Stars Basel – FC Muri 2:4 (1:2)

Sportplatz Buschweilerhof. - 220 Zuschauer. - SR: Mischler. - Tore: 16. Farinha (Eigentor) 0:1. 28. Ianu 0:2. 37. Muslija 1:2. 59. Milicaj 1:3. 82. Ianu 1:4. 94. Rodriguez 2:4.

Black Stars: Oberle; Kovacevic, Farinha, Micic; Muhmenthaler (81. Chételat), Spahr (66. Maliqi), Muslija, Kalayci, Friedli; Rodriguez, Hengel.

Muri: Hofer; Alic, Knezevic, Parente, Stadelmann; Streuli, Kastriot Tafa, Müller, Thagaj (68. Ravelli); Milicaj (84. Schneider), Ianu (92. Keller).

Bemerkungen: Black Stars ohne Acar (verletzt) und Infantino (gesperrt). - Muri ohne Bellusci, En­gel, Kalt, Fidan Tafa (alle verletzt) sowie Burkard, Nietlispach und Passerini (alle abwesend). - Ver­warnungen: 47. (1. Halbzeit) Alic (Foul), 48. Milic (Reklamieren) und 57. Spahr (Foul). - 64. Latten­schuss von Kalayci. - Eckbälle: 15:4 (7:1)!