Boxen
Boxerin Evelyne Ziegler: «Ohne Training wirst du im Ring zum Opfer»

Die Hersbergerin Evelyne Ziegler kam übers Kickboxen zum klassischen Faustkampf. Nun greift sie nach dem Schweizer-Meister-Titel, ihre Ausbildung hat aber noch Vorrang.

Philippe Feller
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Evelyne Ziegler trainiert fast täglich im NAB-Center in Frenkendorf.PFE

Evelyne Ziegler trainiert fast täglich im NAB-Center in Frenkendorf.PFE

Leiden gehört zum Boxen. Wie auch das Lernen für eine Abschlussprüfung dazugehört. Beides sind im Moment wichtige Teile im Leben der Baselbieterin. In den nächsten Wochen stehen für Evelyne Ziegler wichtige Prüfungen an. Sie ist dabei, ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin abzuschliessen: «Es geht auf die Zielgerade.»

Dennoch trainiert sie, so oft es ihr dichter Terminkalender erlaubt. «Vier bis fünf Mal in der Woche bin ich im Center. Ich trainiere an meinen Boxfähigkeiten oder mache gezieltes Krafttraining.» Um einen Boxkampf zu bestreiten, reiche es nicht, wie in anderen Amateur-Sportarten nur ein wenig zu trainieren. «Wenn man sich nicht seriös vorbereitet und sich auf die Kämpfe nicht richtig einstellt, wirst du im Ring zum Opfer», erzählt die 23-Jährige.

Variantenreiches Training

Aber wie kommt eine Frau überhaupt zum Boxen? «Früher ging ich ins Kickboxtraining, ohne Ambitionen, nur für mich. Vor zirka fünf Jahren kam Michael Sommer – einer der Gründer des Noble Art Boxing Center in Frenkendorf und einer der renommiertesten Boxtrainer der Schweiz – auf die Hersbergerin zu und fragte, «ob ich an einem Box-Event mitkämpfen möchte». Da sie im Kickboxen sehr variantenreich trainiert hatte, war sie für einen solchen Kampf durchaus gerüstet. Ziegler sagte spontan zu und hält seither dem olympischen Boxen die Treue.

Nach und nach kamen immer mehr – von Erfolg gekrönte – Kämpfe hinzu. Heute zählt Evelyn Ziegler zum B-Kader der Nationalmannschaft und hat schon an einigen internationalen Wettkämpfen teilgenommen. «Bisher durfte ich einmal an den Europameisterschaften in Rotterdam antreten. Jedoch meinte es Fortuna nicht sonderlich gut mit mir, ich traf auf die aktuell stärkste Boxerin und so musste ich bereits nach der ersten Runde wieder nach Hause. Aber solche Meetings geben mir noch mehr Ansporn, um es eines Tages besser zu machen», sagt die 23-Jährige.

Profiboxen ist kein Thema

Dafür konnte sie an den Schweizer Meisterschaften einige Male für Furore sorgen: Aktuell hält Evelyne Ziegler den Vizemeistertitel inne. «Ich wurde bereits dreimal Zweite an der SM. Leider stand mir immer Vize-Europameisterin Sandra Brügger vor der Sonne.» Eine beachtliche Bilanz, angesichts dessen, dass die Hersbergerin erst seit 2007 im Besitz einer offiziellen Boxlizenz ist.

«Vielleicht packe ich es, sie zu schlagen und mich zu krönen. Es ist schon ein Ziel von mir», so Ziegler. Sie sei aber nicht derart verbissen, so lange zu kämpfen, bis sie es dann eines Tages geschafft habe. «Boxen ist und bleibt ein Hobby von mir, mehr nicht.» Profi-Boxen ist somit keine Option für die Physiotherapeutin. Lieber trainiert sie im sympathischen Nobel Art Boxing Center Frenkendorf in einer entspannten Atmosphäre und bereitet sich auf ihren «Heim-Auftritt» vor. Am neunten September tritt Evelyn Ziegler an einem Box-Meeting in Frenkendorf das nächste Mal in den Ring – und wird zweifelsfrei glänzen.