Fechten
Brüderliche Solidarität

Die Brüder vom Fechtclub Basel erreichten an ihrem Heim-Weltcup, der Trophée Maître Roger Nigon, die K.-o.-Phase.

Fabian Kern
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«Ruhig, lass ihn kommen. Er wird den Fehler machen.» Fast beschwörend klingen die Worte von Philippe Obersons Trainer. Sein Schützling hält sich daran und bezwingt in der Runde der letzten 128 tatsächlich den Tschechen Michal Cupr, immerhin WM-Dritter von 2010. Der Jubel beim jungen Degenfechter ist gross. Sein Bruder Alexandre, der hinter der Planche mitgefiebert hat, fällt ihm in die Arme, die beiden springen ausgelassen umher. «Das war eine grosse Leistung von Philippe», lobt der 16-jährige Alexandre seinen zwei Jahre älteren Bruder.

Obwohl sich die zwei äusserlich sehr ähnlich sehen, sind sie sehr verschieden und haben auch verschiedene Wege in ihrer Karriere gewählt. Während Alexandre begeistert vom System der Sportklasse ist, welche er in Liestal begonnen hat, hat Philippe den Schritt ins Ausland gewagt. In Tauber-Bischofsheim, dem deutschen Fecht-Mekka, besucht der Basler seit eineinhalb Jahren das Gymnasium und trainiert täglich unter besten Bedingungen. «Die Schule liegt sehr nahe bei der Fechthalle, und ich habe dort exzellente Trainingspartner», erzählt der Erstgeborene. Dennoch kehrt er gern in seine Heimat zurück: «Das ist mein Lieblingsweltcup. Ich kann zu Hause schlafen und essen, dadurch bin ich viel entspannter.»

Für Alexandre war der Auftritt in Basel eine Premiere. Der 16-Jährige trat zum ersten Mal in der St.Jakobshalle bei den U20-Junioren an, denn eigentlich ficht er in der Kategorie «Cadets». Dennoch überstand er bei den Älteren die Qualifikation und scheiterte erst in der ersten K.-o.-Runde am Russen Roman Petrov. «Ich konnte einfach nicht mithalten», sagt der gross gewachsene Athlet. An Schnelligkeit und Kraft mangelt es dem «Kadetten» noch. «Schade, ich hätte gern die Runde der letzten 64 erreicht», bedauert Alexandre, denn so hätte er bereits für das nächste Jahr, wenn er zu den Junioren aufsteigt, Punkte ergattert. Sein Bruder fügt aber gleich vehement an: «Das war aber eine starke Leistung von Alexandre.» Die beiden halten zusammen.

Auch für Philippe bedeutete kurze Zeit später ein Russe Endstation. Vize-Europameister Vadim Anokhin erwies sich als zu abgebrüht im Duell mit dem Basler. «Mit Cupr und Anokhin hatte er die härtestmögliche Auslosung», sagt Alexandre. «Er war sehr gut, und ich habe ein paar Fehler gemacht», fasst Philippe zusammen. Damit verpasst er die angestrebte Runde der letzten 16, die ihm die Qualifikation für die WM eingebracht hätte. Doch die nächste Chance bietet sich ihm schon in zwei Wochen. Dann macht der Weltcup Station in Göteborg. Wiederum wird sein Bruder mitreisen, denn auch Alexandre hat ein Ziel: die EM in Klagenfurt. So unterschiedlich die Brüder sind - ambitioniert sind sie beide.