Basels Sportvereine
BSC Old Boys im Schatten vom FCB? Von wegen!

Sowohl der FCB als auch YB haben dem BSC Old Boys einiges zu verdanken. Doch das ist noch nicht alles, was den Verein auszeichnet.

Alexandra Toscanelli
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Auch Massimo Ceccaroni spielte für den BSC Old Boys. Hier 2005 im Cupspiel als Spielertrainer gegen den FCB.

Auch Massimo Ceccaroni spielte für den BSC Old Boys. Hier 2005 im Cupspiel als Spielertrainer gegen den FCB.

Keystone

Der Verein Old Boys Basel ist inzwischen stolze 126 Jahre alt. Nur ein Jahr jünger als der FC Basel. Damals, 1894, waren es aber nicht etwa Fussballer, sondern Turner, die den Verein gründeten. Die jungen Turnschüler, welche ihren Realschulabschluss erreicht hatten, mussten aus dem Turnverein austreten. Sie waren zu alt geworden. Gründervater und Turnlehrer in der Realschule, Adolf Glaz - auch als «Papa Glaz» bekannt - hatte bereits mit seinen Schützlingen regelmässig eine Art Fussball gespielt.

Am 10. Dezember 1893 fand damals sogar ein Fussballspiel zwischen dem Realschüler-Turnverein und dem kurz zuvor gegründeten FC Basel statt, welches der FCB 2:0 gewinnen konnte. Nur ein Jahr, eine Revanche und ein 0:0-Unentschieden später wurde der Verein Old Boys Basel gegründet.

Die Turner unter der Leitung von "Papa Glaz"

Die Turner unter der Leitung von "Papa Glaz"

zVg

In dieser Zeit waren englische Bezeichnungen, vor allem im Fussball, sehr im Trend. Um der Mischung zwischen den jungen und den etwas älteren Mitgliedern gerecht zu werden, entstand der Name FC Old Boys. Erst später wurde dieser in BSC (Basler Sportklub) umgetauft, da der Klub auch über eine Leichtathletiksektion verfügt.

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Die Farben sowie der Name haben in der Folge einen prominenten Nachahmer gefunden. 1897 waren die Brüder Max und Oskar Schwab, Hermann Bauer und Franz Kehrli bei einem Gastspiel zwischen OB und dem FC Bern. Dies hatte einen so grossen Eindruck hinterlassen, dass die vier Gymnasiasten am 14. März 1898 den Klub FC Young Boys mit den Vereinsfarben Gelb und Schwarz gründeten - inspiriert von OB.

Ehemalige OB-Junioren werden international bekannt

Inzwischen hat sich der Club zu mehr als einem Verein für abspringende Turner entwickelt. Viel mehr wurde er gar zu einem fussballerischen Sprungbrett: 1951 schaffte es ein ehemaliger OB-Spieler in die Schweizer Nationalmannschaft. Joseph Hügi, auch «Seppe» oder «Goldfüsschen» genannt, spielte in der Schweizer Nationalmannschaft in den Jahren 1951 bis 1961. Dort absolvierte er 34 Spiele und erzielte 23 Tore.

Vereinssteckbrief BSC Old Boys

Name des Vereins: BSC Old Boys

Gründungsdatum: 20. Oktober 1894

Anzahl Mitglieder 2019: 953

Vereinsfarben: gelb/schwarz

Heimstätte: Sportanlagen Schützenmatte

Liga: Männer 2. Liga Interregional, Frauen 1. Liga

Grösste Rivalen: FC Black Stars, FC Concordia, früher: FC Basel und FC Nordstern

Grösste Erfolge: Aufstieg in die Nationalliga B 1987, Aufstieg in die Promotion League 2011/12 unter Trainer Massimo Ceccaroni

Bekannte (Ex-)Mitglieder: Seppe Hügi, Eren Derdiyok, Timm Klose, Fidan Aliti, Varol Tasar, Mihael Kovacevic, Pascal Schürpf, Cedric Iten, Breel Embolo

Vereinsmotto: Immer am Ball seit 1894

Auch in der jüngeren Historie gibt es ehemalige Old Boys, die es nach ganz oben schafften. So fing 1992 ein 4-jähriger Junge an, für den BSC OB zu spielen - und blieb ganze 14 Jahre, bis er 2006 zum FC Basel und 2009 in die Bundesliga zu Bayer 04 Leverkusen wechselte: Der heute 32-jährige Stürmer Eren Derdiyok. Er selbst sagt über seine Zeit bei OB: «Zwischen meinem vierten und 17. Lebensjahr verbrachte ich meine Zeit mehr auf der Schützenmatte als irgendwo sonst. Der BSC Old Boys war wie eine Familie für mich.» Und genau diese Familie fieberte auch bei seinem Natidebüt mit. Beim Testspiel gegen England im Wembley-Stadion wurde Derdiyok in der 46. Minute eingewechselt - und erzielte nur 12 Minuten später sein erstes Tor zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich. Genau zu jener Zeit war sein ehemaliges Team in einem Trainingslager in Marbella. Vor dem Fernseher verfolgte das Team den grossen Moment des ehemaligen Juniors.

Eren Derdiyok absolvierte 60 Spiele für die Schweizer Nationalmannschaft und schoss 11 Tore.

Eren Derdiyok absolvierte 60 Spiele für die Schweizer Nationalmannschaft und schoss 11 Tore.

KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Nach Derdiyoks Treffer versuchten die Spieler den vielen anwesenden englischen Pub Besuchern zu erklären, dass der Torschütze, eben dieser Eren Derdiyok, noch vor 18 Monaten in ihrer Mannschaft gespielt hatte. Die Engländer beglückwünschten die Spieler und offerierten ihnen jede Menge Bier, insbesondere auch da England dieses Spiel schlussendlich 2:1 gewann. OBs Ehrenpräsident, Balz Heusler, erinnert sich noch gut: «Massimo Ceccaroni, damals Trainer von OB, musste am darauffolgenden Tag den Morgenlauf ausfallen lassen und der damalige OB Sportchef Roland Heri war auch relativ kurz angebunden.»

Die Schützenmatte als Heimatstätte vieler

Nebst Derdiyok waren noch zwei weitere Spieler der Nati einst Junioren bei OB: Breel Embolo und Timm Klose. Embolo schätzt seine Zeit bei OB sehr: «Die Zeit bei den Old Boys war für mich sehr wichtig. Ich hatte sehr viel Spass, tolle Trainer, ich fühlte mich wohl in den Teams und spürte die Unterstützung des gesamten Vereins. Ich konnte ganz mich selbst sein und Vollgas geben für OB.» Ähnliche Worte findet auch Klose: «OB war mein Jugendverein. Zudem wohnte ich direkt neben der Schützenmatte, es war also so etwas wie eine zweite Heimat für mich. An Tagen, an denen wir trainierten, war ich da, genauso wie an Tagen, an denen ich frei hatte und mit meinen Kumpels Fussball spielte.»

Genau diese zweite Heimat war auch zwei Mal Heimstätte für den FCB. 1949 bis 1951 nutze der FCB die Schützenmatte als temporäres Heimstadion während des Umbaus des Landhofs. Auch knapp fünfzig Jahre später von 1998 bis 2001 hausierten die Basler während des Neubaus des Joggelis bei OB. Der FCB hat OB also nicht nur wegen der guten Spieler, welche zu Rotblau wechselten, einiges zu verdanken.

Nachgefragt bei Ehrenpräsident Balz Heusler

Der 59-Jährige Balz Heusler ist seit seinem 13. Lebensjahr bei den Old Boys Basel. Nach einem Schlaganfall vor acht Jahren musste er das Präsidium zwar abgeben, seither ist er aber Ehrenpräsident und noch immer Teil von OB.

Balz Heusler, Ehrenpräsident bei OB

Balz Heusler, Ehrenpräsident bei OB

zVg

Wie sind Sie zum Club gekommen?

Balz Heusler: Damals war die ehemalige OB-Legende, Jack Hoffman, unser Nachbar. Dieser empfahl meiner Mutter, dass ich zu OB ins Training gehe. Dann startete ich bei den C-Junioren und blieb seither in unterschiedlichen Funktionen: Als 17-Jähriger startete ich als Trainer der E-Junioren, 1993/1994 war ich in der Geschäftsleitung, war Juniorenobmann, 2001 wurde ich Präsident und nun bin ich Ehrenpräsident.

Wieso stehen Sie wie kein Anderer für den Verein?

Es ist mein grosses Hobby und ich habe auch sehr viel Zeit investiert, vor allem auch in organisatorische Dinge. Ich habe Möglichkeiten geschaffen und Kontakt für Trainer und Spieler geknüpft. Deshalb bin ich auch respektiert bei OB. Ich war immer bemüht, gewisse Zusammenhänge zu sehen und auch auf die Tradition zu schauen. Dadurch bin auch ein bisschen Repräsentant.

Was bedeutet für Sie Tradition?

Einfache Sachen, die jedes Vereinsmitglied, also auch der achtjährige Junior, verstehen kann: Zuverlässigkeit, sich für den Verein einsetzen und wissen, dass die Vereinsfarben gelb-schwarz sind und wir auf der Schützenmatte spielen.

Steht OB im Schatten vom FCB?

Jein. Es ist zwar klar, dass der FCB mit der Profimannschaft medial eine grössere Aufmerksamkeit erhält. Schaut man aber die Spielerliste an, wen wir an Spielern im Kinderfussball ausgebildet haben, dann haben wir es wahrscheinlich nicht so schlecht gemacht.

Wie muss jemand drauf sein, damit er zu euch in den Verein passt?

Er muss sich im familiären Umfeld, zu dem er auch etwas beiträgt, wohl fühlen.

Wie sieht es in Zukunft aus? Bleiben Sie für immer beim Verein?

Selbstverständlich. Ich als Ehrenpräsident vertrete auch die Wertvorstellungen und repräsentiere den Verein im Amateurbereich.

Was unterscheidet OB von anderen Vereinen?

Wir sind ein typischer Basler Stadtverein. Das Besondere ist, dass Jahre später Spieler zurückkommen, die man lange nicht gesehen hat und man redet über die alten Zeiten. Auch beim Jubiläumsspiel zu unserem 125. Geburtstag 2019 gab es eine Kiste Bier in der Garderobe und wir schwelgten in Erinnerungen.

Wenn Sie einen Wunsch für den Club frei hätten, welcher wäre das?

Dass sich die Infrastruktur noch weiter verbessert, beispielsweise mit einem weiteren Kunstrasen.