Fussball
Canepa: «Ich selber kann ja keinen Pyro-Werfer ins Gefängnis stecken»

Am Tag nach den Ausschreitungen bei Klassiker FCB-FCZ treffen die beiden Präsidenten Ancillo Canepa (Zürich) und Bernhard Heusler (Basel) aufeinander. In der «Fussballarena» zeigen sich die beiden in dieser Angelegenheit einer Meinung.

Sebastian Wendel und Etienne Wuillemin
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Die Zürcher Fans sorgen mal wieder für Aufregung.

Die Zürcher Fans sorgen mal wieder für Aufregung.

Keystone

Ancillo Canepa, der Präsident des FC Zürich kommt nicht alleine. Rührend sorgt er dafür, dass der Kellner Familienhund Kookie eine Schale Wasser hinstellt. «Er ist mein bester Freund. Als ich heimgekommen bin aus Basel, hat er mich schwanzwedelnd begrüsst – und die Welt war schon fast wieder in Ordnung.»

Es ist der Tag nach den Ausschreitungen in Basel. Während und nach dem Klassiker zwischen dem FCB und dem FCZ haben hauptsächlich Gästefans für Aufruhr gesorgt, indem sie laufend Feuerwerks- und Knallkörper in Richtung Spielfeld warfen und so einen zehnminütigen Spielunterbruch provozierten. 24 Stunden nach den aufwühlenden Szenen im St. Jakob-Park treffen die beiden Präsidenten im Zürcher Après-Ski-Lokal «Mausefalle» wieder aufeinander. Ancillo Canepa und Bernhard Heusler sind Gäste in der Sendung «Fussballarena».

Heusler, mit dem Zug aus Basel angereist, erscheint fast eine Stunde zu früh. Sonnenbrille, Turnschuhe zum edlen Sakko, gute Laune. Er wundert sich über die leeren Gassen im Kreis 1 und kommt dann von selbst darauf, dass einige hundert Meter entfernt am Zürcher Sechseläuten gerade der Böögg brennt. Wüsste man es nicht besser, man könnte meinen, der FCB-Präsident geniesse gerade den Tag nach einer erneuten Meisterfeier. «Ist Cillo (Canepa; d. Red.) schon drin?», fragt er plötzlich den Sendeleiter und hastet ins Lokal.

«Team funktioniert»

Zehn Minuten bis Sendebeginn. Auch bei Canepa keine Spur von Frust. Wie zwei frisch Verliebte tuscheln er und Heusler am Bartisch, während das Publikum über den Ablauf instruiert wird. Heusler hat sich ein Bier bringen lassen, Canepa trinkt Cola. Noch ein bisschen Puder auf die Präsidenten-Wangen – los gehts.

«Was ist los mit dem FCZ?», fragt der Moderator. Canepa erst kurz angebunden: «Zu wenig Punkte aus den letzten Spielen.» Dann holt er aus: «Im November hat man uns Gilles Yapi niedergestochen. Er und Kukeli waren bis dahin das beste Mittelfeld-Duo der Liga.» Selbstkritik? Nur so viel: «Einige gehen mit Tiefen besser um, andere schlechter.» Trainerwechsel? Kein Thema, so Canepa.

Gerüchte, wonach Bernard Challandes bald wieder beim FCZ übernehmen könne, winkt er ab: «Wir sind ein Team, das funktioniert.» Die Frage eines Facebook-Users, wann er denn endlich zurücktrete, umschifft Canepa mehr oder weniger elegant: «Sportlich schlechte Phasen gehören zum Fussball dazu. Was mich frustriert, sind Idioten, die Petarden werfen und so dem FC Zürich und dem ganzen Schweizer Fussball schaden.»

Gewalt als Gesellschaftsproblem

Womit wir beim Thema sind. Canepa hat es am Sonntag vermieden, auf die Fans zuzugehen. Darauf angesprochen, reagiert er unwirsch: «Gehen Sie doch dahin und versuchen zu reden. Das sind doch die ewig gleichen Sprüche!»

Zustimmung gibts von Heusler: «Weder der FCZ-Präsident noch die Spieler sind schuld, dass Fans Pyros zünden und Böller explodieren.» Es sei doch so: Der Fussball biete die einmalige Chance, der Gewalt ein Gesicht zu geben, indem man Präsidenten die Schuld dafür in die Schuhe schiebe.

Doch Gewalt sei ein Gesellschaftsproblem, dass auch in Discos und Familien auftrete, dort aber weniger greifbar sei. Man sei, so Heusler, in der Schweiz insgesamt auf einem guten Weg, was Fan-Ausschreitungen angehe. «Wir müssen Mass walten lassen, dürfen uns aber nicht fraternisieren mit den Krawallmachern. Dann kommt es schon gut.»

Zum Schluss Geschenke

Die Miene der Präsidenten ist jetzt ernst. Canepa legt nach: «In der Schweiz herrscht eine Kuscheljustiz. Es muss doch möglich sein, die Einzeltäter viel härter anzupacken. Ich selber kann ja keinen Pyro-Werfer ins Gefängnis stecken.» Letzte Frage an Canepa: «Was bereitet Ihnen derzeit Freude?»

Der Zustand des FCZ könne es ja nicht sein. «Mein Hund», antwortet Canepa und zeigt auf Kookie, der dösend in der Ecke liegt. Zum Schluss verteilen die Präsidenten Geschenke. Heusler das Trikot, in dem Breel Embolo am Sonntag den FCZ mit drei Toren praktisch im Alleingang abschoss.

Canepa wedelt mit einem Gutschein für zwei Saisonkarten im Letzigrund: «Ich hoffe, die Gewinner kommen dann auch regelmässig zu den Spielen.» Noch ein paar Fotos mit Kindern, dann zotteln Canepa und Kookie davon. Heusler bleibt noch.