Fechten
Catherine Stähli wagt sich aufs grosse Parkett

Seit Februar ist die Baslerin Catherine Stähli Schiedsrichterin des internationalen Verbandes. Ihren ersten Einsatz mit internationalem Schiedsrichterdiplom wird sie voraussichtlich Mitte Mai beim Grand Prix in Bern bestreiten.

Fabio Baranzini
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Fechtschiedsrichterin Catherine Stähli überprüft vor jedem Gefecht das Material der zwei Kontrahenten. Bei Unstimmigkeiten gibts die gelbe Karte.

Fechtschiedsrichterin Catherine Stähli überprüft vor jedem Gefecht das Material der zwei Kontrahenten. Bei Unstimmigkeiten gibts die gelbe Karte.

Fabio Baranzini

Die Räumlichkeiten der Fechtgesellschaft Basel sind das zweite Zuhause von Catherine Stähli. Seit ihrem siebten Altersjahr kommt sie mehrmals wöchentlich in den Fechtraum im vierten Stock des Gebäudes an der Theaterstrasse 12. Damals als aktive Fechterin, heute als Nachwuchstrainerin. Von Montag bis Donnerstag coacht sie die Junioren der Fechtgesellschaft, an den Wochenenden betreut sie ihre Schützlinge an Turnieren im In- und Ausland. Ein zeitintensives Hobby für die 48-Jährige, die zusätzlich als Physiotherapeutin arbeitet. «Ich sehe meinen Trainerkollegen Manfred Beckmann mehr als meinen Ehemann», meint sie lachend.

Doch Catherine Stähli ist nicht nur Physiotherapeutin und Trainerin, sondern seit Februar auch eine von schweizweit lediglich drei Frauen (dazu acht Männer), die als offizielle Juges des internationalen Fechtverbandes FIE geführt werden. Dies erlaubt es ihr, sämtliche Gefechte auf Weltcup-Niveau bei der Elite und den Junioren zu leiten.

Vier bis fünf Einsätze

Für die internationale Schiedsrichter-Lizenz musste die Baslerin eine theoretische und eine praktische Prüfung ablegen. Normalerweise finden diese am selben Wochenende statt. Bei Stähli lag jedoch mehr als ein Jahr dazwischen. «Die theoretische, mündliche Prüfung habe ich im November 2011 in Athen absolviert. Leider fand dort kein Weltcup-Turnier statt und so habe ich meine praktische Prüfung erst diesen Februar in Budapest machen können», erklärt Stähli.

Vier bis fünf internationale Turniere wird sie pro Jahr leiten, allerdings vorwiegend auf Juniorenstufe im näheren Ausland. «Das reicht mir völlig. Zudem möchte ich auch nicht allzu weit reisen, denn ich investiere schon genug Zeit ins Fechten», sagt sie.

Ihr Debüt als Schiedsrichterin gab die Baslerin vor rund zehn Jahren. Damals begleitete sie ihre beiden Töchter Laura und Martina an nationalen Juniorenwettkämpfen und wurde dabei angefragt, ob sie nicht Schiedsrichterin werden wolle. Sie nahm das Angebot an. Zuerst ohne Ausbildung, sondern nur mit den Regelkenntnissen ihrer Aktivkarriere. Schon kurz darauf absolvierte sie aber den nationalen Schiedsrichterkurs.

Premiere in Bern

In den darauffolgenden Jahren sammelte Stähli viel Erfahrung. «Das ist extrem wichtig, denn die grösste Herausforderung des Schiedsrichters besteht darin, seine eigene Linie zu finden und diese im Rahmen des Reglements konsequent durchzuziehen», sagt die 48-Jährige. Das ist nicht einfach, denn Fechten ist ein schneller Sport. Viel Zeit zum Entscheiden, ob der Treffer regelkonform war oder ob der Athlet die Linie übertreten hat, bleibt nicht. Zusätzlich muss Stähli dafür sorgen, dass das Gefecht fair über die Bühne geht, und vor der Partie überprüfen, ob das Material der Fechter dem Reglement entspricht. «Wenn bei der Maske, den Schutzanzügen oder beim Degen etwas nicht stimmt, gibt es eine gelbe Karte. Eine rote oder gar schwarze Karte gibt es beispielsweise für unsportliches Verhalten», sagt Stähli.