Können 22 Kinder auf einem Haufen so ruhig sein? Ohne Ritalin schwer vorstellbar. Doch gestern Abend in Basel war Magie im Spiel, nicht ein Medikament. Die spezielle Kombination von Vorfreude und Nervosität machte aus dem gröbsten Zappelphilipp ein frommes Lämmchen, als die sogenannten «Player Escort Kids» anderthalb Stunden vor Spielbeginn in den Katakomben des St. Jakob-Parks auf ihren grossen Auftritt warteten. Hand in Hand mit Alex Frei oder Wayne Rooney zum alles entscheidenden Gruppenspiel in der Champions League einzulaufen stand auf dem Programm.

«4000 Kinder pro Spiel»

Verdient haben sich die Kids dieses einmalige Erlebnis nicht mit einer Glanzleistung in irgendeinem Match der F-Junioren, sondern mit ihrer Teilnahme am Wettbewerb von Master Card. Seit vier Jahren sucht der Champions-League-Sponsor auf diesem Weg Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren, in einer Grösse von 110 bis 130 Zentimetern und mit genügend starken Nerven, welche die Schweizer Teams zu ihrem Auftritt auf die grosse Bühne des Fussballs begleiten.

Die Resonanz der Aktion ist gewaltig. «Bis zu 4000 Kinder pro Spiel bewerben sich für einen Einsatz», sagt Antonio Hernandez, der Marketingchef von Master Card Schweiz. Auch Familien aus dem benachbarten Ausland versuchen ihr Glück. Bisweilen erfolgreich, wie etwa die achtjährige Emily aus Süddeutschland, deren Mutter einen zweieinhalbstündigen Anfahrtsweg in Kauf genommen hat, um ihrer Tochter diesen Herzenswunsch zu erfüllen.

«Es darf auch einer aus England sein»

Emily ist eines der wenigen Kinder, denen es egal war, mit wem sie das Spielfeld betreten. Es dürfe auch einer aus England sein, meinte sie selbstbewusst. Ansonsten dominierte bei den Auserwählten ganz klar rot-blau. Sara Joy Strahm aus Binningen präsentierte stolz ihr originales FCB-Dress, welches sie auf letzte Weihnachten geschenkt bekam. In diesem Jahr erfolgte die Bescherung nun quasi gut zwei Wochen vor Heiligabend.

Die Neunjährige zögerte keinen Moment mit der Antwort auf die Frage, an wessen Seite sie am liebsten einmarschieren würde: Xherdan Shaqiri. Auch Ramon Kälin aus Schänis, Noah Brunner aus Küssnacht am Rigi oder Carole Steiner aus Bottmingen nannten aus einem Guss den gleichen Namen. Am besten, man hätte dem FCB-Wirbelwind gleich alle Kinder anvertraut.

Der obligate FCB-Schal

Wählen durften die Kinder nicht. Der Zufall entschied, wen man an die Hand bekam. Aber träumen ist für die Kids erlaubt, träumen von einem Auftritt beim Final. Im Gegensatz zu einem Schweizer Klubteam, welches diesen Anlass für immer höchstens im Fernsehen wird mitverfolgen können, gibt es für die Kleinen auch in der K.-o.-Phase der Champions League – bis hin zum Endspiel am 19. Mai 2012 in München – die Möglichkeit, einen Einsatz Hand in Hand mit den grossen Stars des Weltfussballs zu gewinnen.

Glänzende Augen

Glänzende Augen sah man gestern vor dem Stadion übrigens nicht nur bei den Kindern, sondern bisweilen auch bei den zwei Begleitpersonen der Wettbewerbsgewinner, welche die Partie ebenfalls live mitverfolgen durften. Die meisten ausgerüstet mit dem obligaten FCB-Schal. Da wirkte es schon verdächtig, wenn jemand «neutral» daherkam, wie die Familie Baumberger aus Zollikofen bei Bern.

Als YB-Fan outete sich die siebenjährige Celine, die sich auf ihren Auftritt freute wie ein Maikäfer auf den Frühling. Und als YB-Fan habe sie halt auch etwas andere Präferenzen, wen sie begleiten möchte, erklärten ihre Eltern. «Einen der beiden Torhüter», sagte Celine fest entschlossen. Einen Basler, verriet das blonde Berner Mädchen dann doch noch, finde sie aber auch als YB-Fan super. Sie dürfen dreimal raten, wen.