Marco Chiudinelli, wie geht es Ihrem Ellenbogen nach der Operation?

Marco Chiudinelli: Momentan läuft alles wie geplant. Klar ist es nicht ideal, wenn ich nicht spielen kann, aber ich hoffe, dass sich das bis Ende Januar wie geplant bessert. Zurzeit bin ich in der Reha und muss die volle Bewegung zurück erlangen.

Sie waren in Ihrer Karriere schon häufiger verletzt. Hilft Ihnen das, mit der jetzigen Verletzung besser umgehen zu können?

Die Genesung von Verletzungen ist immer schwierig vorauszusagen. Die vergangenen zwei Verletzungen dauerten beide länger, als ursprünglich erhofft. Daher bringt es auch nicht viel, irgendetwas zu planen. Mein Ziel ist aber, dass ich anfangs März an der ersten Davis-Cup-Runde (6. bis 8. März gegen Belgien, Anm. d. Red.) wieder mit dabei sein kann.

Die Operation war seit längerem geplant (Chiudinelli verletzte sich an den US Opel, Anm. d. Red.), Sie spielten jeweils mit Schmerzmitteln. War dies auch mit ein Grund, weshalb Sie gegen Frankreich nicht zum Einsatz gekommen sind?

Nein. Ich bin immer davon ausgegangen, dass Roger für das Einzel fit sein wird, habe mich aber auf einen Einsatz im Doppel vorbereitet, weil ich einen solchen als durchaus realistisch eingeschätzt habe. Ich wäre definitiv bereit gewesen.

Umso schlimmer, dass Sie auch im Doppel nicht eingesetzt wurden?

Ich kenne meine Rolle im Team. Das ist normal und man muss sich auch nirgendwo verstecken, wenn man zwei solche Stars im Team hat. Es ist klar, wer spielt. Vor allem in solch wichtigen Matches. Entscheidend ist, dass Michael Lammer und ich bei einem allfälligen Einsatz zu hundert Prozent bereit sind und unserer Leistungen abrufen können.

Dennoch, mit einem Einsatz im Final wäre der Triumph noch ein bisschen schöner gewesen?

Ich habe in diesem Jahr gezeigt, dass ich für einen Einsatz jederzeit bereit bin und habe jeweils gute Leistungen erbracht (Entscheidender Sieg im Doppel mit Lammer gegen Serbien, Niederlage im bedeutungslosen letzten Einzel gegen Serbien, knappe Niederlage im Doppel mit Wawrinka gegen Italien, Anm. d. Red.) Wie gesagt, ich kenne meine Rolle im Team. Auch wusste ich, dass natürlich eine Chance für einen Einsatz besteht. Aber die gibt es in jeder Davis-Cup-Woche, weil immer etwas passieren kann im Vorfeld. Einmal hat sich Stan an einem Donnerstagnachmittag vor dem Duell mit Spanien 2007 das Aussenband im Knie gerissen und dann war ich plötzlich Teamleader. Man weiss, dass es solche Situationen leider immer geben kann.

Sie sagen, Sie kennen Ihre Rolle im Team. Wie betrachten Sie rückwirkend Ihren Beitrag zum Erfolg?

Beispielsweise im letzten Jahr habe ich das Playoff-Einzel gegen Julio-Cesar Campozano gewonnen, das uns den Weg der Zugehörigkeit zur Weltgruppe geebnet hat – hätten wir gegen Ekuador verloren, wäre der diesjährige Triumph gar nicht erst möglich gewesen. Seitdem ich im Davis-Cup-Team mit dabei bin, habe auch ich meinen Teil zum Erfolg beitragen können.

Nach 2012 hat Roger Federer das zweite Mal die Zusage gemacht, der Schweiz im Davis Cup voll zur Seite zu stehen. Wie wichtig ist er für das Team?

Ohne Roger, wie auch ohne Stan hätten wir diesen Titel nicht gewonnen, das sehe ich ganz realistisch. Wenn die Schweiz auf diesem Niveau Erfolg haben und kontinuierlich Spiele gewinnen will, dann braucht es beide. Aber auch die Zusage von Roger ist kein Garant für den Erfolg, wie die Erstrundenniederlage 2012 gegen die USA gezeigt hat. Deshalb sind wir nach dieser Enttäuschung zu Hause (0:5-Niederlage in Fribourg, Anm. d. Red.) froh, dass wir es in diesem Jahr durchziehen konnten.

Es war der erste Davis-Cup-Sieg für die Schweiz. Wie haben Sie diesen gefeiert?

Im sehr engen Rahmen am selben Abend. Wir haben einen Saal im Hotel gemietet mit dem Team und deren Angehörigen. Insgesamt waren wir um die 25 Personen, die bis um fünf Uhr morgens feierten. Am nächsten Tag waren wir natürlich auch noch lange zusammen, wir sind gemeinsam in die Schweiz geflogen und wurden in Lausanne fantastisch empfangen. Danach ging wieder jeder seinen eigenen Weg, wie das nun mal so ist.

Sie sind nicht derart geübt solch grosse Erfolge zu feiern wie Federer oder Wawrinka. Wie erlebten Sie diesen ganzen Trubel?

Ich und Michi hatten vor allem im Vorfeld der Partie volles Programm. Danach war es gar nicht so schlimm. Wir wurden zwar viel von verschiedenen Leuten angesprochen, aber vor allem die Presse hielt sich sehr zurück. Auch, weil ich die letzten zwei Wochen quasi von der Bildfläche verschwunden bin. Ich war eine Woche in Paris, spielte dort zwei Doppel im französischen Interclub und danach kam die Operation und der Aufenthalt im Spital. Daher habe ich seit der Ankunft in Lausanne nicht mehr viel vom Trubel mitbekommen.

Die Wertschätzung in der Schweiz ist gross. Sie wurden als Team des Jahres ausgezeichnet.

Das ist sicherlich eine schöne Anerkennung. Doch den wichtigsten und schönsten Titel holten wir in Lille.

Wie geht es weiter mit dem Davis-Cup-Sieger Marco Chiudinelli?

Momentan steht vor allem die Reha auf dem Programm und ich werde dann ins neue Jahr starten, wenn ich wieder schmerzfrei spielen kann – wofür man leider nie eine Garantie hat. Idealerweise werde ich noch zwei Saisons spielen, danach muss ich schauen, wie es weitergeht. Irgendwann werde ich dann aber sicher einen Schlussstrich ziehen.