Wie erhält man einen offiziellen Gesprächstermin mit einem Adeligen? Ganz einfach, man ruft ihn auf seinem Handy an und vereinbart eine Uhrzeit. Eine Stunde später bittet Christian Graf von Plettenberg zur Audienz. Nicht in einem prunkvollen Palais, sondern im Mediencenter, in den Katakomben der St. Jakobshalle.

Der 61-Jährige passt optisch perfekt ins Adeligen-Schema. Adrett gekleidet, die Frisur elegant gekämmt, gewählte Aussprache. Damit hat es sich aber: «Pletti» wie ihn seine Freunde nennen, verkehrt nicht in den erlauchten Kreisen. «Es sei denn, es lässt sich nicht verhindern», sagt er mit einem verschmitzten Lächeln.

«Kein Privileg»

Zu seinem Titel hat Christian Plettenberg ein entkrampftes Verhältnis. «Es ist kein Privileg, man muss es höchstens bestätigen.» Er bewegt sich ungern auf roten Teppichen, seine bevorzugte Unterlage sind Sand und Holz. Sei es in seinem Forstbetrieb in der Ost-Steiermark oder an den Springreit-Turnieren, denen er seit bald 30 Jahren mit seinem Wissen und seiner sonoren Stimme den Stempel aufdrückt. Nicht umsonst lautet sein Übernahme «The Voice». Es ist nicht das Resultat übermässigen Alkohol- oder Nikotinkonsums. «Es ist glücklicherweise gottgegeben», versichert er.

Gefühl für die Situation

Plettenbergs Popularität beruht auf Kompetenz und dem Gefühl für die Situation, verpackt in einen guten Sprachwitz. Seine Eloquenz hatte sich bis nach Basel rumgesprochen. Jury-Mitglied Fredy Boll fragte ihn vor vier Jahren für den ersten CSI an. Plettenberg sagte spontan zu. Einen Entscheid, den er bis heute nicht bereut hat. «Die Basler legten einen Senkrechtstart hin. Es ist eine riesige Freude, in diesem Team mitzuarbeiten.»

Dass Basel sich die Dienste von Plettenberg sichern konnte, war nicht selbstverständlich. Der Vater von zwei erwachsenen Kindern hat in den letzten Jahren seine Turniereinsätze drastisch reduziert. «Es waren 30 pro Jahr. Irgendwann ist meine Frau eingeschritten.» Seither sind es noch rund die Hälfte.

Kindheit in Westfalen

Die Plettenbergs sind ein westfälisches Uradelsgeschlecht. In Westfalen verbrachte Christian Plettenberg auch seine Kindheit. Praktisch Tür an Tür mit Hans Günter Winkler, dem erfolgreichsten Springreiter aller Zeiten. Zu ihm verbindet Plettenberg bis heute eine enge Freundschaft. Zu Winklers 87. Geburtstag hielt Plettenberg eine Laudatio. In Anwesenheit der jetzigen Verteidigungsministerin Ursula von der Layen, selbst eine passionierte Reiterin.

Internat statt Reitsattel

Von einer eigenen Karriere mit den Vierbeinern musste der deutsch-österreichischen Doppelbürger früh Abstand nehmen. «Mein Vater wollte etwas anderes.» Er steckte ihn ins Internat, später übernahm Plettenberg den Forstbetrieb in der Steiermark, den er noch heute führt und im Begriff ist auszubauen. Wie lange der Graf noch an Turnieren zu hören sein wird, lässt er vorderhand offen.

Geplant war der Abschied ursprünglich 2015 in Aachen. Diesen Termin hat er verschoben. Bereits liegen wieder neue Anfragen auf dem Tisch. «Das Ende ist in Sicht. Solange ich aber dabei bin, spreche ich in Basel», verspricht der Graf mit der unverwechselbaren Stimme seinem Publikum.