Briefe für Tokio
Christian Kirchmayr: «Als Sportler muss ich besonders vorsichtig sein»

Christian Kirchmayr schreibt in seinem neusten Brief über die spezielle Atmosphäre an einem Turnier in Pandemiezeiten und wie er versucht, eine Infektion mit dem Virus zu vermeiden.

Christian Kirchmayr
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Christian Kirchmayr bestritt sein erstes internationales Turnier nach sieben Monaten.

Christian Kirchmayr bestritt sein erstes internationales Turnier nach sieben Monaten.

Kenneth Nars

Nach sieben Monaten durfte ich in Deutschland endlich wieder an einem internationalen Turnier teilnehmen. Es ist nicht zu unterschätzen, wie wichtig das für die Motivation ist. Meine Ziele waren stets Turniere und die Olympia-Qualifikation. Letzteres war es auch, das mich die letzten Monate bei den vielen täglichen Trainingsstunden stets bei der Stange gehalten hat. Um einreisen zu dürfen, benötigte ich einen negativen Coronatest. Den ich auch hatte. Doch zuvor stand die Einreise auf der Kippe. Ein Doppelspieler der Nationalmannschaft wurde positiv getestet. Ob ich ausreisen durfte, hängte davon ab, wie eng mein Kontakt zu ihm war. Da mein Testergebnis negativ ausfiel, stand dem Turnier nichts mehr im Weg.

Das Geschehen vor Ort glich einer Bubble. Ich war mit allen anderen Spielern im gleichen Hotel – das für uns zwei Stockwerke reservierte – einquartiert. In die Halle ging ich nur für mein Spiel. Sich andere Partien oder die Stadt anschauen? Nicht möglich. Die Maske war mein steter Begleiter, ausser während den Spielen. So verbrachte ich viel Zeit im Hotelzimmer, schaute fern oder per Livestream den anderen Athleten zu. Und natürlich bereitete ich mein eigenes Spiel mit ausgiebiger Videoanalyse vor. In erster Linie war ich einfach froh, überhaupt spielen zu dürfen. Andererseits ist so ein Turnier nicht ganz so lustig wie eines vor der Pandemie. Es fehlen vor allem zwei Aspekte: Die Zuschauer und der Austausch mit Athleten aus anderen Ländern, sei dies beim Mittagessen, in der Halle oder beim Training.

Leider verlor ich in der ersten Runde. Das frustriert mich noch mehr als sonst, weil ich im Moment nicht oft die Chance erhalte, mich zu beweisen. Ich spürte auch mehr Druck, wollte besonders gut spielen und möglichst weit kommen. Dass das misslang, nervt. Doch ich habe auch gesehen, dass die Aspekte meines Spiels, an denen ich besonders hart gearbeitet habe, besser funktionierten. Ich habe das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.

Im Januar soll es mit der Qualifikation für Olympia weitergehen. Ob das der Fall sein wird, weiss ich nicht. Ich trainiere währenddessen fokussiert im Stützpunkt. Dass das aktuell relativ uneingeschränkt geht, ist extrem wertvoll und der grösste Unterschied zur ersten Welle. Als Sportler muss ich besonders vorsichtig sein. Wir trainieren relativ isoliert und schränken die Kontakte ein, um kein Turnier zu gefährden. Denn für uns sind die Auswirkungen einer Quarantäne besonders schlimm. Home Office lässt sich nicht so einfach umsetzen. Also gehe ich keine unnötigen Risiken ein.