Nur schon aus dem Flugzeug zu springen und heil auf dem Boden anzukommen, mag für viele eine Herausforderung sein. Für Christina Franz aber ist dies nicht genug. Die 29-jährige Sportlehrerin an der AGS Basel betreibt ihr Hobby Para-Ski mit Herzblut. Aus einer Absprunghöhe von über 1000 Metern wird für sie die Sache mit einer punktgenauen Landung erst richtig interessant.

Dabei wird nicht von Metern gesprochen, an der Weltmeisterschaft im Para-Ski in Unterammergau (D) konnte Franz fünf von sechs Sprüngen innerhalb von nur vier Zentimetern, einen sogar punktgenau, zum avisierten Zielpunkt mit einem Durchmesser von zwei Zentimetern landen. Auch wenn der zweite Sprung mit 23 Zentimetern Abweichung als sehr schlecht taxiert wurde, schaffte sie die Qualifikation als Zweitplatzierte in den Final. Dazu beigetragen hat auch die schnelle Zeit der beiden Riesenslalomläufe. Nebst zwei Österreicherinnen erkämpfte sich auch Erica Franz, die Mutter von Christina, den vierten und letzten Finalplatz. Als Vize-Weltmeisterin von 2011 konnte Erica im Gegensatz zu Christina schon internationales Edelmetall vorweisen.

Für Ruhm und Ehre

Auch wenn für die Endwertung die Resultate der Qualifikation ebenso mit einberechnet wurden, lag für beide Schweizerinnen sogar der Sieg noch in Reichweite. Dafür aber musste eine letzte perfekte Landung gelingen. «Die Bedingungen waren schwierig», erzählt Christina Franz, «bei wenig bis gar keinem Wind wirken sich die kleinsten Fehler gravierend aus.» Den Fauxpas aus der Qualifikation verdrängt, gelang der in Binningen wohnhaften Christina Franz im Final eine fast perfekte Landung mit nur zwei Zentimetern Differenz zum Zielpunkt.

«Ich habe mich nur auf den Sprung konzentriert und das Beste versucht», erklärt sie bescheiden. Da der führenden Österreicherin Magdalena Schwertl der Finalsprung misslang, kam Christina Franz zu weltmeisterlichen Ehren und somit zur ersten internationalen Medaille. Erica Franz musste sich mit dem vierten Platz zufriedengeben. In der Teamwertung reichte es dem Mutter-Tochter-Gespann zusätzlich zur Silbermedaille.

Die ambitionierte Vorbereitung hat sich für Christina Franz gelohnt. Nebst regelmässigem Fitnesstraining stand sie mehrmals in Kandersteg auf den Ski, absolvierte rund 250 Sprünge sowie Trocken-Landeübungen. «In den Pausen habe ich in der Turnhalle jeweils in einer Hängeinstallation das Ziellanden geübt», verrät sie. Auch hätten die jeweilige Besprechung der Flugtaktik und das Einschätzen der Windverhältnisse mit ihrer Mutter viel gebracht. In der Randsportart Para-Ski winken jedoch auch für die Weltmeisterin keine exorbitanten Siegesprämien oder Werbeverträge. Warum also lohnt sich der immense Aufwand? Lachend erklärt Franz: «Es geht schlicht um Ruhm und Ehre, das sage ich auch meinen Schülern.»