Schwingen
Christoph Bieri mit allerletztem Effort

Am Baselstädtischen Schwingertag ging die Rechnung für die Nordwestschweizer auf: Im Schlussgang besiegte der Aargauer Christoph Bieri den SolothurnerBruno Gisler drei Sekunden vor Ablauf der Zeit mit Gammen.

Wolfgang Rytz
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Bieri besiegt drei Sekunden vor Ablauf der Zeit Gisler mit Gammen.Rytz

Bieri besiegt drei Sekunden vor Ablauf der Zeit Gisler mit Gammen.Rytz

Ein Berner Gästesieg lag zwar wie ein Damoklesschwert über dem Basler Sportplatz Sandgrube. Matthis Glarner, der stärkste aus dem Mutzentrio, hatte seinen sechsten Gang gegen Mario Thürig mit einem Kurz platt gewonnen. Bei einem «gestellten» Finale hätte er den Tagessieg geerbt.

Bieri und Gisler, die sich schon verschiedene packende Schlussgänge lieferten, suchten fast zwölf Minuten lang die Entscheidung. Bieri hatte zu Beginn Vorteile und brachte den Rumisberger mit einem Kurz einmal in eine gefährliche Situation. Aber je länger der Gang dauerte, desto bessere Chancen erarbeitete sich Gisler. Bei Anbruch der letzten Minute wäre Bieri beinahe einem satten Hüfter zum Opfer gefallen; doch wand er sich aus der bedrohlichen Situation heraus.

Zehn Sekunden vor Ablauf der Zeit gab der Kampfrichter das Duell nochmals frei. Gisler zog an, Bieri konterte resolut mit Gammen. Mit letzter Kraft drückte der Aargauer nach, und der Solothurner lag nach 11 Minuten und 57 Sekunden auf dem Rücken. Der Festsieger war so ausgepumpt, dass er kaum mehr eine Hand zum Jubel in die Höhe strecken konnte. Erst nach längerem Ringen um Luft erhob er sich aus dem Sägemehl. «Ich strebte einen schnelleren Sieg an», erklärte er später. Er sei sich zuletzt der Sache nicht mehr sicher gewesen. «Weil aber auch Bruno die Entscheidung suchte, bot sich nochmals eine Chance.»

Der Tagessieg für Bieri ist deshalb verdient, weil er im fünften Gang Büsser nach zähem Kampf mit einer Konterattacke bezwang. Der 27-jährige Produktemanager hatte sich beim Hallenschwinget in Brunegg den linken Mittelfinger ausgerenkt. Deshalb fehlen ihm mehrere Wochen Techniktraining im Sägemehl. Dieses Manko war in Basel spürbar. Umso zuversichtlicher blickt der Untersiggenthaler den nächsten Wettkämpfen entgegen.

Ein gutes Comeback nach seinem Fingerbruch zeigte Mario Thürig. Zuletzt war Glarner indessen noch eine Nummer zu gross. Für Aufsehen sorgte Neukranzer Adrian Schmutz. Der 20-jährige Langenbrucker blieb unbesiegt und verdiente sich mit vier Siegen Rang 3b. Als weitere Neukranzer liessen sich der Aarauer Michael Schumacher und der Lenzburger Nick Alpiger feiern.