Christophe Bonvin steht mitten im Herzen des Weinlandes Wallis. Der frühere Profi des FC Sion blickt vom riesigen Rebgut Clos du Château auf die Stadt Sion, das Stade de Tourbillon und die immer noch verschneiten Berggipfel des Val d’Hérens und sagt: «Was bin ich doch für ein Glückskind! Erst durfte ich als Fussballer mit dem FC Sion einen Meistertitel und vier Cupsiege feiern. Und seit knapp zwanzig Jahren bin ich als Botschafter für Walliser Weine tätig. Ich organisiere Weinbergbesichtigungen und Weinproben. Natürlich», fügt er mit einem verschmitzten Lächeln hinzu, «sind bei mir Verkäufe über die Gasse möglich.»

Erst der Fussball, dann das Weingeschäft: Bonvin hat den Spagat vom Fussballer ins normale Berufsleben also geschafft. Das ist nicht selbstverständlich. Profis, so sagt man, haben nämlich zwei Leben. Eines als Sportler, eines danach: Manch einer gerät nach der Karriere in Notstand. Was tun ohne Ausbildung?

Vom Fussballer zum Weinkenner

Bonvin ist anders. Ganz anders. «Ich unterschrieb 1995 beim FC Sion zwar nochmals einen Zweijahresvertrag», sagt er, «wusste aber, dass ich danach meine Laufbahn beenden werde. Ein Job im Fussball kam für mich nicht infrage. Trotzdem wollte ich die Weichen für meine berufliche Zukunft möglichst schnell stellen.»

Gesagt, getan: Bonvin heuerte bei Charles Bonvin, dem ältesten Weinhaus im Wallis an. Dieses ist seit 1858 in Sion sesshaft, bewirtschaftet 23 Hektar Reben in besten Lagen und hat viel zur Bekanntheit Schweizer Weine beigetragen.

Der langjährige Flügelflitzer hatte bei der Jobsuche gute Karten. Einerseits trank er schon als Fussballer nach einem Spiel gerne mal ein oder zwei Gläschen, anderseits interessierte er sich schon in jungen Jahren für die Pflege der Reben und die Geschichte und Herkunft der Weine.

Das Märchen nahm seinen Lauf: Bonvin wurde angestellt und arbeitet seit 1997 als Botschafter für Walliser Weine. In dieser Funktion ist der 50-Jährige ein viel beschäftigter Mann. Während des Gesprächs mit der «Schweiz am Sonntag» klingelte Bonvins Handy pausenlos. Der Walliser bekam einen Auftrag nach dem andern und nahm Bestellungen in Hülle und Fülle auf. Beruflich ist Bonvin also voll im Saft.

Privat läufts ebenfalls rund. Bonvin wohnt in einem Chalet in Ovronnaz und ist mit seiner Schulfreundin Christine verheiratet. Die Zwei sind glücklich und zufrieden. Die drei Kinder Maël, Thaïs und Naïg sind gesund und munter.

In der knapp bemessenen Freizeit findet man Bonvin oft auf seinem 600 Quadratmeter grossen Weinberg in Leytron. «Im Laufe der Zeit ist mein Beruf zu einem Hobby geworden», erklärt er. Zu guter Letzt verrät Bonvin unseren Leserinnen und Lesern seine zwei Lieblingsweine. Natürlich kommen sie aus dem Wallis. Beim Weissen ist es der Petite Arvine, beim Roten der Terra Cotta, Pinot Noir.