Im Sport gibt es Doping und Korruption. Zumindest im Spitzensport bestimmen viele partikulare, meist monetäre Interessen die Wettkämpfe. Schwingen ist der Schweizer Nationalsport. Und vielleicht ist das Schwingen wirklich noch die heile Welt, auch wenn die Spitzenschwinger nicht nur Holzstühle, Truhen und Wanduhren von den Festen mit nach Hause nehmen, sondern auch Bares. Denn die Lebendpreise werden gleich gegen «Münz» eingelöst.

Rasante Entwicklung

Das Fraumatt-Schwinget hat eine rasante Entwicklung hinter sich. Was als familiär-intimes Haus-Schwinget der Familie Brunoni vor fünf Jahren begonnen hatte, verkam bei der fünften Auflage zu einer zweitägigen Veranstaltung. Am Samstag stiegen 151 Jungschwinger in die vier Sägemehlringe, sonntags waren es 82 Schwinger, die auf zwei Ringen ihr Können zeigten.

Einer der Aushängeschilder der Nordwestschweiz ist Michael Gschwind aus Hofstetten, der für den Schwingclub Binningen kämpft. Der Elektromonteur, der in zwei Wochen 29 Jahre alt wird, hatte die zwei letzten Fraumatt-Schwinget gewonnen. Und strebte heuer den Hattrick an. Vom ersten Gang an führte Gschwind die Rangliste an, obwohl er im zweiten Gang gegen Roger Erb, einen anderen Lokalmatadoren aus Metzerlen, gestellt hatte. Und auch im fünften Gang hatte Gschwind gegen Henryc Thoenen, dem wiedergenesenen Aushängeschild des basel-städtischen Schwingverbandes, gestellt.

Der lachende Dritte

Sein Rivale war Klubkollege Andreas Henzer (34). Der Schönenbucher wies gleich viele Punkte wie Erb auf. Weil aber Gschwind und Erb bereits gegeneinander gegriffen hatten, stand Henzer im Schlussgang. Vorgängig hatten im sechsten Gang diverse Spitzenleute gestellt oder verloren, sodass sich die Konstellation ergab, dass der Gewinner des Schlussganges auch Festsieger würde. Bei einem Gestellten hingegen wäre Christophe Löw, ein 34-jähriger Forstwart aus Itingen, der für den Schwingklub Liestal kämpft, der lachende Dritte gewesen. Dieser hatte zwar im dritten Gang gegen Michael Henzer, den Bruder von Andreas, verloren, doch mit platten Siegen (die je- weils die Maximalnote 10 ergaben), sich in der Rangliste nach vorne gekämpft.

500 Zuschauer am «Fraumatt»

«Ich glaube nicht, dass es bei dieser Hitze nach zehn Minuten zu einem Gestellten kommen wird», so ein gut gelaunter Michael Gschwind noch kurz vor dem Schlussgang. Gut 500 Zuschauer verfolgten angespannt die Ausmarchung. Obwohl beide Schwinger aktiv waren, spürte man, dass ein gestellter Gang «drohte». Natürlich kennen sich Gschwind und Henzer in und auswendig. Sie sind Trainingskollegen, dicke Kumpels, ja Freunde. «Aber mit dem Handschlag im Sägemehl hört die Freundschaft auf. Da will ich stets meine allerbeste Leistung abrufen», erklärte Henzer nach dem gestellten Schlussgang.

Enttäuschter Gschwind

Selbstverständlich war Michael Gschwind enttäuscht. Und das Umfeld des SC Binningen machte keinen Hehl daraus, dass man vom gestellten Schlussgang «not very amused» war. Andererseits bewies Henzer wahren Sportsgeist und verzichtete auf etwelche «Agreements», um seinem Klubkollegen den dritten Festsieg in Folge zu ermöglichen. «Ich kenne Andreas schon lange. Er ist keiner, der sich gerne ins Sägemehl betten lässt. Daher war ich mir sicher, dass beide Athleten auf Sieg kämpfen würden. Mit der Gefahr, dass ein Gestellter herauskommt, sodass ich von der Konstellation profitieren konnte», meinte Festsieger Christophe Löw, der damit zu sei- nem ersten Tagessieg an einem grösseren Schwingfest gekommen war.