34 Jahre musste Christophe Löw auf seinen ersten Festsieg warten. Dass es mit dem Fraumatt-Schwinget in Oberwil ein vergleichsweise kleines war, stört ihn nicht. «Das ist doch ein Anfang», sagt der 15-fache Kranzgewinner. Dass er selbst nicht im Schlussgang stand, ist ein Makel, gehöre aber nun mal zum Schwingen dazu.

Doch Oberwil ist bereits Vergangenheit. Löws Blick richtet sich nach vorne, nach Binningen, aber auch schon nach Burgdorf zum Eidgenössischen. Es wäre nach Luzern und Aarau seine dritte Teilnahme. Frauenfeld hat er verpasst, 2010 war eine verkorkste Saison für den Itinger. Verletzungen haben ihn ausgebremst. Dieses Jahr hatte er eine gute Vorbereitung, fast zu gut. «Die ersten Wettkämpfe liefen so gut, dass mir beim Baselstädtischen die Spannung fehlte», sagt Löw. Früh in Rücklage musste er im vierten Gang alles riskieren und verlor.Dass soll ihm beim eigenen Kantonalen diesen Sonntag nicht passieren.

Volle Kraft voraus

Nicht weniger als die Qualifikation für Burgdorf steht auf dem Spiel. Die Rangliste der Schwinger funktioniert im Prinzip gleich wie das Tennis-Ranking. War man im Vorjahr gut, muss man die Punkte verteidigen, um die Position zu halten. Vorsichtiger in die Begegnungen gehen will das 1,77 Meter grosse, 96 Kilogramm schwere Kraftpaket deswegen nicht. «Es gibt nur voll nach vorne», sagt der selbständige Baumpflegespezialist bestimmt. Abwarten ist nicht seine Sache.

Früher Fussballer beim FC Liestal

«Ich bin nicht der grösste und auch nicht der schwerste. Aber mit meiner Kondition und meinem Kampfgeist habe ich es weit gebracht», sagt Löw, der erst mit 21 Jahren angefangen hat zu schwingen. Auslöser war das Eidgenössische in Nyon, bei dem er als Zuschauer fasziniert dabei war. Zwei Jahre später gewann der ehemalige Fussballer des FC Liestal seinen ersten Kranz, ein Jahr darauf war er erstmals bei einem Eidgenössischen dabei.

Bieri und Gisler nicht dabei

In Binningen sieht er sich selbst in der zweiten Reihe. Ein Vorteil wäre, dass nur zwei Eidgenossen am Start seien. Christoph Bieri und Bruno Gisler seien am Innerschweizer. Deswegen seien die Thürig-Brüder zu favorisieren, aber mit einer guten Einteilung und einer starken Leistung sei ein Sieg eines Einheimischen möglich. «Wir wollen vor allem ein gutes Mannschafts-Ergebnis erreichen», sagt Löw. Dass nicht nur er einen Kranz anstrebt, wird im Abschlusstraining im Basel-Städter Schwingkeller klar. Nach dem Einwärmen fragt Trainingsleiter Andreas Henzer in die Runde, was am Wochenende das Ziel sei. «Kranz» schallt es ihm entgegen.

Zwei bis drei Trainings in Basel

Mangels starken Trainingspartnern trainiert Löw zwei- bis dreimal in der Woche in Basel. Vor Ort auch die Binninger, die zurzeit keinen eigenen Schwingkeller zur Verfügung haben. So kommt eine starke Gruppe zusammen. «Ich nehme den Weg gerne auf mich, das Training mit starken Gegnern bringt mir extrem viel», sagt das Mitglied des Schwingklub Liestal.

Auf sein Alter angesprochen winkt Löw ab. Seine Frau frage schon lange, wieso er sich das noch antue. «Solange die Flamme noch brennt, mache ich weiter.» 20 Kränze wären eine schöne Zahl, zudem fände 2016 das 50-Jahr-Jubiläum seines Schwingklubs statt. Aber jetzt sei erst einmal das Eidgenössische wichtig, dann schaue er von Jahr zu Jahr.