Nachgefragt
Claudius Schäfer: «Die Polizei darf auch im Stadion einschreiten»

Beim Klassiker FC Basel - FC Zürich schrieben wieder einmal die Fans die Schlagzeilen - einmal mehr negative. Liga-Präsident Claudius Schäfer spricht nun über die Ausschreitungen im St. Jakob Park und deren Folgen.

Etienne Wuillemin
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Bei Basel gegen Zürich gehen die Emotionen hoch
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Die Fackelwürfe sorgten für einen über 10 Minuten-dauernden Spielunterbruch.
Die Pryfackeln flogen aus dem Gästesektor.
Rauchschwaden im Joggeli.
Basel Fans versuchen in den Gästesektor zu gelangen.
Auch auf dem Spielfeld gehen die Emotionen hoch.
Nach dem Spiel entschuldigen sich FCZ-Spieler bei ihren Fans für ihre schlechte Leistung.

Bei Basel gegen Zürich gehen die Emotionen hoch

Keystone

Welche Massnahmen sind denkbar, um Krawalle im Stadion zu bekämpfen?

Zuerst: Ich habe mich wahnsinnig aufgeregt über die Szenen im St. Jakob-Park, ich spüre Wut und gleichzeitig eine Ohnmacht. Aber wir müssen aufpassen, nun nicht in Aktionismus zu verfallen und vorschnell Massnahmen zu fordern, die nichts bringen oder gar kontraproduktiv wirken.

Wie meinen Sie das?

Nach dem 13. Mai 2006 beschlossen wir zum Beispiel relativ schnell, dass sich die Fans vor dem Eintritt ins Stadion identifizieren müssen. Die Praxis zeigt: Das funktioniert überhaupt nicht. Oder nehmen wir Italien. Auch dort wurde die Personenidentifikation beim Zutritt zum Stadion eingeführt – trotzdem verbesserte sich die Situation nicht. Ohne verniedlichen zu wollen, darf man auch feststellen, dass wir zumindest innerhalb der Schweizer Fussball Stadien in dieser Saison nicht viele Vorfälle zu beklagen hatten.

Wie stehen Sie der Forderung gegenüber, in Zukunft keine Gästefans mehr zuzulassen?

Wir haben das schon oft mit den Sicherheitsspezialisten diskutiert. Die Nachteile überwiegen. Das Problem ist, dass es noch immer zu viele Möglichkeiten gibt, diese Pflicht zu umgehen. Die Schweizer Stadien sind nicht immer ausverkauft, das heisst, es gibt zu viele freie Plätze abseits der Fankurven. Wir reden hier von Splitter-Fans, ein Prozent vielleicht – und wegen dieses Prozents müssten wir die 99 Prozent anderen Fans mitbestrafen. Choreografien und einen gewissen Teil an Fankultur gäbe es dann auch nicht mehr.

Soll die Polizei auch im Stadion eingreifen können?

Schon heute darf die Polizei einschreiten, sobald Leib und Leben gefährdet ist. Das tut sie immer – in Notfall auch bei Ihnen zu Hause. Aber ich möchte nicht als Liga-Chef die Doktrin der Polizei hinterfragen. Und es stellt sich auch immer die Frage der Verhältnismässigkeit, dies wird oft vergessen.

Was hat das Hooligan-Konkordat gebracht?

Es ist erst zu kurz in Kraft, um ein Fazit zu ziehen. Wir erhoffen uns insbesondere von Massnahmen gegen Fehlbare einiges. Mit einer gewissen Konsternation haben wir zur Kenntnis genommen, dass derzeit nur vier oder fünf Meldeauflagen (Täter muss sich während des Spiels bei der Polizei melden, d.Red.) in Kraft sind. Wir setzen in Zukunft aber grosse Hoffnungen in diese Meldeauflagen.

Wie viele Stadionverbote sind derzeit in der Schweiz aktiv?

Total 658, davon wurden 308 in dieser Saison erteilt.

Was kann der Fussball vom Eishockey lernen?

Wir sind auch mit dem Eishockey in einem guten Dialog und versuchen voneinander zu lernen. Gerade bei den grossen Fussballklubs bewegen sich grössere Massen, was sich sicherlich auch auf die Sicherheitssituation auswirkt. Zudem gibt es auch grössere Unterschiede in der Fankultur. Die beiden zuschauerattraktivsten Sportarten sind daher nur bedingt zu vergleichen.