CSI Basel

CSI-Präsident Willy Bürgin im Abschiedsinterview: «Auf dem Pferd spielt Geld keine Rolle»

Willy Bürgin in seinem Büro in der St. Alban-Anlage.

Willy Bürgin in seinem Büro in der St. Alban-Anlage.

Willy Bürgin, der mit 83 Jahren als Präsident des CSI Basel zurücktreten wird, spricht vor dem Turnier zum Abschied über elitäre Probleme der Reiterei, Speck-Plättli und seinen letzten Wunsch als Präsident des CSI.

Herr Bürgin, warum treten Sie nach dem CSI Basel 2020 als OK-Präsident zurück?
Willy Bürgin: Ich habe das Gefühl, es ist an der Zeit, dass jemand Jüngeres kommt. Ich selber mag nicht mehr so und denke, mit 83 Jahren darf man auch einmal in den Ruhestand gehen.

Gab es einen konkreten Moment, an dem Sie sich entschieden haben, das Amt weiter zu geben?
Nein, viel eher gab es Momente, wo ich dachte, dass ich noch zehn Jahre weitermachen möchte (lacht). Aber jetzt war einfach der richtige Zeitpunkt, um abzutreten. Trotzdem werde ich auch weiterhin in einer beratenden Funktion dabei bleiben, wenn man mich noch möchte. Ich freue mich, jetzt ins dritte oder vierte Glied treten zu dürfen.

Wie schwer war es, das Turnier abzugeben?
Es war eher eine Erleichterung, man muss das Alter ja doch immer berücksichtigen. Ich gebe das Amt gerne ab, denn die Vision, die ich vom CSI Basel hatte, ist aufgegangen. Ich bin glücklich, dass das Turnier auf diesem Niveau angekommen ist und es wird auch ohne mich weitergehen.

Der CSI Basel ist Ihr Herzensprojekt. Woher zogen Sie die Motivation, das Turnier aufzubauen?
In unserer Familie gab es schon immer Pferde, seit ich geboren wurde. Die Reiterei hat mir in meinem Leben so viel gegeben, dass ich mir immer gesagt habe, dass ich ihr etwas zurückgeben will. Mit den Turnieren, die ich früher auf dem Schänzli organisiert habe und mit dem CSI Basel konnte ich das, denke ich, tun.

Ihre Arbeit für den CSI Basel war in den letzten elf Jahren aber auch mit viel Aufwand verbunden.
Ich habe mein Leben lang in der Grossmetzgerei meiner Familie gearbeitet. Ich dachte, ich suche mir noch ein Hobby nach der Pensionierung. Daraus wurde dann doch ein Full-Time-Job. So kann man sich manchmal täuschen im Leben (lacht).

Sie sind ein Pferde-Enthusiast, aber auch gelernter Metzger. Gab es da nie faule Sprüche?
Es gibt viele Metzger, die reiten. Es ist nun mal ein Beruf wie jeder andere. Ich selbst habe ja nie Pferdefleisch gegessen und war aus Prinzip auch nie Pferdemetzger. Sprüche gibt es immer wieder, aber die darfst du einfach nicht zu ernst nehmen. Ich liebe Pferde, sie sind die besten Freunde, die man sich wünschen kann.

Wieso?
Weil sie immer zufrieden sind (lacht). Aber grundsätzlich sind sie wie wir Menschen. Manchmal haben sie einen guten und manchmal einen schlechten Tag. Man kann sehr gut spüren, welchen Charakter ein Pferd hat, wie es sich fühlt. Das Pferd braucht dich, aber es gibt dir auch enorm viel. Das muss man eigentlich selbst erlebt haben, um diese Beziehung zu verstehen. Für mich war es früher jedenfalls das Schönste, nach einem langen Arbeitstag aufs Pferd zu sitzen und einfach abzuschalten.

Hatten Sie erwartet, dass Ihr Turnier so schnell so gross wird?
Geplant hatten wir es damals, ja. Wenn man etwas macht, muss man auch daran glauben. Eine Vision zu haben, ist das eine. Realisieren konnte ich sie aber nur dank Herrn Straumann. Ohne ihn als Partner gäbe es den Concours nicht.

Stimmt es, dass sie Thomas Straumann damals mit einem Fleisch-Plättli überzeugten, Ihr Partner zu werden?
Das war, als ich noch nationale Turniere auf dem Schänzli ausrichtete. Herr Straumann war dort schon sehr interessiert am Pferdesport und wollte in der Region etwas tun. Als ich einmal Speck-Plättli aus der Metzgerei als Preis servierte, sprach ihn das enorm an, weil es einmal etwas anderes war.

Jetzt wird Straumann mit einem neuen Partner weiter machen müssen. Ist es schon klar, wer Ihren Posten übernimmt?
Ja, wir haben einen kompetenten Nachfolger gefunden. Wer es ist, verraten wir aber erst am Anlass selbst.

Im nächsten Jahr werden Sie etwas mehr Freizeit haben. Wie wollen Sie diese verbringen?
Ich hoffe einfach, dass ich gesund bleibe. Dann werde ich auch etwas mehr Zeit haben. Gerne würde ich wieder mehr Springwettbewerbe im In- und Ausland besuchen. Gerade die kleinen Turniere finde ich enorm spannend, denn der Aufbau des gesamten Reitsports fängt dort an. Ohne Basis gibt es keine Spitze und umgekehrt auch nicht.

Ist der CSI Basel eine Scharnierfunktion zwischen diesen Sphären?
In der Nordwestschweiz ist der CSI sicher eine gute Sache für alle Reiter, das ist klar. Es kommen die Weltbesten, die man eigentlich nur im TV sieht, nach Basel. Da kann die Szene nur profitieren. Wir bekommen aus ganz Europa positives Feedback für unsere Arbeit, man redet über den CSI Basel.

Was genau hören Sie denn da?
Hauptsächlich werden wir dafür gelobt, dass das Turnier einerseits hochstehend und edel, andererseits aber trotzdem bodenständig und bürgerlich ist.

Ist es ein allgemeines Problem des Reitsports, dass man als zu elitär wahrgenommen wird?
Definitiv. Das wollen wir in Basel eben nicht, denn es ist dem Sport gegenüber nicht richtig. Wir wollen ein Top-Niveau bieten, aber trotzdem für jedermann erschwinglich bleiben. Die Stimmung in der Halle soll familiär sein und niemanden ausgrenzen. Denn sobald man auf dem Pferd sitzt, spielt Geld keine Rolle mehr. Reiten muss man selbst. Diesen Spirit wollen wir beim CSI hochhalten.

Zuletzt gab es ja Querelen um die St. Jakobshalle, in der der CSI steigen wird. Hatten Sie Angst um die Durchführung des Turniers?
Nein, nie. Es gab zwar gewisse Umstände und Ansprüche, die wir zu erfüllen hatten in puncto Brandschutz. Das haben wir aber sofort gemacht. Darum gab es auch nie Diskussionen um die Durchführung des CSI 2020. Das Ganze war für uns zwar mit erheblichen Mehrkosten verbunden, aber wenn es sein muss, dann muss es sein.

Was ist die schönste Erinnerung, die Sie aus elf Jahren CSI Basel mitnehmen?
Eine einzelne möchte ich nicht hervorheben, da gab es schlicht zu viele. Besonders war eher die gesamte Entwicklung. Als ich das erste Mal in die Halle zum Direktor Thomas Kastl gegangen bin und ihm von unseren Plänen erzählte, ein internationales Turnier zu starten, hat er wie viele andere auch zuerst nicht daran geglaubt. Wir wurden am Anfang belächelt. Das war immer ein Ansporn für uns, es allen zu beweisen. Heute haben wir es geschafft. Das macht mich unglaublich stolz.

Gab es nie unschöne Momente, wo sie überlegten hinzuschmeissen?
Nein, das gab es nie. Nicht einmal eine halbe Stunde.

Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft Ihres Turniers?
Meine Wünsche ans Turnier sind bis jetzt immer in Erfüllung gegangen. Es wäre schön, wenn das so weitergehen würde (lacht). Ich weiss, dass der CSI Basel in gute Hände kommt und ich bin sicher, dass er sich gut weiterentwickeln wird. Einen Wunsch hätte ich aber noch. Ich habe einmal ein Schild mit der Aufschrift «Ausverkauft» anfertigen lassen. Das möchte ich einmal noch am Kassenhäuschen aufstellen dürfen. Vielleicht schon 2020.

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