Ziel im Basketball ist es, den runden, orangenen Ball in den Korb zu bringen. Dies kann man mit einfachen Korblegern tun. Meist gelingt dies, wenn man den Defense-Rebound sichert, einen schnellen Gegenstoss auslöst und der Spielmacher (im Falle der Starwings wäre dies Lorenza Ross) im richtigen Moment den genauen Pass zum richtig mitlaufenden Mann spielt. Davon waren die „Wings“ am Samstagabend meilenweit entfernt. Sie sicherten sich weder den Korbabpraller, sind unfähig, schnell und präzise nach vorne zu spielen, denn Ross bevorzugt unnütze Dribblings, viel Schnick-Schnack und ist weder ein guter Assistgeber noch ein präziser Werfer.

Man kann auch in einem „statischen“ Angriffsspiel druckvoll spielen, korrekte Blöcke stellen oder ein Mann-Mann-Duell gewinnen und mit einem spektakulären Dunking – zur Freude der Zuschauer – abschliessen. Auch diese Fähigkeiten gehen dem Personal von Starwings-Cheftrainer Roland Pavloski vollends ab.

Das Runde wurde eckig

Meist punktet man, wenn man wirft (ob in der Zone, aus der Mitteldistanz oder mittels Dreipunktewürfen). Werfen tun die Unterbaselbieter schon; treffen tun sie fast nie. In den elf Nationalliga-A-Jahren hat man in der Sporthalle Birsfelden grossartige Spieler erlebt (wir nennen hier nur die legendären Mike Coffin, Jared McCurry, Raymond Henderson, Vernard Hollins, Tony Brown), man sah „Chrampfer“ wie Marcus Sloan oder Darell Vinson. Und Trouvailles wie A.J. Pacher in der letzten Spielzeit. Was in dieser Spielzeit 2016/17 jedoch aufläuft, ist – bezüglich Trefferquote – schrecklich untalentiert. Oder frei von jeglichem Talent. Und verkommt zu einem allgemeinen Ärgernis. Würde man die Voten langjähriger Matchbesucher, welche diese vor allem in der Halbzeitpause machten, publizieren… morgen Montag müssten die „Wings“ eine komplett neue Equipe bestellen. Bei einigen Akteuren hat man das Gefühl, dass sie das Runde (gemeint ist der Ball) als eckig empfinden. Nur so ist zu erklären, warum der Rivale zu 17 Offensiv-Rebounds gekommen ist und diese Wertung mit 45:31 für sich entschied.

Ein unfähiger Spielmacher

Ein Ross mag basketballerische Fähigkeiten haben. Qualitäten, um als Denker und Lenker (= Spielmacher) aufzutreten, hat der junge Amerikaner nicht. Er wird in Euro-pa kaum als Profi-Spieler weitermachen können. Murphy Burnatowski bringt ein gutes Basket-ABC mit – seine Zwängerei, in aussichtslosen Situation dennoch ab-schliessen zu wollen, sind ärgerlich und zeugen von fehlender Spielintelligenz. Devonte Upson leidet darunter, dass sein Spielmacher namens Ross primär „rumhühnert und herumwildert“, so dass Upson wenige bis keine brauchbaren Bälle erhält. Zudem war der sprunggewaltige US-Center ab der 25. Minute aus dem Spiel. Ein Misstritt führte zu einer Fussverletzung – und auch wenn der 206 Zen-timeter lange Mann für die letzten vier Minuten wieder auf dem Spielfeld stand, war seine Präsenz eher marginal und psychologisch bedingt.

Mit guten Leistungen gegen Fribourg, Luzern und Winterthur hatte sich Branislav Kostic (21) den Platz im Anfangsquintett erkämpft. Der frühere U20-Internationale rechtfertigte diese „Beförderung“ nicht. Im ersten Viertel konnten er und Teamcaptain Joël Fuchs zusammen sechs offene Dreier nehmen – sie trafen knapp den Ring… Und drei Minuten vor Abpfiff, beim Stand von 54:57, konnte Kostic drei Freiwürfe werfen. Und ausgleichen. Er traf einen – und statt den Ausgleich zu erzielen und seiner Equipe das Momentum zu bescheren und für positive Tollhaus-Atmosphäre zu sorgen, erhöhte Boncourt im Gegenzug, dank eines Dreiers (im Lauf!) von Julian Norfleet (USA) 55:60. Damit war der Match definitiv „gegessen“ und der Frust bei den Gastgebern gegeben.

Saisonende für Matter

Mit Niels Matter (28, 204 cm) verloren die Starwings zudem ihren Felsen unter den Brettern – der Kleinbasler verletzte sich auch, weil er sich auf einen „schrägen“ Wurf von Upson (aus vier Metern donnerte er den Ball ans Brett…) ins Getümmel stürzte. Denn eines sei gesagt: Der Auftritt der Jurassier, einst eine Grösse im Schweizer Basket, war ebenso beschämend. Wenn man in Betracht sieht, dass die „Red Devils“ nebst den obligaten drei Auslandsprofis weitere vier Schweizer Berufsspieler unterhalten, war die Darbietung „unter jeder Sau“, wie ein treuer Boncourt-Fan beim abschliessenden Abendessen meinte.

Jéremy Landenbergue, Alexis Herrmann (ein Eigengewächs mit Basler Wurzeln) und vor allem Evrard Atcho (seine Schwester gehört der Schweizer Frauen-Sprintstaffel an) schafften zusammen vier Pünktlein – und kosten dem Klub monatlich einen fünfstelligen Betrag. Ein Atcho, dem man mehr Talent als einem gewissen Clint Capela (der hat in der NBA einen Vierjahres-Vertrag über eine Million Dollar unterschrieben) zuschreibt, kam als 9. Mann aufs Feld. Beging innert 38 Sekunden drei Foulspiele und produzierte zwei Fehlpässe. Und war dafür verantwortlich, dass aus dem 10-Punkte-Vorsprung der Gäste innert zwei Minuten wieder Gleichstand herrschte. Er widerspiegelt treffend den armseligen Zustand des Schweizer Basketballes bezüglich Nachwuchsspieler.

Und die Starwings kamen einem wie Nichtschwimmer vor, die Wasserball spielen wollen. Dass man dabei untergeht respektive ertrinkt, ist die Folge, wenn man etwas ausübt, das man schlicht nicht beherrscht. Ah, einen Lichtblick hatte diese zerfahre-ne, wirre, konfuse Partie dennoch: Das Ref-Trio arbitrierte überragend und hätte es verdient gehabt, sämtliche Gehälter aller eingesetzter Spieler zu erhalten!

Starwings – BC Boncourt 61:65 (28:36)

Sporthalle Birsfelden. – 452 Zuschauer. – SR: Hjartarson/Wirz/Mazzoni.

Starwings: Ross (16), Verga (4), Fuchs, Burnatowsky (23), Upson (12); Sager (6), Matter, Verga; Lutz, Malisanovic, Wachsmuth.

Boncourt: Norfleet (19), Landenbergue, Louissaint (7), Brown (5), Dos Santos (11); Arledge (19), Herr-mann (2), Engondo, Atcho (2); Petignat.

Bemerkungen: Starwings ohne Duspara (verletzt). – Boncourt komplett. – 15. Matter scheidet mit Knie-verletzung (Kreuzbandriss) aus. 25. Upson fällt während zehn Minuten mit Fussverletzung aus. – Mit fünf Fouls ausgeschieden: 40. Burnatowsky. – Fouls: Starwings 18, Boncourt 19. – Viertelsresultate: 16:19, 12:17 (28:36); 19:15 (47:51) und 14:14 (61:65). – Zu den besten Spielern wurden Burnatowski (Kanada) und Arlesdge (USA) gewählt.