Bogenschiessen
Dank 1000 Pfeilen pro Woche nach China an die Jugendolympiade

Der Riehener Florian Faber reist nach Nanjing an die Jugendolympiade. Begleitet und unterstützt wird er dabei von seinem Vater Dominik Faber, der einst selbst Mitglied des Nationalteams war.

Fabio Baranzini
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Florian Faber, der als grösstes Schweizer Talent im Bogenschiessen gilt, hat sich für die Jugendolympiade in Nanjing qualifiziert.

Florian Faber, der als grösstes Schweizer Talent im Bogenschiessen gilt, hat sich für die Jugendolympiade in Nanjing qualifiziert.

Fabio Baranzini

In Riehen, wenige hundert Meter vom Haus der Familie Faber entfernt, befindet sich der Trainingsplatz der Bogenschützen Juventas Basel: Ein gepflegtes, rechteckiges Stück Wiese, das am einen Ende durch das aus dunklem Holz gebaute Vereinshaus und am anderen Ende durch mehrere Zielscheiben begrenzt wird. Links und rechts bilden die hochgewachsenen Pflanzen zweier Maisfelder einen natürlichen Sichtschutz und sorgen dafür, dass das Trainingsgelände der Basler Bogenschützen zu einer eigenen kleinen Welt wird.

Verständigung ohne Worte

Beim Betreten dieser Welt fällt eines sofort auf: die Stille. Die vier Schützen, die an jenem Mittwochabend trainieren, sind hochkonzentriert. Gesprochen wird kaum. Auch Florian Faber und sein Vater Dominik, die miteinander trainieren, verstehen sich ohne Worte. Die beiden schiessen abwechselnd. Jeweils zehn Sekunden haben sie Zeit, um einen Pfeil auf die Reise zu schicken. Die Bewegungen sind aus einem Guss: Pfeil aus der Halterung nehmen, korrekt platzieren, den Bogen spannen, zielen, schiessen. Beobachtet man Vater und Sohn, sieht Bogenschiessen kinderleicht aus.

Jugendolympiade als Ziel

Leicht ist diese Sportart, die vor allem in Asien äusserst populär ist, aber mit Nichten. Es braucht eine Menge Kraft und Körperbeherrschung, um den rund vier Kilogramm schweren Bogen zu halten und zu spannen. 20 Kilogramm müssen dabei jedes Mal nach hinten gezogen werden. Weder der Körper des Schützen, noch der Bogen dürfen sich dabei bewegen, ansonsten ist es unmöglich, das 60 oder 70 Meter entfernte Ziel zu treffen.

Rund 1000 Pfeile schiesst Florian Faber pro Woche. Dafür benötigt er 15 Stunden Schiesstraining. Hinzu kommen Kraft- und Ausdauereinheiten. Doch der grosse Aufwand des 16-Jährigen, der von seinem Vater trainiert wird, zahlt sich aus. Der Sportgymnasiast hat dank einem dritten Platz im entscheidenden Wettkampf das Ticket für die Jugendolympiade in Nanjing gelöst – als einer von weltweit nur 32 Bogenschützen. «Es war mein Ziel, teilnehmen zu können, aber das K.O.-System verzeiht keine Fehler. Entsprechend war es nicht selbstverständlich, dass ich mich qualifizieren konnte», sagt Florian Faber, der im Viertelfinal jenes Wettkampfes einen 1:5-Rückstand wettmachen musste.

Neuer Landesrekord

Das Bogenschiessen liegt der Familie Faber im Blut. Vater Dominik Faber, Vereinspräsident von Juventas Basel, gehörte einst dem Nationalteam an und hat dort seine Frau Rita kennengelernt, die ebenfalls für die Landesauswahl schoss. Die gemeinsamen Söhne Adrian (20) und Florian fanden auch zum Bogenschiessen – und sind äusserst erfolgreich. Beide haben in diesem Jahr den vormaligen Schweizer Rekord der Elite übertroffen. Mit 660 Punkten ist Florian Faber der neue Rekordhalter über die olympische Distanz (70 Meter).

Hierzulande fehlt der Familie Faber die Konkurrenz. Daher will Florian Faber an der Jugendolympiade beweisen, dass er auch international vorne mithalten kann. In Nanjing hat der Youngster, der von seinem Vater begleitet wird, Grosses vor: «Ich möchte in der Qualifikation einen der vorderen Ränge belegen, damit ich für die K.O.-Runde eine gute Ausgangslage habe. Die Viertelfinals will ich mindestens erreichen», sagt er.