FCB-Trainer Urs Fischer schlägt sich die Hände vors Gesicht. Zeitgleich stürmen Spieler, Trainer und Assistenten von der Sion-Bank. Kevin Constant hat soeben das 2:2 für die Walliser erzielt. In letzter Sekunde. Das dritte Mal in Serie spielen die Basler Unentschieden. Wie schon gegen Thun kassiert der Meister ganz kurz vor Schluss den Ausgleich. Und erneut weiss er defensiv nicht zu überzeugen. Das «Prunkstück», wie Fischer die Abwehr unlängst nannte, ist zum Sorgenkind verkommen.

Hängenden Kopfes trotten die FCB-Spieler über den Platz, während die Sion-Stars euphorisiert vom späten Ausgleich mit den knapp über 100 mitgereisten Fans feiern. Später stehen Goalie Anton Mitryuschkin, Torschütze Constant und fünf weitere Walliser provokativ vor die Muttenzer Kurve. Pfiffe und Flüche prasseln auf sie ein. Mit einem Lächeln auf den Gesichtern stehen sie da. Der Hass der Basler Anhänger ist das grösste Lob für die Gäste.

Ein Unentschieden gegen den FCB eine Woche vor dem Cupfinal in Genf, das sich für die Walliser wie ein Sieg anfühlt. Denn Basel kontrolliert die Partie über weite Strecken. Mit einem Traumpass lanciert Steffen in der 33. Minute Callà. Pass zur Mitte. Fransson lässt durch, Janko schiebt zum 1:0 für die Gastgeber ein.

«Gut für die Moral»

Doch dann lässt Basel rapid nach, der Ausgleich durch Akolo kurz vor der Pause ist die logische Folge. Auch in der zweiten Halbzeit ist der Meister spielbestimmend – und kurz vor Schluss schickt Xhaka Doumbia mit einem Heber in die Tiefe. Der Ivorer fackelt nicht lang, donnert den Ball mit Links in die Maschen. 2:1 für den FCB und die Fans rufen «Cupfinal, Cupfinal».
Sion-Trainer Sébastien Fournier hat sogar noch die Muse, in der Nachspielzeit zu wechseln.

Und dann kommt die 95. Minute. Flanke von Rechts, Chaos im Zentrum der Basler und plötzlich landet der Ball bei Kevin Constant. Schuss, Tor, 2:2 – und lachende Walliser zum Schluss. «Das war ein sehr glücklicher Punkt. Aber der Ausgleich ist gut für die Moral», sagte Sion-Trainer Sébastien Fournier wenig später mit einem verschmitzten Lächeln.

Ganz anders die Gemütslage bei seinem Gegenüber, Urs Fischer: «Wir waren vor allem in der ersten Halbzeit klar bestimmend. Aber am Schluss fehlt uns einmal mehr die Konsequenz.» Auch er weiss, dass der Cupfinal in Genf ein ganz anderes Spiel wird. Obschon vor dem gestrigen Spiel alle von einer Hauptprobe sprachen, kann davon nicht wirklich die Rede sein.

Schonen für den Cupfinal

Beide Trainer lassen nicht mit ihren besten Formationen spielen. Fischer wechselt im Vergleich zum 3:3 gegen den FC Thun gleich auf vier Positionen und auch der FC Sion nimmt nach dem 2:0-Sieg gegen den FC Lugano vom Wochenende drei Wechsel vor. Zwei davon allerdings aufgrund von Sperren gegen Lüchinger und Taravel.

Auch die Kulisse wird eine ganz andere sein. Gestern reisten knapp über 100 Fans aus dem Wallis nach Basel. In Genf werden sie das Stadion dominieren. Zudem dürften bis dahin auch die beiden Sion-Leitwölfe, Reto Ziegler und Veroljub Salatic wieder mittun. Und dann ist da ja noch der Mythos, die 13 Siege aus 13 Cupfinals der Walliser.

Die einen behaupten das erzeuge Druck, die anderen nennen es beflügelnd. Urs Fischer meint: «Es wird entscheidend sein, mit wie viel Selbstvertrauen wir nach Genf reisen. Umso mehr nervt der Ausgleich so kurz vor Schluss.» Das Spiel endet zwar 2:2-Unentschieden, doch Sion geht als moralischer Sieger. Keine Diskussion.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Jakob Weber:


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