Eine unbekannte Nummer erscheint im Frühling 2018 auf dem Handydisplay von Samuel Ehrat. Der Captain der Schweizer Volleyball-Nationalmannschaft geht trotzdem ran. Am anderen Ende meldet sich ein gewisser Heiko Breer aus Basel. Die beiden kennen sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht persönlich, doch Ehrat weiss sofort Bescheid.

Der Sportchef des damaligen NLB-Klubs Traktor Basel stösst mit seinem Vorschlag, den Bubendörfer Ehrat zurück in die Heimat zu holen, auf offene Ohren. «Schon nach dem ersten Telefonat hatte ich Lust auf das Projekt», sagt Ehrat heute, ein Jahr später. Trotzdem wechselt er im Sommer 2018 erst zu Schönenwerd und nicht nach Basel, da Traktor noch nicht aufsteigen wollte und Schönenwerd eine «Topadresse» war. Um professionell trainieren zu können und seinen Platz in der Nati nicht zu gefährden, will er NLA spielen.

Nachdem Traktor den Aufstieg in diesem Jahr realisiert hat, meldet sich Breer erneut beim 2,00 Meter grossen Mittelblocker und diesmal sagt Ehrat zu. Auf den ersten Blick mag es erstaunen, dass einer der besten Schweizer Volleyballer und zweifacher Cupsieger zum Aufsteiger wechselt. Doch Traktor Basel hat gute Argumente. Trotzdem freuen sich die Verantwortlichen zurecht riesig über den gelungenen Transfercoup.

Samuel Ehrat spielte als Junior für Bubendorf und Gelterkinden. «Schon damals fand ich es schade, dass es in Basel keinen professionellen Verein gab, wo die Jungen später unterkommen können», erzählt er. Jetzt existiert mit Traktor Basel so ein Dachverein, der sich um die aufstrebenden Junioren kümmert und ihnen ab der kommenden Saison auch die Möglichkeit gibt, in der höchsten Schweizer Spielklasse zu spielen. «Basel hat gute Strukturen. Eine tolle Halle, starke Junioren – wenn nicht sogar die besten Junioren der Schweiz – und einen innovativen Vorstand, der den Volleyball weiterbringen will», sagt der Neuzugang.

Samuel Ehrat:  «Was Traktor vorhat, ist ein vielversprechendes Projekt. Das will ich unterstützen.»

Samuel Ehrat: «Was Traktor vorhat, ist ein vielversprechendes Projekt. Das will ich unterstützen.»

Samuel Ehrat freut sich, Teil dieser Truppe zu werden: «Was Traktor vorhat, ist ein vielversprechendes Projekt. Das will ich unterstützen.» Mit 27 Jahren gehört Ehrat schon zu den erfahrensten Schweizer Volleyballern: «Es ist traurig. Aber es ist so», sagt er. Diese Erfahrung will er nun an die vielen jungen Traktor-Talente weitergeben und damit auch den Trainingsbetrieb professionalisieren. «Die erste Saison in der NLA wird sicher schwierig. Aber es gibt durchaus Teams auf Augenhöhe, mit denen wir um die Playoffs konkurrenzieren können», sagt Ehrat. In der kommenden Saison spielen wieder zehn Teams in der NLA, nur acht kommen am Ende in die Playoffs.

Auch finanziell kein Rückschritt

Nach dem Aufstieg laufen die Vorbereitungen auf die erste NLA-Saison der Vereinsgeschichte auf Hochtouren. Mit der Verpflichtung von Ehrat stehen im Kader von Trainer Marc Fischer aktuell neun Spieler. Drei weitere sollen noch hinzukommen. Der gut vernetzte Ehrat ist auch als Mittelsmann wertvoll. «Ich habe den Verantwortlichen schon ein paar Tipps gegeben», sagt er und lacht.

Sowieso lacht Ehrat ziemlich oft. Zum Beispiel wenn er nach seinem Gehalt bei Traktor gefragt wird. Nachdem sich sein Grinsen verzogen hat, sagt er diplomatisch: «›Es ist kein Rückschritt für mich. Der Lohn liegt in einem ähnlichen Bereich wie in den vergangenen zwei Jahren in Näfels und Schönenwerd.» Auch wenn er vom anstehenden Athletiktraining in der Sommerpause spricht, strahlt Ehrat: «Das gibt es nicht oft. Viele Vereine steigen erst zwei Monate vor Saisonstart wieder ins Training ein». Die allgemeine «Trägheit der Vereine bezüglich Vermarktung, Event und Sponsoring» bemängelt der Nati-Captain: «Das soll kein Vorwurf sein. Oft fehlt einfach die Manpower. Doch, um etwas zu bewegen, braucht es ein Riesenengagement und Engagement hat es bei Traktor Basel etwas mehr als anderswo.»