FC Basel
Das Aha-Erlebnis während und die Ernüchterung nach dem Spiel

Fussball Viel zugetraut, noch mehr erhofft – doch nach dem 1:1 gegen Porto überwiegt bei den Baslern die Ernüchterung.

Sebastian Wendel
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Das grosse Staunen über die Qualität des FC Porto: Die Basler Mohamed Elneny, Breel Embolo, Luca Zuffi und Behrang Safari (v.l.).

Das grosse Staunen über die Qualität des FC Porto: Die Basler Mohamed Elneny, Breel Embolo, Luca Zuffi und Behrang Safari (v.l.).

Keystone

Als hätten sie in den 90 Minuten, die hinter ihnen liegen, nicht schon genug gelitten. Schlotternd, nur mit einem dünnen Pullover gegen die bissige Kälte geschützt, tauchen die Spieler des FC Basel nach dem 1:1 gegen Porto in der Interview-Zone auf, um das zu erklären, was ihnen widerfahren ist.

Was schnell auffällt: Die Basler sparen nicht mit Selbstkritik. Manchmal gehen sie sogar etwas gar hart mit sich selber ins Gericht. Etwa Marco Streller: «Das war unsere schlechteste Leistung in dieser internationalen Kampagne. Wir konnten nichts von dem umsetzen, was wir uns vorgenommen haben.» Das kann man so sehen. Oder wie Fabian Frei: «Real Madrid mal ausgenommen, war Porto von den Mannschaften, die in den letzten vier Jahren hier zu Gast waren, die beste.» Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen: da die Basler, die nicht auf Touren kamen. Dort der FC Porto, der es mit seinem aggressiven Pressing, seiner Physis, seiner Laufstärke und einer an Perfektion grenzenden Organisation dem Heimteam gar nicht erlaubte, besser zu spielen.

Klar ist: Der FCB hat sich im Vorfeld mehr erhofft und vor allem zugetraut gegen den 27-fachen portugiesischen Meister. Hätte das Achtelfinal-Los Chelsea, Bayern München oder Barcelona geheissen, hätte Marco Streller im Vorfeld nicht gesagt: «Wenn wir zwei sehr gute Tage erwischen, sind wir nicht darauf angewiesen, dass der Gegner zwei schwache erwischt.» Streller war mit dieser Meinung nicht allein. Teamkollegen, Experten, Journalisten, Fans – sie alle trauten dem FCB, wenn er so brillant auftritt wie im Dezember in Liverpool, ein Weiterkommen gegen den FC Porto zu. Aus dem trügerischen Grund, dass die Portugiesen nicht zu den absoluten Grössen des Weltfussballs zählen.

So wurde das Hinspiel ab der ersten Spielminute für alle zum grossen Aha-Erlebnis. Sie hätten schon gewusst, dass Porto eine gute Mannschaft sei, sagt Luca Zuffi. Aber so gut? «Nein, man realisiert erst auf dem Platz, wie stark der Gegner wirklich ist.»

War es auch die grosse Erwartungshaltung, die lähmte? Die aufschlussreiche Antwort von Fabian Frei: «Wir waren in der Vergangenheit immer dann am stärksten, wenn wir uns am wenigsten zugetraut haben.» Das war im November gegen Real Madrid so, als sich Rot-Blau gegen die Königlichen Bestnoten verdiente – trotz Niederlage. Das war vor allem bei den Siegen gegen Chelsea, Manchester United und Bayern München so, als im Nachgang stets der Begriff «Fussball-Wunder» fiel. Von einem Wunder hätte niemand gesprochen, hätte der FCB am Mittwoch gegen Porto gewonnen.

Warum nicht Philipp Degen?

Wie immer nach Spielen, die nicht wunschgemäss verlaufen, kommen Fragen auf. Was, wenn Derlis Gonzalez, der in der 11. Minute die einzige Basler Torchance verwertete, anschliessend nicht verletzt vom Platz gemusst hätte? War es der richtige Zug von Trainer Paulo Sousa, für den Paraguayer Davide Callà zu bringen? Callà machte ein solides Spiel, ihm wurden hinten und vorne aber klar die Grenzen aufgezeigt. Man ist versucht zu sagen, Philipp Degen wäre mit seinem Speed, seinem Offensivdrang und seiner internationalen Erfahrung die bessere Wahl gewesen.

Was dem FCB gegen Porto auch gutgetan hätte: ein Spieler, der dem Gegner wehtun kann. Einer wie Geoffroy Serey Die. Doch der Ivorer hat sich im Herbst mit Sousa zerstritten und musste gehen – am Mittwoch wurde er vermisst. Auch von Sousa?

Wer weiss. Der Portugiese jedenfalls äussert sich ungewohnt pointiert über die Leistung seiner Mannschaft. «Einige Spieler hatten Angst», sagt er und bestätigt die Worte seines Captains, dass dies in der diesjährigen Champions-League-Saison der schlechteste Auftritt gewesen sei.

Die Ernüchterung überwiegt in den Reihen der Basler. Was ihn denn optimistisch stimme für das Rückspiel am 10. März, wird Fabian Frei noch gefragt, bevor er unter die warme Dusche huscht. «Dass es zur Halbzeit noch 1:1 steht.»