Ein bisschen Angst müssen die Spieler des FC Basel schon gehabt haben, dass es zu einem unschönen Déjà-vu kommt. Am 30. September gastierte der FCB in Lugano, führte 2:0, hatte bis zur 51. Minute alles im Griff, nutzte die Verunsicherung des Gegners aus und liess diesem absolut keinen Raum zur Entfaltung.

Dann fiel aus dem Nichts der Anschluss und zehn Minuten vor Schluss der Ausgleich. Der FCB verlor zwei Punkte, obwohl er das Spiel dominiert hatte und es durchaus schon im ersten Durchgang hätte für sich entscheiden können. Stattdessen aber hat man dumme Fehler begangen und in der Defensive die letzte Konsequenz vermissen lassen.

Bua im Rausch

Rund einen Monat später steht das Rückspiel an. Am gestrigen Sonntag, 4. November, gastiert Lugano im Joggeli. Vor dem Spiel hatte FCB-Coach Marcel Koller erklärt, dass man aus dieser bitteren Erfahrung, die ihn damals veranlasst hatte, Fundamental-Kritik an seiner Mannschaft zu üben, gelernt habe und sein Team habe wachsen lassen.

Tatsächlich scheint es so, dass die Basler hoch gewillt in dieses Spiel gehen, um zu zeigen, dass mehr als ein 2:2 gegen Lugano in ihnen steckt. Taulant Xhaka sorgt mit einem kleinen Wackler in den Anfangsminuten zwar für die erste Chance des Gegners, danach aber übernimmt der FCB das Diktat.

Insbesondere Kevin Bua reisst das Spiel an sich, kombiniert sich durch die Abwehr, rennt, zaubert. In der 11. Minute wissen ihn die Luganesi nur mit einem Foul zu stoppen. Den fälligen Freistoss aus 17 Metern verwandelt Bua gleich selber. Mit einem Flachschuss in die nahe Ecke erwischt er die Lugano-Abwehr, die geschlossen hochspringt.

Chancen im Minutentakt

Danach zaubern die Basler ein Offensiv-Spektakel auf den Rasen. Sie schnüren Lugano in dessen Strafraum ein. Fabian Frei und Albian Ajeti fabrizieren in der 16. Minute nach einem wunderschönen Doppelpass eine Doppelchance, scheitern jedoch beide. Ajeti köpft Minuten später daneben, auch Ricky van Wolfswinkel ist nicht treffsicherer.

Die Basler spielen sich im Minutentakt Chancen heraus, nur nutzen sie sie nicht. Nicht, bis der überragende Bua in der 34. Minute erneut zuschlägt. Sein Distanzschuss führt zum 2:0. Zu kritisieren ist zu diesem Zeitpunkt nur, dass der FCB nicht schon 5:0 vorne liegt. «Wir waren zu wenig gierig und haben zu wenig bewusst den Abschluss gesucht», sagt Koller. «Wenn du die Tore aber nicht machst, bekommt der Gegner Auftrieb.»

Cömert im Pech

Tatsächlich kommt Lugano verwandelt aus der Halbzeit. Statt sich weiter zu verkriechen, trauen sie sich nach vorne – und erspielen sich in der 51. Minute einen Eckball. Einen folgenschweren. Der Ball landet via van Wolfswinkels Schulter im FCB-Tor. Zum 19. Mal in Serie muss der FCB in der Liga ein Tor hinnehmen. Und wie schon im Hinspiel beginnt ab der 52. Minute das Zittern bei den Baslern.

Es entwickelt sich ein intensives, munteres Auf und Ab mit Chancen auf beiden Seiten. Die grösste gehört Frei, der in der 65. nur den Pfosten trifft. So viel Pech, wie er im Abschluss hat, so viel Pech hat Eray Cömert im eigenen Sechzehner in der 78. Minute. Er grätscht gegen Alexander Gerndt, trifft diesen zwar nicht, verschuldet aber dennoch einen Penalty. Jonathan Sabbatini verwandelt. Erneut verschenkt der FCB gegen Lugano eine 2:0-Führung. Das Déjà-vu ist perfekt.

Ein hochverdienter Sieg

Was danach folgt, ist aber der pure Wille, zu verhindern, wiederholt zwei Punkte gegen Lugano auf unnötige Weise liegen zu lassen. Und das gelingt. In den zehn verbleibenden Minuten erkämpft sich der FCB die Führung zurück. Buas Eckball landet bei van Wolfswinkel, der dieses Mal ins richtige Tor trifft und für den 3:2-Endstand sorgt.

Ein hochverdienter Sieg, der schon viel früher hätte feststehen müssen. Nicht nur, weil man aus 25 Schüssen mehr als drei Tore erzielen muss. Sondern auch, weil man defensiv fast nichts zugelassen hat. «Es wäre definitiv nicht nötig gewesen, dass wir zittern. Aber 2:0 ist ein gefährliches Resultat», bilanzierte Valentin Stocker nach dem Spiel.

So gefährlich, dass es den FCB Ausgabe 2018/2019 durchaus aus der Bahn hätte werfen können. Aber nach zwei Siegen in Serie scheint die Mannschaft gefestigter als noch vor rund einem Monat. Die Ruhe wird bewahrt. Der Sieg doch noch geholt. Und das Déjà-vu gerade noch so verhindert.

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