Fussball
Das Ende einer Transferposse - Steffen wechselt zum FC Basel

Renato Steffen wechselt von den Berner Young Boys zum FC Basel – zum Ärger vieler Fans von Rot-Blau. Nach seiner Provokation gegen Taulant Xhaka ist er bei vielen FCB-Anhängern untendurch.

Sebastian Wendel
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Oben angekommen: Nach zweieinhalb Jahren bei YB wechselt Renato Steffen zum Schweizer Ligakrösus FC Basel.

Oben angekommen: Nach zweieinhalb Jahren bei YB wechselt Renato Steffen zum Schweizer Ligakrösus FC Basel.

Keystone

Aefligen, gut 1000 Einwohner, tiefstes Emmental. In einem engen Schulzimmer reihen sich die Sechstklässler um YB-Profi Renato Steffen und stellen Fragen. Eine lautet: «Wo spielst du in Zukunft?» Steffen antwortet frisch von der Leber: «Ich werde in den kommenden Wochen entscheiden, wie es weitergeht. Angebote sind sicher vorhanden – nicht nur von Basel.»

Die kleine Episode vom vergangenen November sagt viel aus über Steffen: Der 24-Jährige hat sich noch nie geziert, zu sagen, was er denkt, neben und auf dem Platz. Und dass er an diesem unprätentiösen Ort erstmals vom Interesse der Schweizer Fussball-Nobelmarke berichtet, dass die Sechstklässler von Aefligen als Erste davon erfahren, passt auch irgendwie: Denn hinter Steffen liegt, was gemeinhin als Tellerwäscher-Karriere bezeichnet wird. In kurzer Zeit aus dem Nichts ins Scheinwerferlicht.

Ein ungewöhnlicher Weg an die Spitze

Vor vier Jahren arbeitete Steffen noch als Maler und kickte hobbymässig beim Erstligisten FC Solothurn. Bis er in einem Spiel gegen die U21 des FC Thun eine ausserordentlich gute Leistung abgeliefert haben muss. Denn einige Probetrainings später boten die Berner Oberländer Steffen einen Vertrag an: nicht etwa für die Junioren, für die Profis. Als er damals im Elternhaus im aargauischen Erlinsbach den Vertrag auf den Küchentisch legte, machte das Mutter und Vater stolz. Und Steffen fühlte Genugtuung, denn vor allem Vater Rolf war stets skeptisch, dass es mit Profikarriere klappen würde. Umso mehr, als Renato nach der U16 die Juniorenabteilung des FC Aarau wegen seiner geringen Körpergrösse (sic!) verlassen musste, zum Dorfklub SC Schöftland ging und sich resigniert der Malerlehre widmete.

Tempi passati. Seit gestern ist Renato Steffen sogar Spieler beim FC Basel, ausgestattet mit einem Vertrag bis 2020. Es ist dies das erwartete Ergebnis einer Transferposse: Im Frühling 2015 wollten die Berner Young Boys den bis 2016 Vertrag laufenden mit Steffen erstmals verlängern – und wurden gemäss Sportchef Bickel von Steffen und dessen Umfeld über ein halbes Jahr hingehalten. Bis Bickel im Dezember einen Schlussstrich zog und befahl: Entweder Steffen wechselt im Winter und bringt YB noch ein paar Hunderttausend Franken ein. Oder er sitzt während der Rückrunde auf der Tribüne.

Schon da war klar, dass Steffens nächster Klub der FC Basel sein wird. Geplant war der Wechsel aber erst auf die kommende Saison hin. Wegen der neuen Umstände rang sich der FCB dazu durch, Steffen bereits jetzt zu holen. Sportdirektor Georg Heitz: «Die aktuelle Situation hat für keine der drei Parteien Sinn gemacht.» Am allerwenigsten für Steffen: Eine Rückrunde auf der Zuschauertribüne hätte ihm sämtliche Chancen auf die EM-Teilnahme geraubt – nun aber darf er hoffen, von Nationaltrainer Vladimir Petkovic als «Mann für alle Fälle» aufgeboten zu werden.

Köchelnde Fanseele

Ein zweites Problem begleitete den Transfer: die ablehnende Haltung vieler FCB-Fans gegenüber Steffen. Der Linksfuss geniesst hierzulande wegen seiner mitunter dreckigen Spielweise per se einen schlechten Ruf. Endgültig zum Feindbild des FCB-Publikums wurde er in der Vorrunde, als er verbal und mit viel Theatralik eine rote Karte für Taulant Xhaka provozierte. Natürlich war auch das Diskussionsthema bei den Verantwortlichen, letztlich überwogen die sportlichen Gründe: «Auch wir wollen mit unseren Entscheiden möglichst viele Menschen zufriedenstellen. Aber unsere primäre Aufgabe ist es, eine gute Mannschaft zusammenzustellen, die auch finanzierbar ist. Steffen bringt frische Elemente in unser Spiel, die uns guttun werden», sagt Heitz.

Knüpft Steffen beim FC Basel an seine besten Tage im YB-Dress an, wird Heitz recht bekommen. Trotzdem dürfte Steffen froh sein, die ersten Tage bei seinem Arbeitgeber nicht in Basel, sondern im Trainingslager in Spanien zu verbringen. Abseits der köchelnden rot-blauen Fanseele, in einem Klima so friedlich wie beim Schulbesuch in Aefligen.

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