Super League

Das erlösende Ende – der FCB dreht das Spiel gegen Sion, gewinnt 2:1 und beendet damit die Hinrunde

Die Serie, sie lebt weiter: Der FC Basel bleibt gegen den FC Sion in der Meisterschaft wiederum ungeschlagen und entgeht der ersten Meisterschafts-Niederlage gegen die Walliser seit Mai 2011. Zu verdanken hat dies das Team von Marcel Koller einem Steigerungslauf im zweiten Durchgang und einer Last-Minute-Rettungsaktion von Dimitri Oberlin auf der Linie.

Aldo Kalulu rennt zu Dimitri Oberlin und springt ihn an. Ihm folgen Yves Kaiser und Raoul Petretta. Auch die Spieler von der Ersatzbank strömen in Richtung Oberlins. Der 21-Jährige hat nicht etwa das Siegtor geschossen. Es war auch sonst kein überragendes Spiel von ihm. Grosse Akzente hat er nach seiner Einwechslung in der 80. Minute kaum setzen können. Aber das war allen egal. Denn in der 95. Minute steht Oberlin am perfekten Ort: Auf der Linie des Basler Tors. Jonas Omlin ist bei einer Eckball-Flanke geschlagen, segelt unter dem Ball durch. Sion könnte den Ausgleich zum 2:2 in letzter Sekunde erzielen.

Aber Oberlin rettet auf der Linie. Er rettet den Sieg. In letzter Sekunde. Im letzten Spiel des Jahres. Die Reaktionen seiner Mitspieler zeigen, was seine Tat bedeutet: Es ist eine Erlösung. Weil das schwierige Jahr 2018 mit einem erlösenden Sieg abgeschlossen werden kann. Weil ein schwieriges Spiel einen erlösendenden Schlusspunkt findet. Und weil in diesem Spiel etwas geschafft wird – endlich geschafft wird – was dem FCB in dieser halben Saison nur einmal geglückt ist: Er hat ein Spiel drehen könne. Aus einem 0:1-Rückstand wird ein 2:1-Sieg. Und erspielt wird dieser Sieg, diese Wende, erst noch in der zweiten Halbzeit. Dann also, wenn der FCB für gewöhnlich seine Vorsprünge und Punkte verspielt und die Spiele gedreht gekriegt hat.

Entgegen der Statistik

Aber von Anfang an. Im letzten Spiel vor der Winterpause muss der FCB in Sion antreten. Nach dem guten Auftritt gegen Zürich will der FCB auch die letzten drei Punkte des Jahres holen. Damit könnte er auf dem zweiten Platz überwintern sowie einigermassen beruhigt in die Winterpause gehen. So gut die Leistung gegen den FCZ war, so unsicher ist, ob der FCB an eine solche Leistung anknüpfen kann. Zu sehr war diese Hinrunde von Aufs und Abs geprägt, als dass man sich in irgend einer Weise sicher sein könnte. Um diese These zu belegen dient der Start in die Partie. Statt an die gute Spielweise gegen den FCZ anzuknüpfen, bekundet der FCB viel Mühe. Sion hat schneller Zugriff auf das Spiel, ist besser. Zu einfach wird die FCB-Defensive immer wieder ausgehebelt. Genau so entsteht auch die 1:0-Führung der Sittener.

Nach einem katastrophalen Fehlpass von Yves Kaiser startet Sion einen schnellen Konter. Pajtim Kasami schickt Adryan in die Tiefe, die FCB-Abwehr ist überrumpelt, Eray Cömert hat gegen Adryan keine Chance im Laufduell. 1:0. So lautet auch das Resultat nach 45 Minuten. Wer die FCB-Statistiken kennt, kann vermuten, wie dieses Spiel ausgehen müsste: Nicht mit einem Basler Sieg. Zu schwach zeigten sie sich über die ganze Hinrunde jeweils im zweiten Durchgang. Doch in diesem letzten Spiel tut der FCB, was ihm in dieser Saison erst einmal gelungen ist: Er kommt gut aus der Pause - und dreht die Partie. Erst erzielt Ricky van Wolfswinkel Sekunden nach Wiederanpfiff nach einem Lattenabpraller das 1:1 durch die Beine von Sion-Keeper Kevin Fickentscher hindurch.

Widmer mit Premierentor

Danach wird die bis zu diesem Zeitpunkt lahme Partie hitzig. Es entwickelt sich eine Dynamik. Sion reklamiert zwei Penaltys - zwei Mal muss der Schiedsrichter nicht pfeifen und tut dies auch nicht. Das Glück, das Sion verwehrt bleibt, fliegt dafür dem FCB zu: In der 82. Minute erzielt Silvan Widmer das Siegtor zum 2:1. Er startet hauchdünn nicht aus dem Offside, steht alleine vor Fickentscher, bewahrt die Ruhe und erzielt sein erstes Super-League-Tor. «Ich habe ihn gut angenommen und dann einfach reingehauen», sagt er zu seinem Premieren-Tor.
Es ist kein gutes, geschweige denn ein schönes Spiel, das der FCB im Wallis abliefert. Aber das ist egal. Weil der FCB etwas beweist, was er über weite Strecken der Hinrunde nicht auf den Platz brachte: Moral und Wille. Für ebendiese Moral und den Kopf sei dieses Spiel auch wichtig gewesen, sagt Fabian Frei. «Es war in dieser Hinrunde vielfach anders rum. Die Spiele wurden uns gedreht. Jetzt konnten wir ein Spiel drehen. Die Art und Weise, wie der Sieg zustande gekommen ist, macht daher zusätzlich Freude.»

Das 2:1 gegen Sion, Oberlin Tat, es ist genau jenes erlösende Ende eines Spieles und einer Hinrunde, das der FCB dringend gebraucht hat. Und auch Dimitri Oberlin wird es nach seinem ebenfalls harten Jahr gut tun.

Tabelle


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