Cupfinal
Das ewige Hickhack um den Cupfinal: Wo findet er 2018 statt?

Wo wird eigentlich der Cupfinal 2018 stattfinden? Diese Frage treibt derzeit den Schweizerischen Fussballverband (SFV) um. Mehrere Sitzungen sind im Januar anberaumt, um sie zu klären. Anfang Februar will der SFV endlich eine Antwort geben. Denn die Problematik beschäftigt ihn schon länger.

Sébastian Lavoyer
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Der FC Basel feierte seinen Cupsieg im Mai 2017 in Genf. In welchem Stadion darf der nächste Titelgewinner seinen Triumph begiessen?

Der FC Basel feierte seinen Cupsieg im Mai 2017 in Genf. In welchem Stadion darf der nächste Titelgewinner seinen Triumph begiessen?

Keystone

Stadion-Kandidaten für einen Cupfinal

Basel: St. Jakob Park

Kapazität: 38 512 Zuschauer.

Letzter Cupfinal: 2015 (FC Sion - FC Basel 3:0)

Basel hat das grösste Stadion, Naturrasen, Fussballkultur und Behörden, die sich nie quergestellt haben. Zudem kamen zuletzt andere Standorte zum Zug. Und Basel ist einigermassen zentral gelegen. Eigentlich spricht nur die Tradition gegen das Joggeli. .

Cupfinal-Wahrscheinlichkeit: 42 %

Bern: Stade de Suisse

Kapazität: 31 120 Zuschauer.
Letzter Cupfinal: 2014 (FC Zürich - FC Basel 2:0)

Ginge es nach den Fans, die Wahl fiele auf die Bundesstadt. Doch die Berner wollten den Cupfinal nicht mehr. Unterdessen ist die Stimmung gekippt: Zahlreiche Berner Politiker wollen den Final zurückholen. Der Kunstrasen ist zwar kein Vorteil, aber auch kein Hindernis.

Cupfinal-Wahrscheinlichkeit: 38 %

Genf: Stade de Genève

Kapazität: 30 084 Zuschauer.
Letzter Cupfinal: 2017 (FC Basel - FC Sion 3:0)

Genf wäre neutraler Boden und damit die problemloseste Lösung. Denn eine Zürcher Mannschaft steht im Final, dazu YB oder der FCB. Zudem lief letztes Jahr eigentlich alles rund, die Stimmung war gut und irgendwann muss man das Stadion ja auch füllen.

Cupfinal-Wahrscheinlichkeit: 15 %

Zürich: Letzigrund

Kapazität: 30 930 Zuschauer.
Letzter Cupfinal: 2016 (FC Zürich - FC Lugano 1:0)

Fussball in einem Leichtathletik-Stadion? Nicht wirklich ein Leckerbissen. Zudem wird mit Sicherheit eine Zürcher Mannschaft im Final stehen. Warum also einem Finalteilnehmer schon von Beginn weg einen Vorteil verschaffen?

Cupfinal-Wahrscheinlichkeit: 4,9 %

St. Gallen: Kybunpark

Kapazität: 19 568 Zuschauer.
Letzter Cupfinal: –

Der SFV sagt, dass auch St. Gallen infrage käme. Genauso wie Neuenburg oder jedes andere Stadion. Es wäre eine riesen Überraschung, wenn es tatsächlich so kommen würde. Verstehen würde es niemand und der Verband käme in Erklärungsnot.

Cupfinal-Wahrscheinlichkeit: 0,1 %

Als SRF-Moderator Rainer Maria Salzgeber sie Ende November bei der Auslosung der Halbfinals Robert Breiter, Leiter Rechtsdienste beim SFV, stellt, meint dieser: «Leider wissen wir noch nicht, wo der Cupfinal stattfinden wird, aber wir diskutieren die verschiedenen möglichen Austragungsorte. Das alles ist aber nicht ganz einfach.» Warum eigentlich ist das so schwierig?

Es gebe keinen speziellen Grund dafür, sagt Yannick Rappan, SFV-Mediensprecher, auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende». Zudem sei es in der Vergangenheit auch schon vorgekommen, dass der Verband erst Anfang Jahr kommuniziert habe, wo der Final stattfinden werde. Welche Kriterien muss denn der Finalort eigentlich erfüllen? «Das Gesamtpaket muss stimmen», so Rappan.

Sonderfall Schweiz

Dass es in der Schweiz überhaupt zu solchen Diskussionen kommt, ist ein Sonderfall. Gemeinhin werden die Cupfinals fast überall in der Hauptstadt ausgetragen. Das war auch in der Schweiz über viele Jahre so. Zwischen 1937 und 2000 wurden alle Cupfinals in der Bundesstadt ausgetragen. Doch dann wurde 2001 das Wankdorf gesprengt, während wenige Monate zuvor das neue Joggeli eröffnet worden war. Bis zur Eröffnung des Stade de Suisse, wie das Wankdorf nach dem Neuaufbau genannt wurde, fanden alle Cupfinals in Basel statt. Ab 2006 wechselten sich Basel und Bern als Finalstätten ab.

Bis es in der Hauptstadt am Ostermontag 2014 zum Final zwischen FCZ und FCB kam. Bei den Fanmärschen der gegnerischen Lager kam es zu Ausschreitungen und massiven Sachbeschädigungen. Der ehemalige Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät meinte damals: «Sollen andere Städte versuchen, dieses Problems Herr zu werden.» SFV-Mitglieder liessen danach mehrfach verlauten, dass man sich in Bern «nicht mehr willkommen» fühle.
Und so ging der Final des zweitwichtigsten Klubwettbewerbs des Schweizer Fussballs auf Wanderschaft.

Erst Basel, dann Zürich und zuletzt Genf kamen zum Handkuss. Frei nach dem vom SFV angekündigten Rotationsprinzip zwischen den Städten mit grossen Stadien. Auf neuerliche Anfrage der «Schweiz am Wochenende» werden gar Exoten-Destinationen wie St. Gallen, Neuenburg oder Luzern erwähnt. Ernst zu nehmen ist diese Aussage kaum. Schliesslich hat auch der Verband ein Interesse daran, möglichst viele Fans bei diesem Fussballfest dabeizuhaben.

Unterdessen ist die Stimmung in Bern gekippt. Wie der «Sonntagsblick» Mitte Dezember publik machte, wollen fast 30 Berner National- und Ständeräte den Final zurück in die Hauptstadt holen. Das hat man auch beim SFV zur Kenntnis genommen. YB-Pressechef Albert Staudenmann sagt: «Wir sind in ständigem Austausch mit Stadt und Verband und freuen uns über die konstruktiven Gespräche.» Auch in Basel zeigt man sich an der Durchführung interessiert. Auch in Bezug auf den Cupfinal zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden grossen Kontrahenten Basel und YB ab. Mit offenem Ausgang.