Es ist nun nicht so, dass der eine dem anderen Rizinus-Öl in den Salat mixen würde, um die gegnerische Abwehr durchlässiger zu machen. Obwohl – möglich wäre das im Fall von Basel-Sharks-Verteidiger Marvin Frunz und SC Langenthal-Verteidiger Olivier Schäublin theoretisch schon…

Langzeit-WG

Der 36-jährige Schäublin und der 25-jährige Frunz leben seit zweieinhalb Jahren – seit sie auf die Saison 2011/12 von Lausanne an den Rhein wechselten – in einer Wohngemeinschaft im Basler Gellert-Quartier. Ergo auch jetzt – da sich der SCL und die Sharks im Playoff-Viertelfinal begegnen.

Die Umstände wollten es, dass Schäublin Mitte Januar von Basel nach Langenthal transferierte und die Kumpels also nun gegen- anstatt miteinander Playoff spielen. «Zweifellos eine sehr spezielle Situation für uns», bestätigen Frunz und Schäublin. Bis vor einem Monat gehörte auch der inzwischen umgezogene Sharks-Stürmer Michel Riesen der WG an.

Bier ja – Internas nein

Klar – Eishockeyspieler kennen sich und treffen praktisch in jedem Spiel auf Kollegen im gegnerischen Dress. Solche, mit denen man auch Mal privat verkehrt. Aber: «Während den Playoffs», bestätigt Olivier Schäublin, «werden solche Kontakte in der Regel auf null runtergefahren.»

Nicht dass da nebst einem kühlen Bier plötzlich «per excusé» noch Internas fliessen. Wen etwa im eigenen Team welche Bobos plagen oder welche Taktik fürs nächste Spiel geplant ist. Vis-à-vis seinem Wohn-Genossen freilich kann man ja nicht ein Playoff lang auf Stummfilm schalten – oder doch? «Wir können Privates und Job sehr gut auseinanderhalten», sagt Frunz.

Und: «Wir reden zurzeit einfach etwas weniger übers Eishockey als sonst», so Schäublin. Natürlich falle immer noch der eine oder andere Spruch zu Hause, aber schliesslich gebe es ja auch noch andere Themen. Allein, was Team-Internas angeht, bestätigt das Back-Duo, herrscht im Gellert-Quartier derzeit das «Schweigen der Männer.» «Schliesslich sind wir Profis genug und wollen Erfolg haben», sagen die beiden.

Keine Straf-Putz-Aktion

Dass die Sharks am Dienstag Spiel 3 auswärts gewannen und in der Serie, die heute fortgesetzt wird, auf 1:2 verkürzen konnten lag also nicht daran, dass Frunz seinen Mitspielern via Wohngenosse Schäublin entscheidende Tipps vermittelt hat. «Nein», lacht Frunz. «Schliesslich haben wir schon während der Qualifikation drei Mal gegen Langenthal gewonnen. Wir waren einfach aggressiver und haben weniger Fehler gemacht.»

Er selbst steuerte beim zweiten Basler Tor einen Assist bei. Heisst das jetzt, dass er zur Strafe eine Woche lang den heimischen Staubsauger ausführen muss? «Das könnte man sich tatsächlich überlegen, aber bis jetzt ist das noch nicht so», schmunzelt Kollege Schäublin. Im defensiv orientierten Hockey-Haushalt herrscht also keine Rassendiskriminierung. «Wir ergänzen uns mit Kochen, Putzen, Aufräumen und so weiter fast blind», stellt Marvin Frunz fest.

Seit der Saison 2008/09 spielen Schäublin und Frunz mit einer Ausnahme – als Schäublin in der Saison 2009/10 in Sierre unter Vertrag stand –im gleichen Team. Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt. Eine, die garantiert auch die sehr spezielle Playoff-Serie, sprich das «Schweigen der Männer», überleben wird.