Bilanz

Das Halbjahr der Eingeständnisse – die Analyse zur Hinrunde der Saison 2018/2019 des FC Basel

Ein einsamer Marcel Koller. Der Trainerposten war und ist eine der vielen Baustellen rund um den FC Basel.

Als FCB-Fan musste man in dieser Hinrunde einiges verkraften. YB steht schon seit einiger Zeit mit höchster Wahrscheinlichkeit als Meister fest und der FCB schaffte es nicht mal mehr in der Europa League. Vieles war schlecht in dieser ersten Saisonhälfte, aber nicht ganz alles. Eine Analyse.

Ein 2:0-Sieg gegen den FC Zürich und das nach einer Spielerrevolte. Ein 2:1-Sieg in Sion und das nach einem 0:1-Rückstand. An den letzten beiden Spielen der Hinrunde 2018/2019 des FC Basel gibt es wenig zu beanstanden. Der FCB war spielerisch sehr gut (Zürich) und moralisch bärenstark (Sion). Dank dieser sechs Punkte überwintert der FCB auf Platz zwei. Es ist ein versöhnliches Ende.

Aber genau das ist der Punkt. Der FCB benötigte ein versöhnliches Ende wie dieses, damit seine Fans diese Hinrunde gemeinsam mit dem Weihnachts-Fondue irgendwie verdauen können und sie nicht allzu schwer aufliegt. Denn diese Hinrunde war hart. Als FCB-Fan zuweilen unerträglich, als Beobachter nicht nachvollziehbar und auch für Verein und Spieler alles andere als zufriedenstellend. Die nackte Bilanz liest sich so: Platz zwei mit 19 Punkten Rückstand auf YB. Das Scheitern in der Qualifikation zur Champions League in der ersten Runde. Das Out in der Europa-League-Quali und damit der erste Herbst ohne internationale Spiele seit 17 Jahren. Es ist eine Hinrunde zum Vergessen. Die Saison kann abgeschrieben werden, das Meisterrennen ist nicht erst seit dem 1:3 gegen YB gelaufen. Das war es schon nach wenigen Spielen. Weil dieser FCB zu inkonstant und dieses YB zu stabil ist. Die Folge ist die endgültige Machtverschiebung im Schweizer Fussball, wie sie in ihrer Deutlichkeit nur dem Berner Beobachter gefallen kann.

Die erste Hälfte des Fussballjahres 2018/2019 hatte aus Basler Sicht aber nicht nur sein Schlechtes. Sie brachte Millionen ein mit Verkäufen von Mohamed Elyounoussi oder Tomas Vaclik. Viel bedeutender aber: Sie brachte Einsichten ein, die nötig waren. Ziemlich bald sah die Führung um Marco Streller und Bernhard Burgener ein, dass ein weiterer Lehrling neben ihnen – namentlich Raphael Wicky – der eine Lehrling zu viel war. Es war ein Eingeständnis, das kommen musste. Aber es war auch ein Eingeständnis, das zu spät kam. Der Trainerwechsel hätte früher sein müssen. So hatte Marcel Koller weder Einfluss auf die Vorbereitung noch auf die Transfers.

In beiden Punkten muss die FCB-Führung ebenfalls Fehler eingestehen. Punkto Transfers konnte nicht adäquat ersetzt werden, wer verkauft wurde. Mit Ausnahme von Jonas Omlin, dem überragenden FCB-Spieler dieser Hinrunde. Punkto Fitness konnte der Abgang Werner Leuthards nie abgefedert werden. Aber es sind nicht nur diese Eingeständnisse, die sich der FCB machen musste. Es sind noch wichtigere, grössere. Jene, dass man die Situation vor eineinhalb Jahren falsch eingeschätzt hat. Basel sah sich zu stark und Bern zu schwach für einen solchen Rollenwechsel. Jene, dass dieses Konzept zu sehr forciert wurde. Dass auch Spieler ohne Bezug zur Region und jugendlichem Alter gekauft werden können. Letzteres zeigte der Transfer Carlos Zambranos. Aber auch jene, dass das Kader in der am Konzept orientierten Zusammensetzung nicht genügt. Zumindest nicht, um die definierten Ziele zu erreichen: das Überwintern in Europa, der Meistertitel und der Cuptitel. Denn diese Ziele, auch das muss eingestanden werden, waren zu hoch gesteckt.

Das mag alles brutal klingen. Als wäre auf allen Ebenen falsch eingeschätzt worden, was einzuschätzen war. Aber das stimmt nicht. Der FCB hat immer wieder in Ansätzen gezeigt, was er kann. Er musste dafür aber zu viele Abstriche, zu viele Eingeständnisse machen. Vielleicht hat es diese Hinrunde aber einfach gebraucht. Weil man im Jahr eins nach dem Umbruch durch die erfolgreichste Champions-League-Kampagne der Geschichte geblendet war. Jetzt ist es einfacher zu sehen, was an welcher Stelle fehlt. Wenn sich die Führung auch gegen die letzten, nötigen Eingeständnisse nicht wehrt, kann die Rückrunde nur besser werden. Und vor allem die nächste Saison.

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