Tortour
Das härteste Radrennen als Grenzerfahrung

Roman Glaus, von Beruf Velokurier, ist buchstäblich auf dem Velo zu Hause. Seit einiger Zeit trainiert er fleissig auf sein grosses Jahresziel, die «Tortour». Das härteste Radrennen führt über 13000 Höhenmeter und 1000 Kilometern quer durch das Land.

Fabian Kern
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bz Basellandschaftliche Zeitung

Wer liest, an welchen Rennen Roman Glaus allein dieses Jahr teilgenommen hat, der merkt: Dieser Mann ist auf dem Velo zu Hause. Drei 24-Stunden-Rennen, die letzten beiden im vergangenen Monat, hat der Basler bestritten – als Test für sein grosses Jahresziel, die «Tortour». «Seither habe ich das Training etwas reduziert, damit ich richtig hungrig aufs Radfahren werde», sagt der 34-Jährige.

Die «Tortour» hat ihren furchteinflössenden Namen verdient. Rund 13000 Höhenmeter gilt es auf 1000 Kilometern quer durch die Schweiz zu überwinden. «Ich peile eine Gesamtzeit von 45 Stunden an», sagt Glaus. Eine konkrete Platzierung setzt sich der Velokurier nicht zum Ziel, aber wenn es am Ende für die Top Ten reiche, wäre das natürlich noch schöner.

45 Stunden ohne Pause?

Glaus’ Hauptmotivation ist die Erfahrung, seine körperlichen Grenzen zu überwinden. Nicht zuletzt ist aber das Ziel eine entscheidende Marke. «Ich will sagen können, dass ich eines der härtesten Rennen in Europa fertig gefahren habe», erklärt Glaus. Dafür hat er viel investiert. Bis zu 30 Stunden pro Woche trainierte er für sein Ziel. Von seinem Beruf als Velokurier habe er nur sehr wenig «Gratistraining»: «Die Strecken sind viel zu kurz. Aber für die Wetterhärte ist das sicher gut.»

Vor einem Jahr hat Glaus sein erstes 24-Stunden-Rennen bestritten und dabei mit Platz 14 «erschreckend gut» abgeschnitten, wie er selbst sagt: «Da musste ich fast weitermachen.» Mit der Teilnahme an der «Tortour» stösst er nun in eine neue Dimension vor. «Ich bin noch nie so lange gefahren. Aber ich möchte möglichst ohne Pause durchfahren», meint Glaus, der von einem sechsköpfigen Team begleitet wird. Die wichtigste Anweisung an seine Betreuer ist, dass sie ihm nie seine Platzierung sagen dürfen. «Ich muss mein eigenes Tempo fahren», erklärt Glaus. Erst am Sonntag in Neuhausen will er wissen, für welchen Rang seine Qualen gereicht haben.