Mixed Martial Arts
«Das ist nichts für Schläger-Typen»

Ein Besuch im Training des Reinacher Kampfsportlers Patrick Drees, der dieses Jahr den Amateur-Europameistertitel im Mixed Martial Arts gewonnen hat.

Silvan Schmutz
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Patrick Drees (oben) während eines Kampfs klar im Vorteil. ZVG

Patrick Drees (oben) während eines Kampfs klar im Vorteil. ZVG

«Der Sieg ist für jene reserviert, die bereit sind, den Preis dafür zu bezahlen.» Dieser Satz steht am Eingang des Dojo, wo Patrick Drees in Liestal trainiert. Wenn man das fordernde Training beobachtet, weiss man, was damit gemeint ist. Die unterschiedlichsten Kampfsportarten wie Ringen, Jiu-Jitsu oder Kickboxen werden vermischt, um eine moderne Form des Kampfes zu bilden: Mixed Martial Arts – kurz: MMA – nennt sich die Mischung aus Kickboxen und Bodenkampf.

Eine Beschreibung gefällig? Kein Problem: eine Finte, eine vernachlässigte Deckung und eine Schlagattacke von Drees’ Gegner. Dieser blockt die Attacke ab, kontert und landet einen harten Schlag in die Magengrube seines Gegners, es folgen massive Tritte auf den Oberschenkel, dann ein Wurf und der Gegner landet auf der Matte. In Sekunden ist Drees die Techniken verschiedener Kampfsportarten durchgegangen, vom Kickboxen bis zum Ringen. So schnell, dass das Auge grosse Mühe hat, dem Geschehen zu folgen.

Mischung aller Kampfsportarten

«MMA ist nichts für Schläger, im Gegenteil: Gegen Schlägertypen steige ich am liebsten in den Ring», sagt Drees. Um die Aussage zu begründen, macht der 29-jährige Reinacher einen eher unerwarteten Vergleich: «MMA ist wie Schach – man muss im Kopf mindestens einen Zug weiter sein als der Gegner. Der Sport ist zu komplex, um einfach drauflos prügeln zu können.»

Drees betreibt das Kickboxen seit neun Jahren, MMA übt er seit zweineinhalb aus. In seiner 4. Saison als Amateur-MMA-Kämpfer hat sich Drees einen Traum erfüllt: In der Kategorie -83 Kilogramm hat sich der Kampfsportler mit vier dominanten Siegen den Amateur-Europameistertitel im MMA geholt. «Das war das absolute Highlight. Den Titel in Holland zu gewinnen, der europäischen Hochburg des MMA. Das war unbeschreiblich», sagt das Aushängeschild des Liestaler Frota-Team Nogueira. «Das war der Lohn für all die Anstrengung und Mühe.»

Damit man es im MMA ganz nach oben schafft, ist eine Menge Biss und Ehrgeiz gefragt. Diese Eigenschaften besitzt Patrick Drees zweifellos. 185 Zentimeter lang ist Drees bei einem Gewicht von 83 Kilogramm. Das Muskelpaket ist von Kopf bis Fuss durchtrainiert. Kein Wunder, bei einer Trainingseinheit pro Tag. Bei der EM-Vorbereitung hat der Kampfsportler gar zwei bis drei Trainingseinheiten pro Tag absolviert. Nun hat der Reinacher bereits ein nächstes Ziel: Er will im MMA in die semiprofessionelle B-Klasse wechseln, wo das Niveau und die Intensität noch einmal höher sind. Die Kämpfe finden praktisch alle im Ausland statt, deshalb ist die Änderung mit grossem Aufwand verbunden. Aber eben: Den Sieg gibt es halt nur für jene, die auch bereit sind, den dazugehörigen Preis zu bezahlen.