Nachdem sie auf dem Rand des Trampolins landete, musste sie ihre Kür abbrechen und mit dem dritten Platz vorliebnehmen. Zwei Monate zuvor, beim Cup Basilea in Muttenz, klappte das Programm noch problemlos und die Turnerin des NKL gewann die Goldmedaille. Sylvie Wirth bezeichnet ihr erstes Jahr bei der Elite aber als Lehrjahr. Deswegen zählen Erfahrung und erreichte Punkte mehr als die Platzierungen.

Die 16-Jährige, die im letzten Jahr an den Junioren-Europameisterschaften teilnahm, bekommt im Moment den Niveauunterschied zwischen Elite und Junioren zu spüren. Die Schülerin der Sportklasse Liestal hat den Schritt zur Elite aber bewusst vollzogen und hofft, möglichst viel zu profitieren. «Das hohe Niveau motiviert mich», sagt sie. Gerade ging für Sylvie Wirth die nationale Saison zu Ende. Die Sportlerin, die erst im Alter von neun Jahren mit Kunstturnen begann und seit vier Jahren dem Trampolinspringen verfallen ist, wird 2011 noch zwei Weltcups bestreiten und gegen Ende des Jahres an den Weltmeisterschaften teilnehmen. Dort peilt sie einen Platz unter den besten 25 Athletinnen der Welt an. Obwohl sie altersmässig noch zum Juniorenkader gehört, bestreitet sie diese Wettkämpfe mit dem Nationalkader.

17 Stunden pro Woche

17 Stunden trainiert die Arisdörferin pro Woche. Neben dem reinen Trampolinspringen zählen Akrobatik und Krafttraining zu ihrem Pensum. Für die Körperspannung absolviert sie auch Ballettstunden. Ziel jeder Trampolinspringerin ist es die Flugzeit zu erhöhen, welche auch in der Punktewertung berücksichtigt wird. Zurzeit schätzt die 16-Jährige, dass sie rund fünf Meter in die Höhe springt. Um diesen Wert zu steigern, müsse sie weiter an ihrer Sprungkraft arbeiten. Immerhin reicht diese Höhe, um – zumindest im Training – dreifache Salti zu stehen. In der Zeit zwischen den Wettkämpfen will sie weiter an diesem Element arbeiten, um es bald in die Kür zu integrieren. Aktuell ist der doppelte Salto rückwärts mit doppelter Schraube der schwierigste Sprung ihrer Übung.

Trotz dieses Vorhabens plant die Gymnasiastin nicht zu weit in die Zukunft. Ihre Klubkollegin Simone Scherrer muss gerade eine lange Pause machen, weil sie sich verletzt hat. «Eine Verletzung kann alles zerstören», sagt Sylvie, die dies schon selbst erfahren musste. Mit dem Kunstturnen musste sie wegen einer Knieverletzung aufhören.

Gleichwohl spukt im Kopf der Turnerin der Traum einer zukünftigen Olympiateilnahme herum. Sie weiss aber, wie schwierig dies zu erreichen ist, und auch, wie die Schweiz im internationalen Vergleich dasteht. Nationen wie China, Russland oder Kanada sind führend. Zudem hat Sylvie verhältnismässig spät mit dem Sport begonnen. Das müsse aber nichts bedeuten. Es gäbe auch Trampolinturnerinnen, die mit 35 Jahren noch aktiv seien, sagt Sylvie. Wenn man ihr zuhört, hat man das Gefühl, dass zumindest ihre Motivation locker so lange ausreicht.