Bernhard Heusler, Präsident

Eigentlich gehört der 13. Mai 2006 nicht hier hin. Nur: Wer über Bernhard Heusler schreibt, streift fast zwangsläufig jenen Tag. Der FCZ entführt in letzter Sekunde den Meistertitel aus dem St. Jakob-Park. Es kommt zu wüsten Ausschreitungen, danach zu einem Sturm der Entrüstung. Doch einer behält den Überblick: der damalige Vizepräsident Bernhard Heusler. Als souveräner Krisenmanager wird er erstmals von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen. 2009 übernimmt der Wirtschaftsanwalt von Gigi Oeri das operative Geschäft. Heusler spricht in diesem Zusammenhang gerne von einem «Tanz auf der Rasierklinge». Weil es die Zeit der wirtschaftlichen Emanzipation ist, «wir auf uns allein gestellt waren», wie der 52-Jährige betont. Zur Erinnerung: 2009 hatte der FC Basel noch etwa neun Millionen Franken Verlust geschrieben.

Präsident

Bernhard Heusler

Präsident

Heusler und seiner Führungscrew gelingt das Kunststück, den FCB sowohl sportlich als auch wirtschaftlich auf sehr hohem Niveau zu stabilisieren. Dies, obwohl die Basler in fast jeder Transferphase ordentlich durchgeschüttelt werden. Doch Heusler und seine Crew sorgen dafür, dass der Motor stets hochtourig läuft, sich der Schlendrian nicht einschleicht und immer wieder neue Reizpunkte gesetzt werden. Wenn nötig auch mit unpopulären Massnahmen wie den Trennungen von den Trainern Heiko Vogel und Murat Yakin oder der Verpflichtung von Renato Steffen. Marc Lüthi, CEO des SC Bern, sagt über Heusler: «Er weiss, was er will, und nimmt die gesteckten Ziele kompromisslos in Angriff.»

Alex Frei, Stürmer bis 2013

Bernhard Heusler betont es immer wieder: «All in» ging der FC Basel bei der Verpflichtung von Alex Frei im Sommer 2009. Warum eigentlich? Weil das Gesamtvolumen (Ablösesumme, Lohn) beim Transfer von Frei zirka 12 Millionen Franken betrug; weil allein der Name Frei die Erwartungshaltung in atmosphärische Höhen trieb; weil die Hausbank Oeri dicht machte, was den FCB zum Erfolg verdammte.

Stürmer bis 2013

Alex Frei

Stürmer bis 2013

Doch die Investition hat sich mehr als gelohnt. Mit Thorsten Fink hatte Frei einen Trainer, der ihn mit der nötigen Wertschätzung versorgte. Und mit Streller, Huggel, den Degen-Zwillingen und Stocker verband Frei mehr als nur der Fussball. Kurz: Frei blühte im Spätsommer seiner Karriere nochmals auf. Sagenhafte 107 Tore erzielte der Stürmer in 156 Spielen für die Basler. Und nachdem er im April 2011 als amtierender Captain und Rekordtorschütze seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft gab, fiel eine weitere Last von seinen Schultern – nicht zum Nachteil für den FCB.

Kurz nach dem Nati-Rücktritt erzielte er zwei seiner wichtigsten Tore für den FCB. In der viertletzten Runde der Saison 2010/11 sorgte er mit seinen zwei Treffern im Letzigrund dafür, dass der FCZ im Meisterrennen nicht davon zog. Unvergessen bleiben auch seine beiden Tore in der Champions League beim 3:3 gegen Manchester United in Old Trafford. Einzig sein abrupter Abgang im Frühling 2013 war unschön. Inzwischen hat sich der heutige U15-Trainer der Basler aber mit seinem damaligen Trainer Murat Yakin versöhnt.

Murat Yakin, Trainer von 2012 bis 2014

Die Champions-League-Kampagne 2013/14 ist symptomatisch für Murat Yakins Zeit in Basel. Trotz zwei berauschenden Auftritten gegen das Schwergewicht Chelsea (2:1 in London, 1:0 zu Hause) ist das Ende ernüchternd. Denn der FCB scheidet in der Gruppenphase aus.

Trainer von 2012 bis 2014

Murat Yakin

Trainer von 2012 bis 2014

Basel breitet nicht die Arme aus, als Yakin im Oktober 2012 Heiko Vogel als Trainer ablöst. Obwohl unweit des Basler Fussball-Tempels aufgewachsen, ist er für viele Fans nicht «eine vo uns». Als Yakin übernimmt, beträgt der Rückstand auf Leader GC acht Punkte. Yakin zündet in Basel kein emotionales Feuerwerk. Seine Spielweise ist nüchtern, resultatorientiert. Was Anlass zu Kritik gibt. Dabei befindet sich der FCB in jener Zeit auf einer glorreichen Europa-Tournee. Gegen das grosse, reiche Tottenham setzen sich die Basler nach einem berauschenden Hinspiel (2:2) im Penaltyschiessen durch. Erst Chelsea stoppt im Europa-League-Halbfinal den FCB-Triumphzug.

Erschwerend für Yakin sind diverse personelle Entscheidungen. Alex Frei verliert unter Yakin den Nimbus des Unantastbaren und kündigt bald seinen Rücktritt auf Ende Saison an. Raul Bobadilla, Yakins Wunschtransfer, kann sich in Basel nicht integrieren. Trotz Rückstand auf GC, trotz Unruhe im Umfeld, trotz atmosphärischen Störungen im Team – Yakin macht einen hervorragenden Job, gewinnt 2013 den Meistertitel und doppelt 2014 nach. Mehr noch: Yakin hat mit den Glanzlichtern auf der europäischen Bühne das Selbstbewusstsein dieses Klubs weiter gestärkt.

Valentin Stocker, Mittelfeldspieler bis 2014

Stocker hat geschafft, was nur wenige schaffen: Für die Basler ist er «eine vo uns», obwohl Basel für Stocker nicht viel mehr als sein ehemaliger Arbeitsort ist. In der Freizeit düst er in die Innerschweiz, wo er aufgewachsen ist. Seine Lieblingsorte auf der Welt sind Sardinien, Zermatt und Luzern.

Mittelfeldspieler bis 2014

Valentin Stocker

Mittelfeldspieler bis 2014

Die Liebe des Publikums für Stocker basiert auf vier Punkten:

1. Die Finalissimas 2008 und 2010 entschied er praktisch im Alleingang zugunsten des FCB und zuungunsten von YB.

2. Stocker begeistert mit seiner Art, Fussball zu spielen. Er ist kein Naturtalent à la Shaqiri, sein Erfolgsrezept besteht aus Arbeit und Willen. Und daraus, die Gegner zu provozieren, womit er in Basel endgültig Heldenstatus erlangt.

3. Sein sensibles Wesen löst bei den FCB-Sympathisanten den Beschützerinstinkt auslöst: «Hey, lasst unseren Vali in Ruhe!»

4. Die Ikonen Marco Streller, Benjamin Huggel und Alex Frei sind seine dicken Kumpels. Das Trio nimmt den um einige Jahre jüngeren Stocker in seine Mitte auf, was immens auf dessen Stellenwert in der Mannschaft, im Klub und bei den Fans abfärbt.

Auf dem linken Flügel ist Stocker bis zum Wechsel 2014 zu Hertha BSC Berlin unverzichtbar. Wahrscheinlich wäre er schon früher ins Ausland gegangen, hätte er sich 2011 nicht das Kreuzband gerissen. Doch Stocker ist es auch, der schwierig zu führen ist. Unter anderem der Zwist mit Stocker wird Murat Yakin im Frühling 2014 zum Verhängnis.

Thorsten Fink, Trainer von 2009 bis 2011

Wer sollte es antreten, das Erbe von Christian Gross? Rund 60 Kandidaten prüfte Präsident Bernhard Heusler mit seinen Vorstandskollegen. Bedingung: Der Neue muss für frischen Wind sorgen, die Krusten nach zehn Jahren mit dem Höngger Polizistensohn auflösen. Wer als ein junger, unverbrauchter, dynamischer Trainer passt da besser? Thorsten Fink, blond, braun gebrannt, blaue Augen, Dreitagebart, war im ersten Moment eine Überraschung. Rückblickend aber genau der Trainer, den der FC Basel für den Neuanfang unter Klubboss Heusler brauchte.

Trainer von 2009 bis 2011

Thorsten Fink

Trainer von 2009 bis 2011

Der Start misslingt. Nach dem ersten Saisonviertel ist Basel dem Abstiegsplatz näher als Rang 1. Bereits taucht das Wort «Entlassung» auf. Dabei verkennen diese Stimmen, wie gut das Verhältnis zwischen Trainer und Spielern ist: Letztere schätzen seine Empathie – was für ein Unterschied zum knorrigen Gross! – und seinen Mut für die Offensive. Auch diejenigen, die auf der Bank sitzen, fühlen sich wichtig.

Der Schlüsselmoment ist der 2:0-Heimsieg in der Europa League gegen die AS Roma Mitte September. Danach gewinnt der FCB in der Liga 23 von 28 Spielen und schnappt YB am letzten Spieltag den Titel weg. Die Ära der rot-blauen Dominanz ist lanciert, Fink der allseits beliebte Trainer. Rückblickend sagen die damaligen Anführer wie Frei, Huggel, Streller und Stocker, die Zeit unter Fink sei die schönste gewesen. Der Rausch hält an bis Mitte Oktober 2011, als Fink den kriselnden Bundesliga-Dino Hamburg der Erfolgsmaschine FCB vorzieht.

Marco Streller, Captain bis 2015

Als er 2007 nach dem Meistertitel mit Stuttgart zum FCB zurückkehrte, wurde der einstige Luftibus zur grössten Klublegende neben Karli Odermatt. Streller gewann in dieser Zeit sieben Meistertitel und beendete seine Karriere vor einem Jahr nach der Partie gegen St. Gallen, in der er sein 200. Profitor erzielte.

Captain bis 2015

Marco Streller

Captain bis 2015

Streller war für den FCB eminent wichtig. Er funktionierte im Doppelsturm mit seinem Freund Alex Frei und akzeptierte nach dessen Rücktritt je länger, je mehr auch die Rolle als Einzelmaske im gegnerischen Strafraum. 2011 übernahm er von Franco Costanzo die Captainbinde und fungierte fortan als allseits akzeptierter und beliebter Anführer des Basler Wolfsrudels auf dessen Beutezug durch die Super League. Auch an den internationalen Sternstunden, etwa den Siegen gegen Chelsea, Manchester United oder Liverpool, hatte Streller mit seinen Mitreisser-Qualitäten einen riesigen Anteil.

Streller war ein Captain, wie man ihn sich wünscht. «Der Beste», wie die Trainer Fink, Vogel, Yakin und Sousa unisono sagten. Als Lokalpatriot, der aus seiner Liebe zu Basel nie ein Geheimnis machte und der Heimat zuliebe auf Millionen-Angebote aus England verzichtete, hatte Streller auch bei allen FCB-Fans einen Stein im Brett. Starallüren waren ihm fremd. Seit seinem Rücktritt lernt Marco Streller im FCB-Büro das Klubmanagement kennen und tritt als FCB-Botschafter auf. Auch für diese neue Funktion gilt: Es gibt keinen Besseren.

Georg Heitz, Sportdirektor

Einst schrieb er als Journalist der «Basler Zeitung» über den FCB – und das nicht zu wenig kritisch. Heute dirigiert er die rot-blaue Transferabteilung und – heimlich – auch die Medienarbeit. Es gibt wohl wenige, die den FCB so gut kennen wie Heitz. Er vereint die Aussen- sowie Innenansicht des Vereins, erkennt Strömungen im Voraus und hat den FCB im Duett mit Ex-Medienchef Josef Zindel dank seinen Kommunikationskünsten so schon viele Male vor einem kleinen oder grossen Gewitter bewahrt.

Sportdirektor

Georg Heitz

Sportdirektor

Hauptsächlich aber ist Heitz ein sehr guter Sportdirektor. Ein Amt, das andere zu Selbstdarstellern machte, bei Heitz aber vor allem das Verantwortungsbewusstsein noch grösser werden liess. «Wegen mir kommt keiner ins Stadion», betont Heitz. «Die Bühne soll den Fussballern gehören.»

Während seiner drei Jahre in der FifaKommunikationsabteilung entstand der Kontakt mit Bernhard Heusler, der Heitz 2009 zum Sportkoordinator machte. Drei Jahre später wurde Heitz Verwaltungsrat und Sportdirektor.

Bewundert wird der FCB vor allem für seine exzellente Scouting-Abteilung, die Heitz zusammen mit Ruedi Zbinden verantwortet. Auf diese Weise gelingen immer wieder Transfercoups wie jene von Dragovic, Salah, Elneny oder Gonzalez.

Spannend wäre zu beobachten, ob der Sportdirektor Heitz auch bei einem anderen Verein funktioniert. Anfragen gibt es immer wieder, bislang vermochte ihn keine von seinem «Traumjob» loszueisen.

Die sieben Schlüsselmomente des FC Basel auf dem Weg zum siebten Meistertitel:

Die FCB-Meistermannschaft in der Statistik