Fussball
Das stille Comeback des Claudio Circhetta

Claudio Circhetta war 40 Jahre alt und kerngesund, als das Schicksal mit voller Härte zuschlug. Er erkrankte er an einer Vorstufe von MS. Jetzt ist wieder zurück. Circhetta unterstützt das Projekt «be Tolerant» – und greift wieder zur Pfeife

Jonas Burch
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Claudio Circhetti in seinem Element: 2009 leitete er den Cupfinal Young Boys (im Bild Gilles Yapi) gegen Sion.

Claudio Circhetti in seinem Element: 2009 leitete er den Cupfinal Young Boys (im Bild Gilles Yapi) gegen Sion.

KEYSTONE

Vieles lief unter dem Radar. Ohne grosse Werbung. Ohne grosses Aufsehen. Einzig die leuchtgrünen Fähnchen bei der Anfahrt zeigten ansatzweise an, dass auf dem Attiswiler Lindenrain Hochbetrieb herrschen könnte. Anlass war das Pilotprojekt «be Tolerant», welches Heinz Hohl, Präsident des FC Attiswil, vor gut zehn Jahren ins Leben gerufen hat.

Seit 2012 beim Nordwestschweizer Fussballverband

Wahrscheinlich erlebte Attiswil – oder überhaupt ein Schweizer Klub – noch nie einen solchen Andrang an Fussball-Prominenz. Mittendrin: Claudio Circhetta. Nach dem bekannt wurde, dass der ehemaliger Spitzenschiedsrichter an einer Vorstufe der Multiplen Sklerose erkrankte, war es lange Zeit still um den Basler. Circhetta schottete sich ab.

Seit Februar 2012 arbeitet der 42-Jährige wieder beim Nordwestschweizer Fussballverband. Vor allem auch für das Projekt «be Tolerant». «Dieser Rollenaustausch zwischen Schiedsrichter und Spieler ist unbezahlbar», nimmt Circhetta vorneweg. «In der Gesellschaft herrscht noch immer das Bild, das Schiedsrichter keine Fehler machen dürfen. Doch jede Liga bekommt den Referee, den sie auch verdient», weiss Circhetta, der im Projekt das Schiedsrichterwesen betreut.

In regionalen Ligen im Einsatz

Für Circhetta war immer klar, dass er wieder auf den Rasen zurück will. Ein Leben ohne dieses Adrenalin kam für ihn nicht infrage. Jetzt, wo er seine Krankheit im Griff hat, stand einem Comeback nichts mehr im Wege. «Ich spürte vor meinem ersten Spiel eine extreme Nervosität. Meine Frau fragte mich andauernd, was mit mir los sei», sagt er schmunzelnd.

Auf diese Saison hin ist Circhetta wieder fix als Schiedsrichter aktiv. Im Regionalfussball der Nordwestschweiz und bei Senioren-Partien. Den Glamour der Champions- oder Super League vermisst er nicht. «Die Arbeit ist und bleibt dieselbe», sagt er. Als ehemaliger Spitzenschiedsrichter in der Provinz bleibt Circhetta natürlich nicht unerkannt. «Mir ist es aber lieber, wenn die Spieler auf dem Platz nichts über meine Vergangenheit wissen», sagt Circhetta. Grosse Ambitionen hat der Basler keine. Jedenfalls nicht auf dem Rasen. «Für mich ist es schon eine Genugtuung wieder in meinem Element zu sein.»