Schwergewicht
Das Traumpaar des Kraftsports

Die Arlesheimerin Claudia Gerhards und der Basler Ramon Gysin wurden vor zwei Wochen in Castleblaney (Irl) Weltmeister im Powerlifting. Doch der Titel war nur die Bestätigung.

Fabian Kern
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WDFPF - was auf den ersten Blick nach willkürlichem Herumhacken auf der Computertastatur aussieht, heisst tatsächlich etwas: World Drug Free Powerlifting Federation. «Bei uns wird viel mehr auf Doping getestet als beim Internationalen Powerlifting-Verband», erklärt Ramon Gysin.

Vor zwei Wochen wurden er und seine Freundin Claudia Gerhards an den Welttitelkämpfen des WDFPF in Irland Weltmeister im Powerlifting, zu deutsch Kraftdreikampf.

Für einen Wettkampf im Powerlifting braucht es nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern auch Taktik. In den Disziplinen Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben hat man je drei Versuche, wovon der beste in die Wertung kommt. Die Summe aus den drei Disziplinen ergibt das Gesamtergebnis.

An die Grenzen gehen

Man muss also nicht nur an und über die persönlichen Grenzen gehen, sondern auch die Ergebnisse der Konkurrenten im Auge behalten, um reagieren zu können. «Man darf das Gewicht noch bis kurz vor dem Versuch ändern - aber nur nach oben», erklärt Gysin.

Der Weg zum Powerlifting war für den polysportiven Basler lang. «Ich wollte immer in einem möglichst breiten Gebiet fit werden», erklärt der 27-Jährige. Deshalb ist er zum Trainingssystem «CrossFit» (siehe Kasten) gekommen. Weil Gysin, der auch in der Firmenfussball-Meisterschaft mitspielt, aber Lust auf Leistungssport hatte, begann er mit dem Powerlifting. «Das Tolle daran ist, dass man sich immer wieder selbst herausfordert», so der Athlet, bei dem sich 93 Kilogramm auf 1,76 Meter verteilen. Durch Gysin, ist auch Claudia Gerhards zum Kraftsport gekommen. «Zuerst wollte ich eigentlich nur abnehmen», verrät die 24-jährige Arlesheimerin lachend.

Dann merkte die frühere Sprinterin, dass sie ihre Sportart endlich gefunden hatte: «Ich musste schon immer Vollgas geben, um wirklich Befriedigung beim Sport zu finden.» Mit Erfolg: Die 1,65 Meter grosse und 60 Kilogramm schwere Medizin-Studentin brachte es innert nur zwei Jahren zur Weltmeisterin.

Zehn Stunden Training

Der Aufwand, den die beiden betreiben, ist gross. Vor der WM trainierte Claudia Gerhards etwa zehn Stunden pro Woche, während ihr Freund sein Trainingspensum in Tonnen misst. So bewegte der Mitinhaber des Crossfit Basel allein im Kniebeugen pro Woche acht bis zwölf Tonnen. Da blieb nicht mehr viel Zeit für die Partnerschaft. «Ich bin froh, dass Claudia so viel Verständnis dafür aufbringt», sagt Gysin. Als Weltmeisterpaar sollte das wohl gegeben sein.

Der doppelte Triumph in Irland kam für die beiden völlig unerwartet: Sie war durch eine Verletzung handicapiert, er rechnete im besten Fall mit einem Podestplatz. Doch am Ende standen beide zuoberst. Gysin gewann mit 47,5 Kilogramm Vorsprung, indem er in allen Disziplinen persönliche Bestleistung stemmte (225 kg Kniebeugen, 140 kg Bankdrücken, 257,5 kg Kreuzheben).

Claudia Gerhards hatte bei ihrem Total von 347,5 Kilogramm (120/72,5/155 kg) in den ersten beiden Disziplinen gar noch Luft nach oben. Dafür bekamen die beiden eine Medaille und ein Zertifikat, ein Preisgeld gab es nicht. Doch das spielt auch keine Rolle. «Ich bin stolz auf meine Vorbereitung, die so hart war wie noch nie», sagt Gysin. Der WM-Titel sei da nur noch das «Zückerchen» gewesen.
Solch bescheidene Preise bieten schon gar keinen Anreiz zum Betrügen.

Und auch wenn es jemand versuchen würde, käme er nicht weit, sagt Gysin. «Mit Doping könnte man so intensiv trainieren, dass das der Körper ohne Verletzung gar nicht aushält», erklärt der Fitnesstrainer, «unser Ziel ist es, Kraft zu haben, nicht grosse Muskeln.»