Nun muss es auch der letzte Optimist einsehen: Mit dem Abpfiff im Berner Stade de Suisse ist die Suppe gelöffelt, die Messe gelesen und Hannibal über die Alpen. Die Young Boys werden Schweizer Meister. Nur mit einem Sieg hätte der FC Basel noch einmal auf realistische Schlagdistanz heranrücken können. Das spektakuläre 2:2 in Bern reicht dafür nicht, weshalb dieses Unentschieden für das Team von Raphael Wicky de facto eine Niederlage ist. Und nur Sekunden vor dem Schlusspfiff hätte alles anders kommen können.

Der Spielverlauf: Erst Pfui, dann Hui

Der Reihe nach: Die erste Halbzeit war über weite Strecken eher Magerkost als Spitzenkampf. Beide Teams fanden noch nicht wirklich in die Partie, vor allem der FCB suchte nach seinem Spielkonzept. Dennoch gingen Herr und Frau Stadionbesucher mit einem guten Gefühl in die Pause: Zwei absolute Traumtore - Hoarau in der 24. per Seitfallzieher und Xhaka eine Viertelstunde später per Weitschuss ins Lattenkreuz - sorgten dafür, dass die Bratwurst gleich doppelt so gut schmeckte.

Nach dem Seitenwechsel fand ein komplett anderes Spiel auf dem Berner Kunstrasen statt. Nun kamen beide Teams zu Topchancen, das spiel wankte von einer Seite auf die andere. Die Tore waren dafür in diesem Durchgang weniger spektakulär: Unmittelbar nach Wiederanpfiff brachte Marek Suchy den FCB auf die Siegesstrasse. Nach einem Zuffi-Freistoss landete eine Kopfballverlängerung Langs auf dem Fuss des Tschechen, der zum 2:1 traf. Diese Führung hatte allerdings, wie diejenige der Berner in der ersten Hälfte, nicht sehr lange Bestand: Christian Fassnacht glich in der 56. Spielminute aus, nachdem er eine Zeigerumdrehung zuvor bereits an den Pfosten geköpft hatte. In der Folge verpassten es beide Mannschaften, den Siegtreffer zu erzielen. Ajetis Lattenschuss (73.), zweimal Stocker, dem alleine vor Wölfli die Nerven versagten (51. und 83.) sowie ein Halbvolley von Fabian Frei kurz vor Schluss hätten das Spiel zum Kippen bringen können. YB verpasste in der Person von Bertone seine beste Chance um den FCB zum fünften Mal in Serie im Stade de Suisse zu schlagen.

Der Beste: Roger Assalé

Alles Roger bei YB! Der Ivorer trifft heute für einmal zwar nicht selbst, rennt der FCB-Abwehr aber konstant um die Ohren und düpiert Riveros und Frei fast schon am Laufmeter. Der kleine Wirbelwind bereitet zudem beide Treffer vor; Die Flanke auf Hoarau mit herrlich viel Gefühl, das Zuspiel auf Fassnacht nach einem blitzschnellen Antritt und einem wunderbaren Dribbling.

Ein Ivorer rockt Bern - Erinnerungen an Seydou Doumbia werden hier zwangsläufig wach. Es dürfte überraschen, wenn YB ihn nach der Saison halten kann. Wahrscheinlicher ist, dass er, wie Doumbia, die Transferkassen füllen wird. Gerüchten zufolge sind Gladbach und Marseille bereits am Stürmer dran.

Das gab sonst noch zu reden: Valentin Stocker als tragischer Held

Die traurige Nebenrolle im Assalé-Spektakel spielt Valentin Stocker. Während seinem Berner Konterpart vieles gelingt, zeigt sich der FCB-Rückkehrer zwar bemüht und kommt zu Chancen, versemmelt diese aber kläglich. Nachdem er in der 62. Minute alleine aufs Tor ziehen kann, versucht er, anstatt selbst zu schiessen, den Querpass und scheitert damit. Als er dann in der 83. vom umsichtig agierenden Oberlin in Szene gesetzt wird, verspringt ihm bei der Ballannahme die Kugel. Diese kullert an den Pfosten. Stocker bleibt darum tragischer Held statt Matchwinner.


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