Selbst in Bestbesetzung ist das Birstaler Kombinat seinem Rivalen aus der Saanestadt, zumindest auf dem Papier, unterlegen. Und weil bei den Unterbaselbietern das Lazarett eine Dimension angenommen hat, die einem Fluch gleich die beste Deutschschweizer Basket-Equipe begleitet, hätte niemand, aber auch niemand vor Anpfiff nur einen Cent auf den Gastgeber gewettet. Denn mit Björn Schoo (35, 213cm) und Alexis Herrmann fehlten zwei Akteure, die durchaus ihren Mann im Stammquintett stellen. 

Auf einen ausgeglichenen Beginn (12:13 nach sieben Minuten) setzte sich der Gast immer mehr ab. Kein Wunder, denn als sechster Mann kam ihr stärkster US-Profi ins Spiel. Spie­ler Nummer 7 ist der Internationale Nathan Jurkowitz – und Mann Nummer 8 ist mit Dusan Mladjan der beste Schweizer Basketballer, der nicht in der NBA gespielt hat. Nach 18 Mi­nuten stand es 20:37 – die Partie nahm den erwarteten Verlauf. 

Auch wenn im 3. Viertel die Starwings das Skore ausgeglichener halten konnten (47:58 nach 28 Minuten) – die treusten der treuen Zuschauer hatten stets das Gefühl, dass Olym­pic immer zulegen könnte, wenn den „Wings“ ein kleiner Rund von zwei, drei Körben in Folge gelang. 

Dominanz verloren

Viele potenzielle Matchbesucher waren am Birsfelder Banntag. Bis zur 35. Minute mochte dies eine legitime Alternative zum Basket-Match sein. Noch in der 34. Minute, beim Stand von 57:64, war nicht ersichtlich, dass das Personal von Starwings-Cheftrainer Roland Pav­loski (der längst mit fünf Akteuren durchspielen musste, während Gasttrainer und ex-Natio­nalteam-Coach Peter Aleksic munter rotieren konnte) an den Meister, Leader und uneinge­schränkten Titelfavoriten herankommen würde. 

Doch in den letzten fünf Minuten verwandelte sich die Sporthalle in jenes Tollhaus, das einst noch jeden Rivalen aus der Romandie und dem Tessin zum Verhängnis geworden war. Nach 38 Minuten stand es 69:68 – und ab diesem Zeitpunkt war „der Teufel los“. Olympic hatte seine Souverenität und Dominanz, die für Aussenstehende oft in einer Art Arroganz mündet, verloren.

Die „Wings“, obwohl auf dem Zahnfleisch laufend, kämpften, rannten, reboundeten – und hatten in Darell Vinson einen Mann, der die Lufthoheit be­herrschte. Der „Mister Double-Double“ holte sich 22 Rebounds. Octavius Brown setzte ab und zu ganz unverschämte Dreier in den Korb – Teamcaptain Joël Fuchs und der Aargau­er Philippe Sager komplettierten das Duo, das von einem Mann angeführt, den wir in ein paar Jahren vielleicht bei den allerbesten europäischen Basket-Teams sehen werden.

Chris Jones überragend

Chris Jones hielt sich zwischen der 15. und 35. Minute zurück; in den letzten fünf Minuten war er Aufbauer, Dirigent, Skorer, Ballverteiler, Assistgeber, hartnäckiger Verteidiger und Balleroberer. Im Publikum sass ein ehemaliger Top-Basketballer aus Senegal, der gegen die Besten von Europa gespielt hat. Wir entdeckten einen Franzosen, der mit Lugano und Fribourg Olympic Meister geworden war.

Und eine Zürcher Frauen-Basketequipe, die eini­ge Spanierinnen aufweist. Sie sahen nicht nur eine epischen Sieg, sondern auch einen Chris Jones, der innerhalb dieser grossartigen Starwings-Equipe etwas darstellt, was man in Birsfelden seit den legendären Zeiten von Nebojsa Zorkic und Jean „Magic“ Prioleau nie mehr gesehen hat.

War der legendäre Mike Coffin einst der „Professor“, so muss für den 23-jährigen Jones auch hier eine Steigerung gefunden werden. Gegen diesen Universal-Spieler versuchten sich im direkten Vergleich gleich vier Freiburger Hochkaräter – nach 40 Minuten mussten sie konstatieren: Dieser Mann spielt in seiner eigenen Liga.