Fussball

Das Zittern der FCB-Scharfschützen – nicht nur wegen der Kälte

«Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein», sang Reinhard Mey einst. Für FCB-Stürmer Ricky van Wolfswinkel war nicht die Freiheit grenzenlos, sondern der Frust, nachdem er vor anderthalb Wochen gegen St. Gallen seinen Penalty verschoss. Ob es der Ball bis zu den Wolken schaffte, blieb unbekannt

«Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein», sang Reinhard Mey einst. Für FCB-Stürmer Ricky van Wolfswinkel war nicht die Freiheit grenzenlos, sondern der Frust, nachdem er vor anderthalb Wochen gegen St. Gallen seinen Penalty verschoss. Ob es der Ball bis zu den Wolken schaffte, blieb unbekannt

Der FC Basel trifft das Tor kaum mehr. Das muss im Cup-Halbfinal gegen YB anders werden – trotz Eiseskälte. Gespielt wird auf jeden Fall: «Wenn einer der Spieler friert, dann soll er mehr rennen.»

Der Blick auf die Torschützenliste schmerzt den FCB-Fan: An der Spitze ist alles Gelb-Schwarz. Bester Schütze: Miralem Sulejmani, YB, zehn Tore, Platz 2 teilen sich die YB-Stürmer Roger Assalé und Jean-Pierre Nsamé mit Lausanne-Neuzuzug Simone Rapp. Erst auf dem fünften Platz folgt der beste Basler Schütze Albian Ajeti.

Allerdings hat der drei seiner insgesamt acht Tore noch für seinen alten Verein, den FC St. Gallen, geschossen. Am meisten Tore für Rotblau hat noch immer Ricky van Wolfswinkel gebucht. Doch dessen Skore steht seit Anfang September bei sieben Toren.

Logisch, Van Wolfswinkel verletzte sich kurz nach seinem letzten Tor. Aber noch im Dezember gab der designierte Topskorer sein Comeback. Er blieb ohne Tor. Auch weil er im entscheidenden Moment versagte: Im Spiel gegen St. Gallen scheitert der Niederländer kläglich vom Elfmeterpunkt, ballert den Ball weit übers Tor.

«Eigentlich müssten wir mindestens zwei Tore mehr auf dem Konto haben», sagt FCB-Trainer Raphael Wicky. Denn vor dem Star-Stürmer scheiterte beim Auftakt nach der Winterpause Mohamed Elyounoussi beim Strafstoss – und so hat der FC Basel in den ersten drei Spielen der Rückrunde gerade einmal zwei Törchen zu Buche stehen.

Wenn die Kälte peitscht

Bis zum letzten Spiel gegen GC kurz vor Weihnachten traf der FC Basel durchschnittlich rund zwei Mal pro Spiel. Seither ist der Schnitt auf 0,67 Tore pro Meisterschaftspartie gesunken. Statt Tore am Laufmeter zu bejubeln, herrscht rotblaue Torflaute. Dabei befürchteten noch im Winter viele, dass der FCB aufgrund des Stürmer-Überflusses Probleme kriegt.

Cedric Itten jedenfalls sah sich gezwungen einen Leih-Deal anzustreben, um wieder zu mehr Spielpraxis zu kommen. Denn kaum war er zurück an alter Wirkungsstätte verletzte sich Van Wolfswinkel und der Serienmeister lockte Albian Ajeti zurück nach Basel.

Weil auch andere Offensivkräfte wie Mohamed Elyounoussi und Dimitri Oberlin aufblühten, sah sich Eigengewächs Itten immer häufiger auf der Bank. Und dann kommt auch noch Van Wolfswinkel zurück. Zu viel für Itten.

Seit er in St. Gallen ist, hat er drei Tore geschossen und damit mehr als die gesamte Basler Mannschaft. Zieht man den Vergleich mit YBs Stürmerstar Guillaume Hoarau heran, wird die Baseler Offensiv-Problematik noch augenfälliger. Der Franzose in Diensten der Berner hat in den ersten vier Spielen des Jahres sechs Mal eingenetzt.

Vor allem auch dank Hoarau haben die Berner nach der Winterpause durchschnittlich 2,5 Tore pro Spiel erzielt. Nachdem Hoarau am Samstag die Berner per Kopf 1:0 in Führung schoss, musste er das Feld angeschlagen verlassen. Ob er gegen YB spielt, ist ungewiss.

«Hoarau hat einen extrem hohen Stellenwert bei YB. Und er hat in der Winterpause zurück zur Topform gefunden. Aber YB hat auch ohne ihn gezeigt, dass sie gewinnen können. Da sprang dann einfach Nsamé ein. Aber ich glaube ohnehin, dass ein Einsatz von Hoarau nicht allzu viel am Spiel von YB verändert», sagt FCB-Trainer Raphael Wicky.

Eine Zitterpartie wegen der Kälte

Eine Zitterpartie wird es für den Wallliser ohnehin. Egal, wer nun wie viele Tore schiesst. Für heute Abend werden Temperaturen weit unter dem Nullpunkt erwartet. Die sibirische Kälte peitscht gnadenlos auf die Schweiz ein. Bagger und Betonmischmaschinen stehen derzeit vielerorts still. Es ist zu kalt für viele Arbeiten auf dem Bau. Aber Fussball wird gespielt.

Ist das nicht gefährlich? FCB-Fitnesstrainer und Muskelflüsterer Werner Leuthard winkt ab: «Die Kälte an sich ist kein Problem.» Und der wintergestählte Wicky sagt : «Wenn einer der Spieler friert, dann soll er mehr rennen. Aber wir vom Staff müssen uns sicher dick einpacken.» Er selbst zieht in Betracht mit langen Unterhosen auf den Platz zu kommen.

Einer wird mit Sicherheit nicht dabei sein: Der Kolumbianer Eder Balanta kämpft noch immer mit muskulären Problemen und fällt auch gegen YB aus. Raphael Wicky werden folglich nur zwei nominelle Innenverteidiger zur Verfügung stehen: Marek Suchy und Léo Lacroix.

Gut möglich, dass er gegen YB trotzdem mit einer Dreier-Abwehr spielen lässt und entweder Fabian Frei oder Taulant Xhaka zurückbeordert. Denn YB wird das Spiel vor eigenem Publikum mit Sicherheit dominieren wollen. Und bei derartigen Konstellationen hat Wicky in der Champions League beste Erfahrungen gemacht mit einem 3-4-3.

Hinten dicht machen und bei Ballverlust der Berner blitzschnell umschalten – so könnte das Basler Spiel auch gegen YB ausschauen. In einer Art Mini-Champions League in Bern. Wicky will nicht zu viel verraten, sagt bloss: «Es ist klar, dass es gegen YB Umschaltmomente geben wird. Die müssen wir effizient nutzen, denn wir wollen in den Final einziehen.» So oder so: Tore müssen her. Spätestens im Penaltyschiessen.

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