Deborah Büttel mochte immer harte Massagen, man sollte ja auch etwas spüren. So kam es, dass sie sich zu einer Routine-Massage auf die Barre legte. Als die Mittel- und Langdistanzläuferin danach wieder aufstehen wollte, spürte sie einen durchziehenden Schmerz. «Ich kann nicht einmal sagen, wo der Schmerz am grössten war. Entweder war er zuerst in den Beinen und dehnte sich sofort auf den Rücken aus, oder umgekehrt.»

Diverse Untersuchungen hat die Riehenerin vorgenommen, doch alle Röntgenaufnahmen haben nichts gezeigt. «Es war ja kein Bruch, nichts gerissen», erklärt Büttel. Sie ist von Therapie zu Therapie gerannt, doch nichts hat geholfen, die Schmerzen zu beheben und deren Ursprung aufzudecken. Bis heute ist unklar, an was Büttel zwei Jahre lang litt.

Egal, ob sie lag, sass, stand, ging oder lief – die Schmerzen waren da. «Laufen war mein Lebenszentrum, meine Leidenschaft», sagt Büttel. «Plötzlich konnte ich das nicht mehr.» Mit Verletzungen war die Riehenerin bereits mehr als vertraut. Nach der Matura konzentrierte sie sich drei Jahre lang profimässig auf den Laufsport. In dieser Zeit erlitt die heute 27-Jährige mehrere kleine und grössere Verletzungen. «Dies allerdings ganz klar selbst verschuldet. Ich habe nicht auf meinen Körper gehört, ihm nach intensiven Trainingsphasen keine Erholung gegönnt.» Die Massage vor zwei Jahren kommt jedoch eher einem Unfall gleich. Vom einen Tag auf den anderen ging nichts mehr. «Das Schlimmste war, dass ich die Ursache nicht kannte und nicht wusste, ob ich jemals wieder laufen kann. Ich glaubte nur ganz fest daran.»

Da entschied sich Büttel, keine weiteren Therapien zu besuchen. «Ich wusste, dass mein Körper Ruhe brauchte, die wollte ich ihm geben.» Sie ging ihrem Jura-Studium nach und schloss im letzten Sommer den Bachelor ab. «Ich war froh um das Studium. Ich konnte über andere Themen reden als nur über den Laufsport.» Dennoch: Die Baslerin läuft seit ihrem neunten Lebensjahr. «Es gibt nichts, das mir das Laufen ersetzen kann.»

Schritt für Schritt nach vorne

Mit dem neuen Jahr kam im Winter auch die Besserung. Doch nicht so plötzlich wie die Schmerzen vor zwei Jahren aufgetaucht sind, gingen sie auch wieder vorbei. «Ich muss alles langsam angehen», weiss Büttel. Sie versucht, ihrem heftigsten Rückschlag etwas Positives abzugewinnen. «Ich habe gemerkt, dass mein Körper nicht alles verkraften kann», weiss Büttel. Nach einem zweiwöchigen Intensivtraining gibt die 27-Jährige ihrem Körper jeweils eine Woche Zeit zur Erholung.

Im Februar gab Büttel an den Schweizer Hallenmeisterschaften über drei Kilometer ihr Comeback. Mit dem fünften Rang fiel dieses weniger gut als erwartet aus, doch gleich mit dem ersten Platz am Birslauf, am GP Fricktal sowie am Wohler Pfngstlauf wurde ihre wiedergewonnene Form bestätigt. Am Freitag hat die Riehenerin auf dem zweiten Platz die Schweizer Meisterschaft über zehn Kilometer in Uster bestritten. «Die SM war für mich eine weitere Standortbestimmung», verdeutlicht sie. Längerfristig will Büttel ihr Training steigern, ihre Läufer-Karriere fortsetzen, vor allem aber will sie gesund bleiben.