Triathlon

Den Kopf ausgetrickst: Wie sich ein Triathlet für das Biest auf Hawaii qualifiziert hat

Robin Wild qualifizierte sich bei seinem allerersten Ironman in Vichy gleich für die Weltmeisterschaften auf Hawaii. Für sein grosses Ziel steckt er einiges weg. Da nimmt er es auch in Kauf, dass er nach dem Wettkampf keine Treppen hochsteigen kann.

Das Stillsitzen gehört nicht zu den Stärken von Robin Wild. «Ich bewundere Leute, die einfach sein können», sagt der 27-Jährige aus Allschwil. Seine Aussage ist verständlich. Was als unmenschlich erscheint, bezeichnet Wild als seine grosse Leidenschaft: ein Triathlon über die Ironman-Distanz. Die Zahlen sind beeindruckend: 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Velofahren, 42,195 Kilometer Laufen. Seinen Bewegungsdrang demonstriert der Triathlet im Gespräch. Er verleiht seinen Erzählungen mit Armbewegungen Ausdruck, lässt sich im Sessel zurückfallen, greift sich mit beiden Händen um die Knie.

Dabei hätte er allen Grund, seinen Körper derzeit zu erholen. Wild, der seinen Sport auf Amateurstufe ausübt, gewann vor zwei Wochen die Silbermedaille beim Ironman in Vichy in seiner Alterskategorie, in der sich Triathleten zwischen 25 und 29 Jahren messen. Es war ein Erfolg auf Anhieb, versuchte er sich in Frankreich doch das allererste Mal an der Ironman-Distanz. Eine Woche nach der Herkulesleistung zehrt sein Körper immer noch davon, teilweise konnte er nicht einmal Treppen laufen. Der Einsatz lohnte sich jedoch. Mit seiner Endzeit von 9:26:54 Stunden qualifizierte sich Wild für die Weltmeisterschaften auf Hawaii, die im nächsten Jahr im Oktober stattfinden.

Der Kopf sagte, er solle mit dem Rennen aufhören

Beissen, Leiden und Kämpfen gehören zum Triathlon wie das Amen in der Kirche. Der Ironman in Vichy war keine Ausnahme. «Nach 13 Kilometern Rennen kam der Moment, wo es wehtat», sagt Wild. Es ist der Zeitpunkt, wo er gegen die eigenen Gedanken ankämpft. «Der Kopf sagte mir, ich solle aufhören. Ich trickste ihn aus und entschied, ein bisschen Tempo rauszunehmen.»

Den Kopf austricksen, den inneren Schweinehund überwinden, Schmerzen besiegen. Während eines Ironman bleibt Wild keine Zeit für andere Gedanken. Die Grenze zwischen zu viel und zu wenig machen ist in einem Rennen kaum erkennbar. Es ist wichtig, das eigene Rennen zu machen und nicht auf die anderen zu schauen, auch wenn sie zügiger unterwegs sind. «Beim Ironman wird erst im Ziel abgerechnet.»

Voller Einsatz für das Biest auf Hawaii

Der Wettkampf ist nur das letzte Puzzlestück, welches das ganze Bild vervollständigt. In den Monaten davor quält sich Wild im Training. Die Ziellinie, die einem Triathleten im Rennen zu Höchstleistungen verhilft, fehlt ihm in der Vorbereitung gänzlich. «Mental war es am härtesten, als ich für den Ironman in Vichy mit einer Art Hometrainer fünf Stunden auf dem Velo sass.»

15 bis 25 Stunden pro Woche trainiert Wild jeweils. Im Gegensatz zu Profis macht er dies ohne Sponsoren und mit zwei beruflichen Tätigkeiten nebenher. An einer Berufsschule ist er als Sportlehrer tätig und bei seinem Verein, den Basler Wildcats, fungiert er als Triathlontrainer. Viel Zeit für ein Privatleben bleibt Wild nicht. «Ich würde schon gerne andere Sachen machen. Aber im Moment gehe ich ‹All in› für Hawaii.»

Der Ironman auf der amerikanischen Insel ist für Triathleten der Mythos schlechthin. Beim Gedanken daran schnauft Wild tief durch und beschreibt ein Video, auf dem zu sehen ist, wie zwei Triathletinnen kurz vor der Ziellinie nicht mehr laufen können und sich dann krabbelnd ein Schlussrennen liefern. Die Szene zeigt, wie Triathleten über ihre Grenzen hinausgehen.

Die hohe Luftfeuchtigkeit, die extreme Hitze und die Einsamkeit machen das Rennen auf Hawaii zum «Biest», wie Wild den Wettkampf bezeichnet. Er versprüht beim Gedanken daran eine immense Vorfreude. Die Verschiebung der eigenen Grenzen behagt ihm um einiges mehr als das Stillsitzen. «Nach einer Stunde reicht es mir jeweils damit», sagt er. Da kommt es nicht überraschend, dass sich Robin Wild nach dem Gespräch direkt auf den Weg in die Schwimmhalle macht.

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