Basel/KLH
Den Neo-Amateuren fehlt die Erholung

Wie schwierig ist die Umstellung vom Profileben zum «Amateurstatus», von der NLB in die 1. Liga? Mit Cyrille Scherwey und Pascal Wittwer skizzieren zwei ehemalige NLB-Spieler der Basel Sharks, wie sie sich in ihrem neuen Alltag eingefunden haben.

Daniel Monnin
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Cyrille Scherwey verlässt den EHC Basel/KLH in Richtung Olten.

Cyrille Scherwey verlässt den EHC Basel/KLH in Richtung Olten.

Uwe Zinke/Sportives

Cyrille Scherwey und Pascal Wittwer sind nur zwei einer ganzen Reihe von bisherigen NLB-Spielern, die – notgedrungen oder nicht – auf diese Saison hin den Schritt zurück in die 1. Liga gemacht haben. Doch ist es wirklich ein «Schritt zurück», haben sich die Voraussetzungen nicht drastisch verändert?

Cyrille Scherwey, der 25-jährige Basler mit der Erfahrung aus 253 NLB-Spielen in fünf Saisons bei Sierre und den Basel Sharks, spricht von einer «Riesenumstellung. Als NLB-Profi stehst du praktisch täglich auf dem Eis, trainierst jeweils am Morgen und hast am Nachmittag viel Zeit für eine aktive Regeneration.» Jetzt – in der 1. Liga – arbeitet er zu 100 Prozent und trainiert durchschnittlich dreimal pro Woche – jeweils abends.

«Da bleibt die Erholung für Körper und Geist auf der Strecke.» Scherwey gibt offen zu, dass er am Anfang der neuen Doppelbelastung ziemlich kaputt gewesen sei. «Ich hatte und habe teilweise auch noch heute Mühe.» Die Umstellung sei für ihn schwieriger als angedacht. «Man muss vieles anpassen, nicht nur den täglichen Rhythmus, auch das Hirn muss sich anpassen.» Er hätte, meint er lachend, am Anfang «auf dem Eis recht Mühe gehabt. Ich habe mein Timing und meine Denkweise verändern müssen, das war und ist nicht immer einfach.»

Wittwer fiel die Anpassung einfacher

Ein wenig lockerer sieht der 29-jährige Aargauer Pascal Wittwer die Adaption an ein neues Umfeld. Er bringt die Erfahrung aus 382 NLB-Spielen in acht Jahren bei Ajoie und Basel mit. Aktuell ist er der Topskorer der Zentralschweizer Erstligagruppe. «Es war speziell, aber ich habe mich schnell und recht gut anpassen können.» Wittwer führt dies darauf zurück, dass er bereits als Profi im Sommer rund 70 Prozent gearbeitet hat. Sicher sei auch er «ab und zu müde, vor allem nach Spielen unter der Woche und langen Reisen».

Der Aufwand sei nirgends auch nur annähernd so hoch: «Nur in der 1. Liga musst du zwei Welten unter einen Hut bringen: Eishockey und Beruf.» Aber grundsätzlich mache es Spass und vor allem sei auch «der existenzielle Druck weg, ich spiele gelöster auf und das wirkt sich aus. Und wenn’s läuft, dann läuft’s eben – das ist nicht nur in der 1. Liga so.»

Mehr zu bieten als nur Statistiken

Scherwey und Wittwer sind zwei unterschiedliche Spielertypen, als ehemalige NLB-Spieler wird von ihnen in der 1. Liga aber von Klub, Umfeld und Fans Gleiches verlangt: Produktivität. Diese manifestiert sich gemeinhin eben in den statistischen Werten. Wittwer ist der Playmaker und treffsichere Torschütze, Scherwey hingegen der Kämpfer, kein Blender und Skorer. «Es wäre schade, wenn man unsere Leistungen nur auf Skorerpunkte reduzieren würde», sagt Scherwey. Das ist richtig, denn beide haben mehr zu bieten als nur den für alle sichtbaren Torerfolg.