Silvio Wernle reibt sich verwundert die Augen. «1000 Zuschauer in dieser engen Halle, wie soll das gehen?», fragt der Trainer des RTV Basel und weist darauf hin, dass im Cup-Viertelfinal an selber Stätte nur 300 Schaulustige Eintritt fanden. Glaubt man den Verantwortlichen des NLB-Spitzenreiters TV Endingen, so soll es sehr wohl möglich sein, denn von ihnen stammt die vierstellige Prognose. «Wir werden zusätzliche Sitzplätze aufbauen», verspricht Geschäftsführer Christian Villiger.

Klar ist: Auf den RTV Basel wartet morgen (20 Uhr) in der Halle Weissenstein in Würenlingen ein Hexenkessel. Der TV Endingen und der RTV Basel machen den direkten Aufsteiger in die Nationalliga A und den Platz in der Barrage unter sich aus. Seit elf Runden stehen die beiden Teams ununterbrochen an der Tabellenspitze. Das wird auch am Ende der Saison der Fall sein. Fragt sich nur, in welcher Reihenfolge.

Der psychologische Vorteil liegt aus zweierlei Gründen bei den Baslern. «Wir haben nun acht Spiele in Folge gewonnen. Wir haben uns diesen vorgezogenen Final verdient», sagt Wernle und fügt an: «Endingen hat sich dieses Spiel mit Sicherheit nicht gewünscht.» Vier Punkte betrug Endingens maximaler Vorsprung auf Basel während der Saison, derzeit sind die zwei stärksten Teams der NLB punktgleich.

In den Köpfen der Spieler

Basels zweiter Vorteil: Die letzten drei Direktbegegnungen gingen an den RTV. Am Ende der letzten Saison begruben die Basler Endingens Aufstiegstraum. In dieser Saison setzte sich Basel mit 25:24 in der Meisterschaft und mit 27:25 n. V. im Cup durch. «Diese Resultate sind in den Köpfen der Spieler», ist Wernle überzeugt.

«Wir hatten in den letzten beiden Spielen genug Chancen», sagt Endingens Trainer Zoltan Cordas, der die Aargauer am Ende der Spielzeit nach sieben Saisons verlassen wird und den B-Ligisten TV Möhlin übernimmt. «Wir haben einfach zu viele 100-prozentige Chancen vergeigt. Aber jetzt ist nicht die Zeit, um über die Taktik nachzudenken», erklärt Cordas, der sonst als Taktikfuchs gilt.

Kritiker behaupten, dass Endingen oft Probleme hat, wenn zwischen den Pfosten ein grosser Name steht. Mit dem ehemaligen Nationalgoalie Pascal Stauber, der Ende Saison zurücktritt, verfügt Basel über einen solch grossen Namen. «Der Name darf nie eine Rolle spielen. Das müssen meine Spieler ausblenden», fordert Cordas.

Die Basis ist vorhanden

Silvio Wernle erwartet in Würenlingen einen Kampf auf Biegen und Brechen. «Wer die Nervosität zuerst ablegen kann, hat einen klaren Vorteil», sagt er. Seinen Schützlingen impft er ein, dass dieses Spiel eine Belohnung sei. So will er ihnen den Druck nehmen. Die spielerischen Vorteile sieht Wernle bei Endingen. «Dieses Team ist enorm eingespielt und dynamisch. Die Zuspiele passen auf die Hundertstelsekunde und auf den Millimeter.» Dagegen verfügt der RTV Basel über die besseren Einzelspieler.

Morgen wird also die Basis für den direkten Aufstieg in die NLA gelegt. Mit einem Sieg stünde der RTV erstmals in dieser Saison an der Tabellenspitze. Endingen nimmt diesen Platz seit der fünften Runde ohne Unterbruch ein. Der Tabellenzweite muss den Umweg über die Barrage gehen. Dort wartet der Zweitletzte der NLA.

«Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Barrage für den B-Ligisten ein schwieriges Unterfangen ist», sagt Wernle. Dann also lieber der direkte Aufstieg. Für den Trainer ist klar: «Der RTV verfügt über die nötige Basis für die NLA. Wir trainieren und spielen, um aufzusteigen.» Das Gesicht der Mannschaft soll sich in Zukunft nicht gross verändern, «egal, in welcher Liga wir spielen», sagt Wernle.