Radsport
Den Trumpf «Frau» spielen, sticht weiterhin

Auch beim Jubiläums Grand Prix Oberbaselbiet standen die Frauen im Mittelpunkt. Die Zürcherin Nicole Hanselmann konnte sich unter anderem gegen eine achtfache Weltmeisterin durchsetzen.

Michael Schenk
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Nicole Hanselmann, Siegerin des «Hauptrennens» fährt mit deutlichem Vorsprung ins Ziel ein.

Nicole Hanselmann, Siegerin des «Hauptrennens» fährt mit deutlichem Vorsprung ins Ziel ein.

Kenneth Nars

An einen speziellen Grund mag sich OK-Präsident Andreas Wild nicht erinnern. Eine allfällig persönliche Motivation, weshalb er und seine Crew vor zehn Jahren, als man den Grand Prix Oberbaselbiet ins Leben rief, primär die Frauen ins Zentrum rückte. «Wir wollten einfach etwas zur Förderung des Frauen- und Junioren-Radrennsports tun», erinnert sich Wild. Der 60-jährige Basler ist denn auch zufrieden mit der Entwicklung seines «Babys» – der GP Oberbaselbiet funktioniert. «Die Entwicklung ist sehr positiv; darum werden wir am Rahmen auch nicht gross rumschrauben», so Wild. Praktisch jährlich wirft der Anlass, auch dank loyaler Sponsoren, einen Gewinn ab. «Das Geld fliesst einerseits in die Nachwuchsförderung der regionalen Szene und andererseits in unsere Reserven.» Letzteres darum, damit der Event auch die kommenden Jahre auf einem sicheren Fundament steht.

Lieber «obsi», wie der Vater

Diesmal ging der Sieg «im Hautprennen», wie Andreas Willd es explizit formuliert, an Nicole Hanselmann. Am Sieg der Züricherin konnten weder Strassen-Schweizermeisterin Mirjam Gysling, noch Quer-Meisterin Sina Frei noch die achtfache Weltmeisterin aus Deutschland, Hanka Kupfernagel, etwas ändern. «Es war der erwartet und erhoffte Zweikampf zwischen dem Bigla und dem Maxx-Solar Team», freute sich OK-Präsident Wild. Anders als letztes Jahr ging diesmal die Taktik der Schweizer Bigla-Equipe jedoch auf. Als sich Hanselmann aus der Spitzengruppe verabschiedete, sorgte ihre Teamkollegin Desirée Erler, die die Ziellinie am Ende als Dritte passierte, hinten für die hilfreiche Entschleunigung. Hanselmann, die aktuell Zweitplatzierte im Schweizer Jahresklassement, konnte so fast eine Minute Vorsprung ins Ziel strampeln.

«Bergfloh-Tochter» auf dem Vormarsch

Den im helvetischen Sportler-Ohr bekanntesten Namen im Feld der Frauen trug indes Denise Breu. Die Tochter des langjährigen Profis und «Bergfloh» Beat Breu fährt derzeit so stark wie nie zuvor. So startete die 29-jährige Polizistin aus Sils heuer anlässlich der Auensteiner Radsporttage erstmals für die Nationalmannschaft. Abgesehen davon ist sie seit heuer Teil des Teams von Haibike by Wolf Cycling und bestritt in dieser Rolle unter anderem auch die Tour de Bretagne. «Ich denke schon, dass die damit verbundenen Einsätze und Trainings dazu führen, dass ich heuer meine beste Saison habe», sagt Denise Breu. Abgesehen davon, dass ihr diese Berufungen in Nati und Team natürlich viel Motivation verliehen haben.

Radsport bleibt ein Hobby

Dessen freilich unbesehen stand für Denise Breu eine Profikarriere, wie die ihres Vaters, nie zur Debatte: «Nein, für mich ist und bleibt der Radsport ein Hobby», sagt sie. Bis 2007, als Beat Breu, der 1996 nach 17 Profijahren zurücktrat, sein Comeback in der Sparte Radquer gab, hatte Tochter Denise gar nichts am Hut mit «Gümmelen», respektive Radrennen. «Bis dahin gab es für mich nur Pferde», erinnert sie sich. Inzwischen indes steht der «Drahtesel» höher im Kurs als das Springross. Beim GP Oberbaselbiet reichte es Denise Breu vor den Augen ihres Vaters und dessen Bulldogge zu Platz 15. «Ich bin zufrieden, es war ein schweres aber gutes Rennen», bilanziert Denis Breu.

Wie der Papa, der 1982 die legendäre Tour-de-France-Etappe auf die Alpe d’Huez gewann, fährt auch die Tochter lieber den Berg hinauf als hinunter. «Warum ich lieber bergauf statt runter fahre, kann ich nicht genau sagen», hält Denise Breu fest. Tja, seine Gene kann man offenbar nicht belügen.